Stefan Sommer, ZF

Ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender von Zulieferer ZF zurückgetreten: Stefan Sommer. Bild: ZF

Der seit Wochen schwelende Streit zwischen ZF-Aufsichtsrat und dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Sommer um die strategische Ausrichtung des Unternehmens endete gestern Abend (Donnerstag, 7. Dzember) - zumindest was die Personalie Sommer anbelangt - mit ein paar dürren Zeilen aus der Presseabteilung. Dort heißt es: "Der Aufsichtsratsvorsitzende der ZF Friedrichshafen AG, Dr. Franz-Josef Paefgen, und der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Sommer sind übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden."

Sommer legt mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder. Bis zur Berufung eines Nachfolgers für Sommer übernimmt sein Stellvertreter, Finanzvorstand Konstantin Sauer (58), interimsweise auch die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden.

Es ist der Höhepunkt eines Machtkampfs, der sich lange hingezogen hatte und der kürzlich offen ausgebrochen war. Erst vor wenigen Tagen war Aufsichtsratschef Giorgio Behr, der wichtigste Unterstützer von Sommers Kurs, zurück getreten. Für ihn war Ex-Audi-Chef Franz-Josef Paefgen an die Spitze des Aufsichtsratsgremiums berufen worden. Offenbar zu spät, um die tiefen Gräben zwischen den Parteien zu überwinden.  

Dem Vernehmen nach herrschte vor allem Uneinigkeit zwischen Sommer und der Stadt Friedrichshafen, deren Oberbürgermeister Andreas Brand für die Zeppelin-Stiftung als Haupteigentümerin von ZF im Aufsichtsrat sitzt. Das Unternehmen soll nach dem Willen der Stiftung künftig 18 Prozent als Dividende an sie abführen - aus Sicht von Brand eine notwendige Vorsorge, die der Stiftung, ihren Betrieben und Mitarbeitern Sicherheit und Unterstützung geben soll. In ZF-Kreisen war man davon weniger begeistert.

Zudem ging es offenbar um die Frage, wie sich ZF künftig ausrichten soll. Sommer hatte in den vergangenen Jahren eine aggressive Expansionsstrategie verfolgt etwa 2015 durch die Übernahme des US-Konkurrenten TRW. Dadurch konnte der Konzern seine bisher von Getrieben und Fahrwerkselementen dominierte Produktpalette unter anderem um Elektronik, Sicherheitstechnik und Sensorik erweitern. Doch Medienberichten zufolge teilten nicht alle im Aufsichtsrat das Interesse an weiteren, schnellen Zukäufen.

Sommer wiederum fühlte sich davon offenbar ausgebremst. Noch im Juni hatte er der Schwäbischen Zeitung gesagt: "Es darf nicht sein, dass die Geschwindigkeit, die ZF am Markt und im Wettbewerb braucht, dadurch gebremst wird, weil bestimmte Notwendigkeiten in Friedrichshafen nicht nachvollzogen werden."