VDA, Bernd Gottschalk
Beurteilt exklusiv für AUTOMOBIL PRODUKTION die Lage führender Zulieferer: Bernd Gottschalk, Geschäftsführer AutoValue und ehemaliger VDA-Präsident. Bild: VDA

Man braucht schon einen guten Draht zu den Kunden, wenn man wie Leoni 3,8 Milliarden Euro mit ansprechender Profitabilität umsetzt. Und man braucht einen guten Draht zum Kapitalmarkt, wenn man die Finanzierung dieses MDAX-Unternehmens so geräuschlos und langfristig gestalten will, wie das jüngst geschehen ist.

Ob Kapitalerhöhung oder Schuldscheindarlehen, Leoni hat ein glückliches Händchen dafür, dieses Thema, das bei vielen Zulieferern noch immer zentrale Schwachstelle ist, langfristig und attraktiv zu lösen. Heiß wurden die Drähte nur, als das Gewinnwachstum jetzt erst einmal gestoppt wurde und 2013 zum "Übergangsjahr" deklariert werden musste – mit entsprechender Bestrafung beim Börsenkurs. Dennoch gilt: Die institutionellen Investoren wissen, was sie an Leoni haben. Das gilt auch für die Kunden, allen voran die Automobilhersteller. Hohe Entwicklungskompetenz – in der Bordnetzsparte ist man in Europa immerhin Nummer 1 und weltweit Nummer 4 – sowie Markt- und Kundennähe sind seit jeher Garanten für eine hohe book-to-bill-Rate. Mit einer klaren Ausrichtung an der Kostenführerschaft tut sich mancher Zulieferer schwer, nicht Leoni. Die Standortpolitik wird dem folgerichtig untergeordnet. Und wenn die Umsatzrendite immer noch nicht stimmt, hilft ein internationales Task Force Team nach – wie jetzt nach der Akquisition des koreanischen Daekyeung. Fünf Milliarden Euro Umsatz will Leoni bis 2016 erreichen. Das ist machbar, auch wenn man dieses Jahr kaum wachsen dürfte. Nur darf dann der Draht zu den Kunden nicht abreißen, die letztlich die guten Konjunkturen schaffen. Vom Markt kann sich auch Leoni nicht abkoppeln.