KUKA_CEO_Dr_Till_Reuter

Till Reuter ist seit 2009 Vorstandschef der Kuka AG. Sein Vertrag wurde im Frühjahr 2017 bis Ende März 2022 verlängert. Jetzt führen Aufsichtsratschef Andy Gu und Reuter Gespräche "über die vorzeitige Beendigung der Vorstandstätigkeit", wie Kuka am Samstag (24. November 2018) mitteilte. Bild: Kuka

Knapp zwei Jahre nach der Übernahme durch chinesische Investoren zeichnet sich beim deutschen Roboterhersteller Kuka überraschend ein Abgang von Vorstandschef Till Reuter ab. Aufsichtsratschef Andy Gu und Reuter führen Gespräche "über die vorzeitige Beendigung der Vorstandstätigkeit", wie das börsennotierte Unternehmen in der Nacht zum Samstag (24. November 2018) mitteilte.

Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Der Aufsichtsrat habe darüber noch nicht beraten und beschlossen, hieß es in einer Börsen-Pflichtmitteilung über "mögliche Veränderungen im Vorstand" lediglich. Aus Unternehmenskreisen verlautete, die Chinesen wollten im Tagesgeschäft stärker durchgreifen. Reuter ist seit 2009 Vorstandschef der Kuka AG. Sein Vertrag wurde im Frühjahr 2017 bis Ende März 2022 verlängert.

Kuka ist einer der technologisch führenden Hersteller von Robotern für die Industrie und war Anfang 2017 nach langem Ringen mehrheitlich vom chinesischen Hausgeräte-Hersteller Midea übernommen worden. Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, da chinesische Unternehmen verstärkt in deutsche Hightech-Unternehmen investieren. Politiker in Brüssel und Berlin hatten sich dagegen ausgesprochen, dass Spitzentechnologien in chinesische Hände fallen. Im Bundeswirtschaftsministerium hieß es am Sonntag (25. November 2018) zu der jüngsten Entwicklung: "Zu Personalspekulationen äußern wir uns nicht." Bei der IG Metall war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Chinesen wollen mehr Kontrolle über Kuka

Aus Unternehmenskreisen verlaute, die Chinesen wollten die Integration vorantreiben und die Kontrolle auch auf das operative Geschäft von Kuka ausweiten. Die Eigentümer wollten ihre Vorstellungen durchsetzen und stärker die Führung übernehmen. Midea hält nach Angaben des Unternehmens fast 95 Prozent der Kuka-Anteile.

Zuletzt hatte das Augsburger Unternehmen mit 13.710 Beschäftigten nach einer langen Wachstumsphase seine Jahresprognose wegen eingetrübter Aussichten gesenkt. Zu einer schlechteren Entwicklung im Geschäft mit Autos kämen Unwägbarkeiten im chinesischen Automatisierungsmarkt hinzu, hatte Kuka bei Vorlage der Quartalszahlen Ende Oktober mitgeteilt.

Für 2018 werde ein Umsatz von rund 3,3 Mrd Euro erwartet statt der zuvor angepeilten Erlöse von mehr als 3,5 Mrd Euro. Vorstandschef Reuter hatte angekündigt, "auf die verschärften konjunkturellen Rahmenbedingungen" zu reagieren und einen "stärkeren Fokus" auf das Effizienzprogramm zu legen.

Vor der endgültigen Übernahme hatten Kuka und die Chinesen Ende Juni 2016 eine Vereinbarung unterzeichnet, die Midea bis Ende 2023 vertraglich an weitreichende Zusagen bindet. Dazu gehören nach der damaligen Mitteilung Standort- und Beschäftigungsgarantien, das Bekenntnis zur Strategie von Kuka sowie zur Unabhängigkeit des Vorstands. Ferner ging es um Vereinbarungen zum Schutz von Geschäftspartner-Daten sowie die Zusage, keinen Beherrschungsvertrag anzustreben und die Börsennotierung bestehen zu lassen.

Kuka-Chef Reuter sagte seinerzeit zu der Abschirmungs- und Investorenvereinbarung, die vereinbarte Laufzeit von 7,5 Jahren gehe weit über das übliche Maß hinaus. "Sie schützt die Interessen unseres Unternehmens, unserer Geschäftspartner, unserer Mitarbeiter und unserer Aktionäre bis weit ins nächste Jahrzehnt hinein."