ThyssenKrupp, Rennsport

Starke Marke im Rennsport: Dämpfersysteme von ThyssenKrupp Bilstein. Bild: ThyssenKrupp

Die Automobilindustrie ist seit jeher eine wesentliche Säule des Konzerns. Ein Viertel des Umsatzes, rund zehn Milliarden Euro, entfallen auf Geschäfte mit Automotive-Kunden. Getragen wird dieses Geschäftsfeld von Kompetenzen bei Werkstoffen, mechanischen und mecha-tronischen Komponenten und dem Anlagenbau. So ist ThyssenKrupp heute einer der führenden Werkstoff- und Komponentenzulieferer für die Autoindustrie und gleichzeitig ein Partner für Engineering-Lösungen.

Damit das so bleibt, haben die Essener das derzeit größte Forschungs- und Entwicklungsprojekt des Konzerns rund ums Automobil angestoßen. Mehr als 40 Lösungen für die Bereiche Karosserie, Antrieb, Fahrwerk und Lenkung sind als Paket für die Automobilindustrie geschnürt worden. Nach dreijähriger Entwicklungszeit werden die Lösungen ab Herbst 2014 im Rahmen des Projekts InCarPlus vorgestellt.

Beim Gewicht zeigen InCarPlus-Lösungen Einsparpotenziale von bis zu 40 Prozent, bei den Kosten bis zu 20 Prozent. Der Fokus von InCarPlus liegt zwar auf der CO2-Reduzierung in der Nutzungsphase. Leitidee des Projekts ist aber ein ganzheitlicher Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs im Blick hat. Dafür haben über 100 Ingenieure aus den Geschäftsbereichen Stahl, Komponenten und Anlagenbau in den letzten Jahren intensiv zusammengearbeitet. Die Ausgangssituation für ein solch breit angelegtes Forschungsprojekt ist gut. Denn das Traditionsunternehmen ist im Autosegment vielseitig aufgestellt und verbindet geschickt die Kompetenzen bei Werkstoffen, Komponenten, Systemen und Fertigungsanlagen. So ist es interessant, sich die Aktivitäten der Essener beim Thema Elektromobilität anzuschauen. Für die Werkstoffexperten beginnt die Elektrifizierung des Antriebs bereits beim Material für den E-Motor. Mit Werkstoffen wie dem hochfesten Elektroband und neuen Bauformen für E-Komponenten ist es gelungen, die Wirkungsgrade von Elektromotoren zu erhöhen. Dadurch kann die Reichweite gesteigert werden.

Bei der Optimierung des Verbrennungsmotors, dem noch viel Potenzial zugetraut wird, verfolgt ThyssenKrupp einen mehrgleisigen Ansatz und bietet mit seiner Kurbel- und Nockenwellentechnologie intelligente Lösungen. Im Fahrwerk hat sich das Unternehmen auf Lenkungssysteme, Dämpfer sowie Federn und Stabilisatoren spezialisiert.

In diesem Kontext ist aus Unternehmenssicht die elektromechanische Lenkung die wesentlichste Entwicklung der letzten Jahre. Sie sorgt für eine signifikante Kraftstoffeinsparung im Vergleich zu konventionellen hydraulischen Lenkungen.
Zudem sind EPS-Lenkungen der Schlüssel zur Umsetzung aller elektronischen Signale, die die Sensorik der Assistenzsysteme übermittelt. "Für uns ist die elektromechanische Lenkung – über die bekannten Funktionserweiterungen hinaus – die Eintrittskarte in die Welt des autonomen oder teilautonomen Fahrens", betont Dr. Karsten Kroos, Vorstand der Business Area Components Technology, unter deren Dach die komplette Zuliefersparte des Konzerns für Autokomponenten zusammengefasst ist. Inzwischen entwickelt ThyssenKrupp eigene Steer-by-Wire-Lösungen und baut dafür Versuchsfahrzeuge auf. Je mehr vernetzte Systeme Einzug ins Fahrzeug halten, desto größer sind die Herausforderungen an die Betriebssicherheit. Hier ist eine hohe Prozesssicherheit bei Fertigung und Montage ein entscheidender Vorteil.
Die Komponentensparte ist in den letzten Jahren international stark gewachsen. Mittlerweile ist die Business Area weltweit an über 70 Standorten in Nord- und Südamerika, Europa und Asien vertreten: "Die Verschiebung der Märkte hin nach Asien und vor allem nach China sind wir mitgegangen. Wir haben darüber aber die anderen Märkte wie die NAFTA-Region oder Südamerika nicht aus den Augen verloren. So haben wir in den letzten drei Geschäftsjahren über eine Milliarde Euro in neue Standorte investiert", erklärt Kroos. "Engineering" ergänzt das Angebot und liefert Bausteine der Prozesskette für Karosserie und Aggregatmontage einschließlich der Prüf- und Testanlagen.

Und dann ist da noch der Stahl. Über 200 Sorten bietet ThyssenKrupp im Autobau an. Das Portfolio für Leichtbau-Stahl und die rasch wachsende Warmumform-Technologie baut man aus. Ein wichtiges neues Segment sind Hybrid-Werkstoffe. Dabei wird Stahl mit anderen Materialien wie Kunststoffen kombiniert. Auch CFK ist Thema. Um die Technologie weiter voranzutreiben, wurde 2013 bei Dresden ein TechCenter Carbon Composites gegründet. Der Schwerpunkt der Entwicklung liegt auf der Verbesserung der Fertigungsprozesse, um Kosten für CFK-Anwendungen zu senken. Um auch künftig den Stahl fit für die Zukunft zu machen.