| von Frank Volk
Aktualisiert am: 06. Aug. 2018

Heißt, jetzt schnell auf den Trend aufzuspringen, wird nicht funktionieren?
Das hat noch nie funktioniert. Erfolgreiche Unternehmen sind bereit, über längere Zeiträume systematisch in Veränderungen zu investieren. Neue Welten zu erschließen, erfordert Ergänzungen, Veränderungen und Neuheiten zunehmend zu verstehen und sie miteinander zu verbinden. Mit diesem Verständnis lassen sich weitere Kompetenzen erschließen, mit Hilfe derer wiederum weitere Wertschöpfungsmöglichkeiten entstehen können. Ein Schlüsselpunkt ist auch das Gesamtverständnis in puncto Fahrzeugantriebs-Systeme.

Wenn man Sie so hört, müssten für Schaeffler goldene Zeiten anbrechen...
Sie haben völlig Recht. Ich bin absolut optimistisch, was die Zukunft von Schaeffler anbetrifft. Genau aus diesem Grund. Wir müssen eher aufpassen, dass wir bei all den sich uns bietenden Chancen nicht zu euphorisch werden. Wir haben auf Basis der traditionellen Schaeffler-Themen ein umfassendes Systemwissen aufgebaut. Und das übrigens in allen für uns wesentlichen Regionen. Und basierend auf diesem Know-how entwickeln wir uns systematisch weiter. Schaeffler hat die erforderlichen neuen Bereiche erschlossen und somit neue Wertschöpfungsfelder geschaffen. Und das werden wir auch weiter tun.

Digitalisierung, Elektromobilität, Globalisierung. Dazu der Kostendruck, wie Ihr Chef Klaus Rosenfeld neulich beklagte. Hat Schaeffler die Größe und Struktur, um die Herausforderungen alleine zu bewältigen?
Ziel unserer Strategie und der geschaffenen Strukturen ist, dass wir es alleine schaffen. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir uns über verschiedene Kooperationen erweitern und ergänzen. Das gilt für das Umfeld der Antriebsysteme. Das könnte auch für Energiespeicherlösungen gelten. Das kann im neuen Feld unserer Idee des Bio-Hybrids, beziehungsweise in der Mikro-Mobilität der Fall sein oder beim gesamten Themenfeld Digitalisierung/Robotics, wie beispielsweise auch dem automatisierten Fahren. Dort haben wir mit IBM ja bereits einen wichtigen Partner gefunden.

Und wie sehen Sie umgekehrt das Risiko, von einem der neu in den Markt drängenden Unternehmen geschluckt zu werden?
Je näher die Zukunftsthemen in Richtung Industrialisierung rücken, umso bewusster wird es den großen neuen Playern, beispielsweise aus der IT-Branche, dass sie für die Umsetzung Partner mit entsprechendem Know-how benötigen. Da stehen Unternehmen wie Schaeffler gerade wegen ihrer System- und Umsetzungskompetenz als wertige Partner hoch im Kurs. Wir können uns über Anfragen jedenfalls nicht beklagen. Das ist ein weiterer Punkt, der mich zuversichtlich stimmt.