Leoni-Boss Bellé

Leoni-Boss Bellé räumte auf der Hauptversammlung ein, dass die Konzernstruktur teils ineffizient sein. Bild: Leoni

Im vergangenen Jahr hatte Leoni massive Probleme in seiner Bordnetzsparte öffentlich machen und mehrfach die Gewinnprognose senken müssen. Nach dem Abschied des hoch gelobten langjährigen Vorstandschefs Klaus Probst frage er sich heute: "Bin ich im falschen Kino?"

In der Bordnetzsparte fertigt Leoni Systeme, um verschiedene elektronische Teile im Auto miteinander zu vernetzen. In diesem Bereich war im vergangenen Jahr bei Leoni einiges durcheinander geraten. Ein rumänisches Werk hatte beispielsweise mehr Aufträge angenommen als es eigentlich bewältigen konnte. Für viel Geld mussten auch Mitarbeiter aus anderen Werken aushelfen.

Klose warf die Frage auf, wie sich in der betroffenen Sparte ein solcher "Organisations-Moloch" habe entwickeln können. Der Aufsichtsrat müsse nachdenken, welche Kompetenzen er aufbauen müsse, damit die Anleger "solche Dinge künftig nicht mehr sehen".

Leoni-Vorstandschef Dieter Belle räumte ein, die Struktur der Sparte sei "zu komplex und zu ineffizient" gewesen. Das werde gerade geändert. Einzelne Projekte sollen künftig, auch vom Vorstand direkt, stärker überwacht und begleitet werden.

Der damalige Spartenchef hatte kurz nachdem die Probleme im vergangenen Jahr bekannt wurden das Unternehmen verlassen. An seiner Abfindung in Höhe von rund 3,1 Millionen Euro gab es Kritik. Der Betrag machte beinahe die Hälfte der insgesamt gewährten Zuwendungen für den Vorstand im vergangenen Jahr aus.

Ein Aktionärsvertreter fragte, warum man dem Chef der zuletzt erfolglosen Sparte zum Abschied einen solchen Betrag "in den Rachen wirft". Aufsichtsratschef Werner Rupp begründete das vor allem damit, dass der Vertrag noch vier Jahre gelaufen wäre und die Voraussetzungen für eine außerordentliche Kündigung nicht erfüllt waren. Rupp kündigte aber an, die Frage nach einem schuldhaften Verhalten dann zu beantworten, wenn das operative Geschäft wieder in Ordnung gebracht sei.

Zumindest das Stühlerücken im Vorstand ist nun vorerst beendet. Am 1. Oktober soll Karl Gadesmann als Finanzchef den Vorstand wieder vervollständigen, nachdem verschiedene Funktionen innerhalb des Gremiums übergangsweise besetzt waren. Gadesmann kommt vom Bordnetz-Konkurrenten Dräxlmaier.

Zumindest im ersten Quartal deuten sich vorerst keine weiteren Probleme für den neuen Finanzchef an. "Ich kann zum ersten Quartal sagen, dass insgesamt sowohl der Umsatz als auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern prognosegerecht ausfallen", erklärte Vorstandschef Belle. Der Umsatz landete im ersten Quartal bei 1,09 Milliarden Euro und damit minimal unter dem Niveau des Vorjahres. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im Jahresvergleich um mehr als 30 Prozent auf 24,4 Millionen Euro.

Anleger fassten danach offensichtlich wieder zaghaft Zutrauen: Nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen kämpfte sich die Aktie aus der Tagesverlustzone und lag am Nachmittag mit rund 1,5 Prozent im Plus. Die Leoni-Aktionäre beschlossen auf der Hauptversammlung die vorgeschlagene Dividende von einem Euro je Aktie, 20 Cent weniger als im Jahr zuvor.