Schaeffler Mover

Der Schaeffler Mover mit Radnabenantrieb als flexible und emissionsfreie Plattform für unterschiedlichste Fahrzeugkonzepte. Bild: Schaeffler

Städte werden attraktiver

Auf dem 11. Kolloquium von Schaeffler am 12. und 13. April in Baden-Baden demonstrierten und diskutierten Experten des Unternehmens in zahlreichen Vorträgen die neuesten Entwicklungen und Komponenten des verbrennungsmotorischen Antriebsstrangs, sprachen über die Elektrifizierung des Automobilantriebs wie auch über neue Fahrzeugkonzepte. Eines der Highlights war der Schaeffler Mover, eine Technologieplattform für Robo-Taxis und urbane Transportfahrzeuge. Zu den technischen Highlights zählen unter anderem vier Radnabenantriebe inklusive 90-Grad-Lenkungen. Mit diesem Fahrzeugkonzept zeige man, wie sich Mobilität gerade in urbanen Regionen gestalten lasse, sagte Technologievorstand Prof. Dr. Peter Gutzmer. „Soziales Leben findet in den Städten statt“, hob Gutzmer in seiner Keynote hervor, in der der Vorstand stark auf die Bedürfnisse und Wünsche des mobilen Menschen der Gegenwart und Zukunft abhob.

Simulationskompetenz als Schlüssel

Das so genannte Corner Modul im Urban Crusier umfasst den jeweiligen Radnabenmotor, die Radaufhängung inklusive Federung und den Aktor für die elektromechanische Lenkung. Die Lenkung des Radmoduls ist als elektromechanisches Steer-by-Wire-System ausgeführt. Das Fahrzeug bietet so zahlreiche Varianten der Fortbewegung. Es lässt sich etwa auf der Stelle wenden oder im rechten Winkel in Längsparkplätze bugsieren. Mit dem Konzept der gleichsinnig oder auch gegensinnig einschlagenden Rädern leiste man zudem einen Beitrag zur Vermeidung von Übelkeit, hörte man in Baden-Baden.
All diese Überlegungen und Möglichkeiten mache die umfassende Aufstellung des Unternehmens möglich, betonte Matthias Zink, CEO Automotive OEM von Schaeffler, der in seiner Keynote zudem hervorhob, dass insbesondere Simulations-Kompetenzen ein Schlüssel in die Zukunft seien. Die Machbarkeitsstudie will das Unternehmen in der nächsten Zeit sukzessive weiterentwickeln. Im Laufe des Jahres ist geplant, einen fahrbereiten Prototyp einschließlich Kabine und Klimatisierung zu realisieren.

Entwicklungsplattform für Elektro- und Hybridantriebe

Lösungen, die dabei helfen die immer schärfer werdenden CO2-Grenzwerte zu erreichen sowie den drohenden Einfahrverboten in Städten zu begegnen, bietet bei Schaeffler auch der neu geschaffene Unternehmensbereich E-Mobilität. Der Zuliefer ist bereits stark unterwegs mit Doppelkupplungen und Hybridmodulen für Hybridfahrzeuge. Wie sich elektrische Antriebe und Getriebe verheiraten lassen, so dass diese eine Funktionseinheit ergeben, zeigte Schaeffler in Form des dedizierten Hybridgetriebes (DH-ST 6+2“ Dedicated Hybrid Transmission). Dieses basiert auf einem automatisierten Schaltgetriebe und bietet zwei elektrische und sechs mechanische Gänge. Die zum Verbrennungsmotor parallel arbeitende E-Maschine ist so in die Getriebestruktur eingebunden, dass für sie zwei Übersetzungsstufen verfügbar sind. Der Vorteil: Auch bei hohen Fahrgeschwindigkeiten lasse sich der Elektromotor sehr effizient betreiben, heißt es.

Verbrenner hat noch viel Potenzial

Schaeffler stellt zudem die Entwicklung eines bauraumoptimierten Getriebes für Plugin-Hybrid-Fahrzeuge vor. Das dedizierte Hybridgetriebe soll die Vorteile eines automatisierten Schaltgetriebes mit denen des elektrifizierten Antriebsstrangs vereinen. Gleichzeitig sollen Fahrdynamik und Komfort steigen, Verbrauch und Emissionen sinken. Im Bereich Motor zeigten die Entwickler darüber hinaus die Vorteile einer wälzgelagerten Kurbelwelle. Ein weiteres Topthemen in der Session „Motor“ war ein 3-Zylinder-Motor mit rollierender, alternierender Zylinder-Abschaltung, das in Kombination mit dem UniAir-Ventilsteuerungssystem des Hauses Schaeffler gerade im unteren Drehzahlbereich – im so genannten Schwachlastzyklus – bis zu 25 Prozent Verbrauchsvorteil bieten kann. Demonstrieren kann Schaeffler die Fortschritte real anhand eines gemeinsam mit Ford und IAV aufgebauten 1,0-Liter-Motors.