Sonceboz, Unternehmenszentrale

Die Unternehmenszentrale liegt im Schweizerischen Kanton Bern. Neben Schrittmotoren für Tachometer und Drehzahlmesser werden auch Aktuatoren für die technisch anspruchsvolle BMW- und Mercedes-Benz Valvetronik produziert. Insgesant hat das Unternehmen rund 850 Mitarbeiter. Die weltweite Durchdringung wird durch Linzenznehmer gewährleistet. Bild: Sonceboz

Das "Uhrental" liegt – natürlich – in der Schweiz und erstreckt sich von Biel bis Vallorbe. Alles, was bei Chronographen Rang und Namen hat, ist im Juralängstal vertreten: Rolex, Patek Philippe und Omega. Inmitten dieser Luxus-Industrie und umgeben von satten grünen Hügeln auf denen Kühe gemütlich weiden, hat Sonceboz seine Unternehmenszentrale.

Der Standort des schweizer Autozulieferers kommt nicht von ungefähr. Denn Sonceboz stellte in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts mechanische Uhrwerke für Stempeluhren her. Zwar blieben die Franko-Schweizer den Zahnrädern treu, doch mit der Elektrifizierung des Uhrwerks rückte zunehmend auch die Automobilindustrie in den Blickpunkt. 1990 folgte der entscheidende Transferschritt: Zusammen mit Magneti Marelli brachte Sonceboz die erste elektrische Leerlauf-Regulierung auf den Markt. "Der elektrische Motor brachte zahlreiche technische Vorteile, um die Funktionalität optimal zu gewährleisten", erklärt Sonceboz-CEO Pierre Gandel.

Strategie und Erfindungen

Der Ingenieur ist ein freundlicher Mann, der jedes seiner Worte abwägt. Für den Schritt in die automotive Welt findet der gebürtige Franzose eine einleuchtende Erklärung: Diversifikation. Aus dem zweiten Standbein, das vor 22 Jahren etabliert wurde, ist ein profitabler Geschäftszweig geworden: Knapp 60 Prozent aller Tachonadeln weltweit zeigen dank Sonceboz-Schrittmotoren die Geschwindigkeit des Fahrzeugs an.

Pro Jahr werden 220 Millionen der kleinen Aggregate produziert – 180 Millionen davon bei Lizenznehmern wie Denso oder Yazaki. So erreichen die kreativen Schweizer eine internationale Marktdurchdringung – ohne eigene Fertigungsstätten aufbauen zu müssen. "Sonceboz basiert auf Strategie und Erfindungen", fasst Gandel die Unternehmens-Maxime zusammen und fährt fort: "Wir entwickeln und produzieren das, was der Kunde wünscht."

Dabei helfen die flachen, unbürokratischen Strukturen. Sonceboz ist flexibel und kann schnell auf Marktbedürfnisse reagieren. Hier können sich junge Ingenieure schnell einbringen und Verantwortung übernehmen. Eine der Hauptstoßrichtungen sind zunehmend mecha-tronische Systeme. Das Ziel ist klar: die Marktführerschaft in Europa.
Neben den Schrittmotoren haben die Technik-Experten auch weitere Aktuatoren, die problemlos auf verschiedene Anforderungsprofile getrimmt werden können: Angefangen von Linear-Aktuatoren, für die Leerlaufsteuerung, bis hin zu Torque-Motoren für die Regelung von elektrisch gesteuerten Turboladern und Auslassventilen.

Tier2- und Systemlieferant

Grundsätzlich sieht sich Sonceboz als klassischen Tier2-Lieferanten, nur bei den Aktuatoren der Valvetronic für BMW und Daimler agieren die Schweizer als Systemlieferant. Die beiden deutschen Premium-OEMs setzen auf einen bürstenlosen Gleichstrommotor mit redundanter, digitaler Winkelmessung. Dabei gingen die Ingenieure auf die speziellen Wünsche der Münchner ein. "Wir arbeiten sehr gerne mit den deutschen Automobilherstellern zusammen. Sie sind immer offen für neue Ideen und Innovationen", lobt Pierre Gandel die Auftraggeber aus dem Norden. Seit 2010 leitet Gandel die Geschicke bei Sonceboz.

Getreu dem Firmenslogan "From mind to motion" reichen die Kompetenzen der Schweizer von der Entwicklung über den Prototypenbau bis hin zur (vollautomatischen) Produktion der Bauteile. Die Konzepte kommen von der (unabhängigen) Sonceboz-Tochter MMT (Moving Magnet Technologies). Die Ideenschmiede ist die Keimzelle für Innovationen: 25 Ingenieure ersinnen dort neue Konzepte, die schon zu 200 Patenten geführt haben. "Das Ziel ist es, so schnell wie möglich, vom elektromagnetischen Konzept zur Antriebstechnologie zu kommen", erklärt Michael Delbaere, Leiter der Sensor- und Aktuator-Abteilung bei MMT. Die wichtigsten Kunden sind deutsche Automobilbauer. Sie treiben Innovationen. Momentan in der Pipeline: Ein 2-D-Sensor, der die genaue Position des Ganghebels bestimmt und so eine Vielzahl von Sensoren ersetzt.