VDA, Bernd Gottschalk
Beurteilt exklusiv für AUTOMOBIL PRODUKTION die Lage führender Zulieferer: Professor Dr. Bernd Gottschalk, Geschäftsführer AutoValue und ehemals VDA-Präsident. Bild: VDA

Tenneco mit seinen bald acht Milliarden Dollar Umsatz, weltweit 25 000 Beschäftigten und 90 Standorten in der Welt, darunter 24 in Europa, ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch "Dickschiffe" beweglich wie Schnellboote sein können. Das Unternehmen mutiert in kurzer Zeit erfolgreich vom reinen Hersteller traditioneller Abgaselemente zu einem umfassenden Anbieter mechatronischer Systeme, und das auf globaler Basis.

Die Konsequenz, mit der dieser Strategiewechsel betrieben wird, überzeugt. Es mag helfen, dass Tenneco sich auf zwei Geschäftsfelder, auf Clean Air und Fahrwerkstechnologie, fokussiert. Allerdings ist dabei eine beeindruckende Vielfalt an Produkten weltweit zu managen, und nicht nur für den Automotive-Bereich. Eine Modulstrategie setzt den Technologietransfer von Pkw über Lkw, auch für Off-Road, Lokomotiven oder Marine um. Und schließlich weist die Landkarte von Produktions- und Engineering-Standorten weltweit kaum weiße Flecken auf. Nur so ist es möglich, für einen Lkw-Kunden wie Scania Euro-5-Technologie für die spezifischen Anforderungen Brasiliens aus São Paulo und gleichzeitig anspruchsvollste Euro-6-Technologie mit SCR, inklusive Urea-Dosier-System, X-Nox-Injektion mit integrierter Zirkulationskühlung aus Edenkoben zu liefern. Oder in China spezifische Lösungen für Kraftstoffe mit hohem Schwefelanteil anbieten zu können. Und das mit operativer Exzellenz, versteht sich.

Genau hierin liegt noch erhebliches Wachstumspotenzial. Egal, ob in Europa die Pkw- oder Lkw-Märkte wieder anziehen oder in China die Emissionsvorschriften verschärft werden, Tenneco ist immer dabei. Kein Wunder, wenn die Dellen im Krisenjahr 2009 kaum sichtbar wurden, das Personal weitgehend an Board blieb und das Unternehmen bis 2017 im Umsatz um jährlich bis zu zwölf Prozent wachsen will. Das "booked business" dafür ist im Haus.

Auf der Suche nach der DNA des Unternehmens fällt auf, dass es eine für amerikanische Unternehmen fast schon untypische Konstanz: Eine über lange Jahre stabile Führungsmannschaft, die eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen und mit "Clean Air" oder "Ride Control" unter Beweis stellt. Dass das "Financial Management" hoch im Kurs steht, ist für amerikanische Unternehmen eher typisch, aber bei Tenneco ist auch das eher konservativ. Tenneco, im Abgasgeschäft nach Faurecia die Nummer 2, wächst mit der Komplexität des Geschäftes, oder wegen ihr. Ganz wie man es nimmt. Jede Region hat schließlich ihre eigenen Vorschriften. Aber mit der Systemintegration, mit Werkstoff-Know-how, Thermo-Management oder Berechnungstools findet man die richtigen Lösungen oder mit dem globalen Footprint im Engineering oder Manufacturing – auch wenn Tenneco noch starke US-Wurzeln hat. Die Zukunft hat das Unternehmen fest im Blick, ob jetzt neue Abgasgesetze kommen oder einst Feststoff-SCR-Systeme in hoch entwickelten Märkten eingesetzt werden. Der Strategieschwenk "von Blech zur Mechatronik" mit voller Systemverantwortung und natürlich global war dafür die wichtigste Voraussetzung.

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