Kolbenschmidt Pierburg, KSPG, Abgasrückführungsventile

Fertigung bei Pierburg S.A. im baskischen Abadiano: Unter anderem schon über 50 Millionen Abgasrückführungsventile produziert. Bild: Kolbenschmidt Pierburg

Mit einem Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro 2010 hat der Automotive-Bereich von Rheinmetall das Krisenvorjahr mit einem Plus von 30 Prozent oder 460 Millionen hinter sich gelassen. Das war sogar mehr Zuwachs als die weltweite Autoproduktion, die nur um 24 Prozent zulegte. Damit sind Dr. Gerd Kleinert und sein Team fast wieder auf Augenhöhe mit den Kollegen aus dem Defence-Sektor des Düsseldorfer Konzerns. Und für das laufende Jahr könnten es sogar 2,1 Milliarden Automotive-Euro werden.

Nur beim EBIT ist die Kolbenschmidt Pierburg AG (KSPG) mit Sitz in Neckars-ulm noch weit weg: Zwar erreichte man 2010 ein Rekordergebnis von 81 Millionen Euro – nach einem Verlust von 187 Millionen im Vorjahr. Aber der militärische Arm des Konzerns kam bei nahezu gleichem Umsatz fast auf das Dreifache.

Vorstandsvorsitzender Kleinert hat sich eine weitere Ergebnisverbesserung für 2011 zum Ziel gesetzt: 110 bis 130 Millionen Euro sollen es werden – das prognostizierte Marktwachstum und operative Verbesserungen sollen helfen.

Big durch BIC

Eine strategisch vorangetriebene Internationalisierung sowie Akquisitionen sollen ebenfalls dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Die Unternehmensleitung rechnet mit einem "continental shift" von Europa und den USA in Richtung der Wachstumsmärkte Brasilien, Indien und China – kurz BIC. Deren Anteil könnte 2017 auf über ein Drittel der globalen Light-Vehicle-Motorenproduktion von dann rund 101 Millionen Einheiten steigen. Das wären 24,5 Millionen in China, 6,3 Millionen in Indien und 4,8 Millionen Einheiten in Brasilien, so die Prognose für 2017, auf die sich die Neckarsulmer stützen. "In Russland geht derzeit noch nicht so toll die Post ab", meint Kleinert salopp. Und betont: "Wir müssen unsere Ressourcen konzentrieren".

Das tut KSPG: Für den südamerikanischen Markt etwa wird der Standort Celaya in Mexiko derzeit um über 50 000 Quadratmeter erweitert. Ab Herbst 2011 sollen die heute knapp 500 Mitarbeiter am ursprünglichen Kolben-Standort neben elektrischen Wasserpumpen, Öl- und Vakuumpumpen zusätzlich Gleitlager fertigen. Die ziehen vom brasilianischen Standort um, der künftig verstärkt Wasser- und Ölpumpen bauen wird.

In Indien wird der Standort noch einmal um die Hälfte erweitert; an den sieben Standorten in China werden nun neben Zylinderköpfen, Motorblöcken und Kolben zunehmend Wasser-, Vakuum-, Öl- und elektrische Pumpen, Aluminiumfelgen sowie Drosselklappenstutzen gefertigt. In Anting bei Shanghai entsteht als Joint Venture das größte Kolbenwerk im Konzernverbund. Der Standort wird ebenfalls verdoppelt und soll dann bis zu 17 Millionen Kolben jährlich produzieren.

Die Manager von Kolbenschmidt Pierburg nehmen bei den wichtigen Trends in der Antriebstechnologie, nämlich der Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors sowie den alternativen Antrieben, als wichtigste Treiber die Gesetzgebung wahr – also etwa Abgasnormen oder CO2-Strafzahlungen. Als Wege zum Erreichen dieser neuen Verbrauchs- und Emissionsgrenzen sehen die Neckarsulmer neben Leichtbau und Downsizing noch viel Volumen bei der Variabilisierung der Nebenaggregate sowie, im Hinblick auf ein Erreichen von Euro VI beim Diesel, beim kombinierten Einsatz von Nieder- und Hochdruck-Abgasrückführungen. Leitwerk für die Fertigung solcher Ventile und Module, aktuell rund fünf Millionen jährlich, ist übrigens der Pierburg-Standort Abadiano bei Bilbao.

Folgerichtig setzen die Motorspezialisten auf Innovationen wie ihr vollvariables, elektromechanisches Ventilsteuerungssystem Univalve und entwickeln ihre Abgasrückführungsventile, Drosselklappen und elektrischen Abgasklappen weiter. Auch für die Reibleistungsreduzierung von Zylinderlaufflächen sind neue Beschichtungs- und Bearbeitungsverfahren in der Erprobung. Auf der IAA 2011 will man zudem zusammen mit FEV eine eigene Range-Extender-Studie vorstellen.