PSA-Produktion im chinesischen Shenzen: Die OEMs und die Tier-1-Zulieferer sind längst in China und

PSA-Produktion im chinesischen Shenzen: Die OEMs und die Tier-1-Zulieferer sind längst in China und anderen Schwellenländern angekommen - nun folgen die nachgelagerten Ebenen, so eine Studie. Bild: PSA

Die Deloitte-Studie „Umbruch in der Automobil-Zuliefererindustrie: Standortoptimierung und Sourcing“ untersucht strategische Anpassungen der OEMs sowie deren Auswirkung auf die Zulieferer. Innerhalb der nächsten vier Jahre wird demnach weltweit eine Vielzahl neuer OEM- und Zulieferer-Produktionsstätten, voraussichtlich vornehmlich in China, entstehen. Ursache dieser Entwicklung: Laut aktuellen Prognosen werden 2018 nur noch etw 40 Prozent der weltweit umgesetzten Fahrzeuge in Europa, Nordamerika und Japan verkauft. Im Jahre 2002 lag der Anteil noch bei 75 Prozent. Zudem arbeiten OEMs und Zulieferer enger zusammen und entwickeln dabei modularere Bauteile, was sich unmittelbar auf die Wertschöpfungskette auswirkt. Generell haben die OEMs in den letzten Jahren ihre Zuliefererbasis konsolidiert und sich auf den Einkauf einbaufertiger Funktionsgruppen konzentriert.

„Die Automobilindustrie befindet sich im Strukturwandel. Dieser ist von der Dynamik der asiatischen Märkte geprägt. Die europäischen OEMs und Zulieferer können davon nur profitieren, wenn sie ihre Internationalisierung weiter vorantreiben. Dennoch könnte Deutschland nach derzeitigen Prognosen im Jahre 2018 nicht mehr zu den Top-drei-Nettoexportnationen von Fahrzeugen gehören“, kommentiert Jörg Niemeyer, Partner bei Deloitte.

In den letzten Jahren haben bereits bedeutende Produktionsverlagerungen deutscher und anderer westlicher OEMs in die Schwellenländer stattgefunden. Bis 2018 werden der Studie zufolge rund 62 weitere neue OEM-Produktionsstätten und 32 Zuliefererwerke entstehen – die meisten in China, Brasilien und Thailand.

Margendruck in A-, B- und C-Segmenten wächst

Zwar ist ein Zuwachs bei allen Fahrzeugsegmenten zu erwarten, jedoch ist dieses Wachstum besonders dynamisch in den A-/B-/C-Segmenten, die sich vor allem über den Preis differenzieren. Der daraus resultierende Margendruck wird erfahrungsgemäß an die Zulieferer weitergereicht und über weiter fortschreitende Standardisierung sowie die Nutzung von Skaleneffekten intensiviert, so Deloitte. Durch die Standardisierung und Globalisierung weniger Plattformen werden Zulieferer des Weiteren gezwungen, an mehreren Standorten zu sehr wettbewerbsfähigen Preisen zu liefern. Um diesem Druck standzuhalten, müssen Zulieferer die Effizienz ihrer Produktion weiter steigern, analysieren die Studienautoren.

Konsolidierung auf der nachgelagerten Ebene

Das Sourcing der OEMs und Tier-1-Zulieferer diversifiziert und globalisiert sich weiter. Dabei erwarten beide von ihren eigenen Lieferanten eine globale Standortstrategie bei gleich bleibender Qualität. Ein produktionsnaher Standort der nachgelagerten Lieferanten wird zunehmend zum entscheidenden Kriterium. Über 85 Prozent der Tier-1-Zulieferer rechnen mit einer Konsolidierung der Tier-2- und Tier-3-Lieferanten. Bereits mehr als die Hälfte der Tier-1-Anbieter verfolgt bei größeren Projekten eine globale Sourcing-Strategie. Generell sollen günstigere Einkaufspreise durch Low-Cost-Standortverlagerungen ihrer Zulieferer erzielt werden.

“Nach der Konsolidierungsphase von OEMs und Tier-1-Zulieferern setzt sich dieser Trend nun auf Tier-2- und Tier-3-Ebene fort. Lieferanten, die überleben wollen, werden um Produktionsverlagerungen nicht herumkommen – vornehmlich in die BRIC-Staaten, aber auch in andere ostasiatische Boomländer”, erklärt Jörg Niemeyer, Partner bei Deloitte.

OEMs reduzieren Zuliefererbasis

Der strategische Einkauf der OEMs hat in den letzten Jahren weiter die Zuliefererbasis reduziert und sich primär auf den Einkauf einbaufähiger Funktionsgruppen fokussiert. Dabei sorgt die Verlagerung der Wertschöpfung bei den Tier-1-Zulieferern für sinkende Produktionskosten, da sie mehrere OEMs mit demselben Produkt beliefern können. Zudem sorgt diese Verlagerung in der Wertschöpfungskette für mehr Know-how auf Zuliefererseite – aber auch für steigende Entwicklungs- und Investitionsrisiken.

Zum Download der kompletten Studie (PDF)

Andreas Karius/Deloitte