ZF coASSIST

Mit coASSIST macht ZF erstmals ein Level 2+ System für günstige Fahrzeugsegmente erreichbar. Bild: ZF

| von Jonas Rosenberger

Der Automobilzulieferer ZF hat zwei Trends ausgemacht: Beim autonomen Fahren haben vorerst intelligente Assistenzfunktionen (Level 2+ Systeme) das größte Potenzial, teilt das Unternehmen mit. Bei Nutzfahrzeugen und im städtischen Personentransport hingegen werden sich voraussichtlich vollautomatisierte Systeme nach Level 4 und höher durchsetzen, heißt es weiter.

„Für Pkw sehen wir bei Level 2+ Konzepten das größte Potenzial, automatisierte Fahrfunktionen umzusetzen und für alle Autofahrer erreichbar zu machen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Schneider. Assistenzfunktionen werden dabei durch ein zusätzliches Steuergerät zu einem gemeinsamen Fahrerassistenzsystem zusammengeführt.

Großauftrag aus Asien

Der Zulieferer habe von einem nicht näher genannten Autobauer aus dem asiatischen Raum einen Großauftrag für die Lieferung des Level 2+ Einstiegssystems „coASSIST“ für Pkw ab Ende 2020 erhalten. Zum Lieferumfang zählen System- und Software-Entwicklung, Umfeldsensorik und die zentrale elektronische Steuereinheit. Das System werde für weniger als 1.000 US-Dollar erhältlich sein.

Auf der Grundlage von Kamera- und Radardaten ermöglicht das Level 2+ System Funktionen wie etwa Abstandsregel-Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Spurwechsel-, Spurhalte- und Stauassistent, so ZF. Mit der Lösung mache man aus der Oberklasse bekannte Sicherheits- und Komfortfunktionen auch für günstigere Segmente möglich, so Scheider.

Level 4 und höher bei Nutzfahrzeugen

Derzeit sprächen noch hohe Systemkosten sowie ungeklärte rechtliche Rahmenbedingungen gegen höhere Automatisierungslevel bei Pkw. Bei Nutzfahrzeugen hingegen sei eine Nachfrage nach Systemen zu erkennen, die vollautomatisiertes Fahren nach Level 4 und höher in wenigen Jahren möglich machen, merkt ZF-Chef Schneider an. Auf geschlossenen Arealen oder separaten Fahrspuren könnten Nutzfahrzeuge bereits heute vollautomatisch fahren.

In diesem Bereich hat ZF den Angaben zufolge einen Auftrag zur Entwicklung der „ProAI RoboThink“ von einem internationalen Nutzfahrzeughersteller erhalten. Das System soll um die Jahre 2024/2025 als Zentralrechner eines vollautomatisierten Level-4-Systems in einem Lkw eingesetzt werden.