Gesprächssituation beim Thyssenkrupp Sommergespräch in Essen.

Thyssenkrupp Sommergespräch: Komponentenchef Karsten Kroos (2. Von re.) erläutert die nächsten Punkte der Auto-Strategie. Ganz links im Bild der Thyssenkrupp CEO Heinrich Hiesinger. Bild: Bettina Mayer

Der IAA-Auftritt von Thyssenkrupp klingt zunächst wenig spektakulär, steht aber sinnbildlich für einen Meilenstein des Unternehmens – konkret gesagt für den Geschäftsbereich Components Technology. Dieser trägt mit 9,8 Milliarden Euro Umsatz immerhin 25 Prozent zum Gesamtumsatz der Essener bei. „Wenn die Branche sich so dynamisch entwickelt, wie wir alle das erwarten, dann wollen wir dabei sein und signalisieren, dass wir dazu beitragen können“, sagte Komponentenchef Karsten Kroos beim diesjährigen Sommertreff in Essen.

Thyssenkrupp wird in Halle 8 seine Innovationen präsentieren. Im Fokus stehen dabei Komponenten, die die Megatrends Elektromobilität und das autonome Fahren bedienen - zum Beispiel neue Entwicklungen im Fahrwerksbereich - von elektrischen Lenkungen bis zur adaptiven Dämpfungstechnologie. Ganz besonders erfolgreich war Thyssenkrupp bei den Lenksystemen: Alleine im Segment der elektrisch unterstützten Lenksysteme verbuchte Kroos zuletzt Aufträge aus der Automobilindustrie im Wert von über acht Milliarden Euro.

Thyssenkrupp will Systemlieferant werden

„Wir empfangen deutliche Signale, dass sich unsere Kunden auf das autonome Fahren und die Elektromobilität fokussieren und gehen davon aus, dass sie auch ihre Ressourcen darauf allokieren werden“, so Komponentenchef Kroos. „Das heißt im Klartext: Wir wollen in die Systemkompetenz und unsere Umfänge nicht nur durch mehr Intelligenz, sondern auch durch größere Umfänge erweitern. Das bietet zusätzlich zum Marktwachstum natürlich zusätzliche Geschäftspotenziale, denn nur wenn man die neuen Trends über Innovationen bedienen kann, kann man Systemverantwortung übernehmen. Dieser Herausforderung wollen wir uns stellen. Dahinter steckt auch die Wahrnehmung der Wachstumschancen durch strukturelle Veränderungen in der Zulieferkette. Das ist ein zusätzliches Argument für unseren Auftritt auf der IAA“.

Kroos betonte, dass Thyssenkrupp die drei Bereiche Karosserie, Fahrwerk und Antrieb mit neuen Produkten bedienen könne. In Kombination mit dem Knowhow im Anlagenbau – speziell für Batteriefertigungen – habe man alles, was die neuen Fahrzeugkonzepte erfordern, „und das wollen wir in Frankfurt auch besonders deutlich machen“.

„Die elektrische Lenkung ist der Einstieg ins autonome Fahren“, ergänzte Thyssenkrupp CEO Heinrich Hiesinger. Durch die Kombination von Lenkung und Dämpfung und die entsprechende Routenprogrammierung „fährt das Fahrzeug dann über Unebenheiten wie ein fliegender Teppich“. Die sogenannte Motion Sickness - wenn man etwa im Auto lesen möchte und einem dann schlecht wird – könne man damit so gut wie ganz ausmerzen. Ein wichtiger Punkt für das künftige autonome Fahrzeug, dass dem Passagier Zeit schafft für Lesen, am PC arbeiten oder ähnliches. Die ersten Systeme lieferte Thyssenkrupp bereits in die Mercedes-Benz S-Klasse, für BMW’s 7er und an JLR.

80 Prozent der Aufträge schon in der Tasche

Hiesinger prognostiziert dem Unternehmensbereich ein überproportionales Wachstum im Bereich von 10 Prozent sowie Marktanteilsgewinne. Und Hiesinger lobte Kroos, „der 80 Prozent der Aufträge für die Erfüllung seines Umsatzziels in 2020 schon heute in der Tasche hat. Allerdings kommt der Umsatz erst in 2018, da die Produkte erst anlaufen“. Hiesinger schreibt seinem Auto-Chef auch eine Zielrendite von sechs bis acht Prozent vor. Wann die erreicht sein müsse, ließ er aber offen. Hinlänglich bekannt sei nur, dass die Umsatzrendite einst im Bereich von drei Prozent lag. 

Der IAA-Auftritt von Thyssenkrupp gerät zum Meilenstein im Automotive-Geschäft, da er ein Ausrufezeichen hinter die Glaubwürdigkeit – oder sprich Zukunftsfähigkeit – der Autosparte setzt. „Der Geschäftsbereich Komponente hat in den Jahren 2010 bis ins Jahr 2012 hinein darunter gelitten, dass unklar war, ob die Sparte verkauft wird oder nicht“, gestand Hiesinger ganz offen. „Bei so einer „On-Off-Situation“ lässt sich kein Automobilhersteller darauf ein, Lebenszyklus-Verträge über mehrere Jahre abzuschließen“.

Als das Thema Verkauf vom Tisch war, sei Thyssenkrupp konsequent in Innovationen gegangen, „und wir haben uns auch nicht gescheut eine weltweite Fertigung aufzubauen“, so Hiesinger. Heute verfügt die Komponentensparte über etwa 70 Fertigungsstätten weltweit. Und errichtet weitere, darunter ein neues Lenkungswerk in China. „Die Kunden sehen, dass wir in der Lage sind, unsere Leistung auch weltweit zu erbringen. Sie sehen, dass wir nicht an der elektrischen Lenkung aufhören, sondern den Innovationspfad mitgehen in die Steer-by-Wire-Technologie. Das alles gibt uns die Chance, mit Glaubwürdigkeit sowie mit Substanz in den Produkten, auf der IAA aufzutreten“, so der CEO.