Valeo, Heckklappe

Valeo entwickelte eine automatische Heckklappen-Schließung mit Bewegungserkennung. Bild: Valeo

Die in Paris versammelten Investoren hörten gespannt zu, wie Valeos Generaldirektor Jacques Aschenbroich die Zukunft des nach Faurecia zweitgrößten Automobilzulieferers in Frankreich nach überstandener Krise sichern will: "Zwei Trends dürften sich im internationalen Automobilmarkt als die entscheidenden Wachstumsmotoren der kommenden Jahre erweisen: die Senkung der CO2-Emissionen und das starke Wachstum in den Schwellenländern", prognostiziert das ehemalige französische Kabinettsmitglied die kommenden Herausforderungen.

Die Ziele, die der seit einem Jahr amtierende Valeo-Chef daraus ableitet, sind ambitioniert: Die Dynamik des Zulieferers soll in allen Wachstumsregionen in über dem Marktdurchschnitt liegen. Zum Ausbau der heutigen Marktpositionen in den Schwellenländern will der Konzern über 60 Prozent seines Investitionsvolumens bereitstellen, um insbesondere in China, Indien, Brasilien, Thailand und der Türkei zu expandieren. Am Ende des Tages strebt Valeo allein in China und Indien in zwei Jahren einen Umsatz von einer Milliarde Euro an. Bis 2020 sollen es drei Milliarden sein. Das Wachstum im asiatischen Raum soll zu einem Gutteil von Valeos Kauf des japanischen Automobilausrüsters Niles erzielt werden. Die Transaktion beläuft sich auf 320 Millionen Euro. Die Gruppe ist mit der Akquisition Marktführer für Mensch-Maschine-Schnittstellen im Automobil, heißt es aus dem Konzern. Doch auf für den Rest des Konzerns gilt: Langfristig will man jeweils zu den Top-3-Anbietern zählen.

"Green Valeo"

Der Fokus bei Forschung und Entwicklung legt Valeo auf die Senkung der CO2-Emissionen in allen Fahrzeugklassen und möchte in diesem Segment kräftig Marktanteile gewinnen. "Valeo beabsichtigt, den Umsatz mit CO2 reduzierenden Technologien bis 2013 auf 1 Milliarde Euro zu steigern; bis 2020 soll dieser Betrag auf 5 Milliarden Euro anwachsen", so Aschenbroichs. Pläne. Dazu entwickelt das Unternehmen nicht nur Produkte für Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sondern auch Lösungen zur Gewichtsreduktion und zur Senkung des Energieverbrauchs sowie Technologien zur Vermeidung von Kraftstoffverschwendung und Erhöhung der Fahrqualität.

Zudem will sich die Gruppe durch Innovationen im Komfort- und Fahrerassistenzsystemen profilieren. Das war auch der Grund für ein Joint Venture mit Ibeo Automotive Systems GmbH im Bereich Laser Scanner Technologie: "Diese Technologie vervollständigt das bisherige Produktangebot (Radar-, Ultraschall-, Infrarot- und Kamera-Systeme) von Valeo", so das Unternehmen. Ziel ist es Lösungen für Lenkmanöver bei niedrigem Tempo zu bieten. Damit trägt Valeo zum einen der zunehmenden Urbanisierung und zum anderen der älter werdenden Bevölkerung Rechnung.

Um all dies zu finanzieren, denkt das Unternehmen daran, Anleihen aufzulegen. Nach dem Geschäftsverlauf in 2010 dürfte die Platzierung kein Problem darstellen. Dank der starken Nachfrage vor allem in Asien und den Staaten konnte der krisengeschüttelte Zulieferer in die Gewinnzone zurückkehren. Mussten die Franzosen im Vorjahr, trotz Staatshilfe, noch einen Nettoverlust von 153 Millionen Euro verbuchen, spülte das abgelaufene Bilanzjahr einen Gewinn von 365 Millionen in die Kasse. Die operative Marge betrug 6,4 Prozent. Zum Vergleich: Frankreichs Nummer 1, Faurecia, brachte es bei diesem Wert auf die Hälfte.

Das und die neue Strategie macht das Unternehmen zum Top-Pick der Analysten: Morgan Stanley beispielsweise stuft die Aktie als "Overweight" ein. "Die Botschaften vom Investorentag decken sich mit meinen über dem Konsens liegenden Schätzungen für den französischen Konzern", kommentiert Analyst Edoardo Spina.

Auch Aschenbroich sieht Valeo auf dem Wachstumspfad und macht eine klare Kampfansage: 2020 soll sich der Umsatz auf 15 Milliarden Euro belaufen. Und wenn es sich anbietet, durchaus über Zukäufe. Schon bis 2013 soll Valeo, nach Willen der Unternehmensführung eine der höchsten Renditen auf das eingesetzte Kapital im gesamten Automobilsektor vorweisen können. Bei einem Umsatz von zehn Milliarden Euro und einer operativen Marge von respektablen sechs bis sieben Prozent dürfte dieser auch als ROCE bekannte Wert dann bei knapp 30 Prozent liegen.