Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach

Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach: Bild: Schaeffler

In einem Elektroauto fielen im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor "wesentliche Schaeffler-Produkte weg", erklärte Rosenfeld. Der Konzern mit rund 85.000 Mitarbeitern stellt etwa Teile von Getrieben her. Elektroautos benötigten aber keine Hochleistungsgetriebe, sagte der Unternehmenschef. Es sei vor dem Hintergrund eine offene Frage, welchen Anteil Schaeffler an der Herstellung von Elektroautos haben werde.

Rosenfeld bemühte sich gleichwohl, Sorgen zu dämpfen. "Nicht alles wird so heiß gegessen wie es gekocht wird." Auch im Jahr 2030 würden Autos mit Hybrid- und reinem Verbrennungsantrieb noch die Mehrheit der verkauften Fahrzeuge ausmachen, prognostizierte Rosenfeld. Er bezeichnete es aber als realistisch, dass dann rund 30 Prozent der Neuwagen Elektrofahrzeuge sein werden. Schaeffler gebe ein "klares Bekenntnis zur Elektromobilität" ab, sagte Rosenfeld vor dem Hintergrund.

Eine Neuausrichtung des Unternehmens hält der Vorstandschef aber nicht für nötig. Rosenfeld stellte am Dienstag zwar eine "Mobilität für morgen" genannte Langfriststrategie vor. Diese bedeute aber "keine radikale Abkehr" von den bisherigen Plänen. Schaeffler bleibe sowohl Automobil- als auch Industriezulieferer, kündigte Rosenfeld an. In Entwicklungen im Zusammenhang mit der Elektromobilität werde das Unternehmen in den nächsten vier Jahren rund 500 Millionen Euro investieren. Einen ähnlich großen Betrag habe Schaeffler für entsprechende Entwicklungen schon ausgegeben.

Der Konzern plant nach den Worten von Rosenfeld auch keine großen Unternehmensübernahmen. Es seien für die nächsten Jahre stattdessen "kleinere Akquisitionen" im Umfang eines dreistelligen Millionen-Euro-Betrags vorgesehen. Damit wolle Schaeffler "technologische Lücken" füllen und "Risiken ausbalancieren". Rosenfeld deutete zudem Pläne für ein weiteres Sparprogramm an. Schaeffler sei derzeit "weit entfernt davon, ein schlankes Unternehmen zu sein".

Dennoch plant Rosenfeld mit Wachstum. Bis zum Jahr 2020 soll Schaeffler nach den Worten des Vorstandschefs jährlich 4 bis 6 Prozent organisches Umsatzwachstum erzielen. Jüngst bereitete dem Konzern vor allem das Geschäft als Industriezulieferer Schwierigkeiten. In der ersten Hälfte dieses Jahres stagnierte vor dem Hintergrund der Gesamtumsatz trotz höherer Erlöse im Geschäft mit Automobilteilen. Die operative Marge vor Sondereinflüssen will Rosenfeld bis zum Jahr 2020 bei 12 bis 13 Prozent halten. Der Cashflow von Schaeffler soll in vier Jahren rund 900 Millionen Euro erreichen.

Rosenfeld will zudem die Bilanz des jahrelang hoch verschuldeten Unternehmens weiter verbessern. Das sogenannte Gearing, also das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital, will der Vorstandschef bis zum Jahr 2020 auf unter 75 Prozent verringern. Gleichwohl plant Rosenfeld Dividenden in Höhe von 30 bis 40 Prozent des Nettogewinns.