ZF Getriebe breit

Getriebefertigung vor Ort. In dem Werksneubau mit seiner 90.000 Quadratmeter großen Halle sollen dereinst 1,2 Millionen Getriebe produziert werden. - Bild: ZF

Gray Court, South Carolina, USA. Mit einem Werk zur Getriebefertigung nahe der Stadt Greenville im Bezirk Upstate Carolina tätigt ZF das bislang größte Einzelinvestment in der Geschichte des Technologiekonzerns. Bislang flossen rund 300 Millionen Euro in den Aufbau des neuen Standorts. Gesamt soll sich der Invest später auf etwa 450 Millionen Euro belaufen.

Zur feierlichen Eröffnung waren neben dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Sommer auch die Vorstände für Personalwesen, Jürgen Holeksa, Finanzvorstand Konstantin Sauer sowie der für die Produktion verantwortliche Michael Hankel anwesend.

90000 Quadratmeter Fertigungsfläche

ZF sieht in dem für Front-Quer-Anwendungen konstruierten Getriebe ein enormes Potenzial, denn weltweit zählen rund 75 Prozent der Fahrzeug zu diesem Layout. In dem Werksneubau mit seiner 90.000 Quadratmeter großen Halle (entspricht in etwa 13 Fußballfeldern) sollen dereinst 1,2 Millionen Getriebe produziert werden. Davon etwa 400.000 des bereits bewährten und weiterhin auch in Saarbrücken vom Band laufenden 8HP für Hinterrad- und Allradvarianten sowie 800.000 des neuen 9HP für Front-Quer- wie auch für Allrad-Konzepte. Zum Einsatz kommt das neue 9HP zunächst bei Jaguar LandRover wie auch bei Chrsyler-Jeep.

Die Entscheidung für den Standort in den Vereinigten Staaten begründete ZF-Chef Sommer anlässlich der feierlichen Eröffnung damit, dass dies ein wichtiger Schritt sei, “um näher an unsere Kunden heranzurücken und den für uns wichtigen Markt Nordamerika künftig noch besser erschließen zu können.” Damit erläutert Sommer die Design-to-market-Strategie von ZF und betont: “Wenn es darum geht, einen Wachstumsmarkt zu erschließen, heißt es vor Ort zu fertigen.”

Eröffnung ZF Getriebewerk USA

Feierliche Werkseröffnung im neuen ZF Werk in Gray Court (v.l.n.r.): Friedrichshafens Bürgermeister Andreas Brand, Werkleiter Dr. Ludger Reckmann, ZF-Chef Dr. Stefan Sommer und Govener Nikki Haley. - Bild: ZF

Wie stark man beim württembergischen Zuliefer das Potenzial für diesen Getriebtyp im US-Markt wie auch weltweit einschätzt, belegen die folgenden Eckdaten: So sind in Gray Court aktuell bereits 749 Menschen mit dem Bau der Getriebe beschäftigt. Bis Jahresende sollen es 1200 sein, danach soll die Zahl der Angestellten nochmals auf 1650 steigen. Der Spatenstich für das neue Getriebewerk erfolgte vor zwei Jahren, wie der Werkleiter Dr. Ludger Reckmann anlässlich der Feierlichkeiten erzählt. Die Idee nach USA zu gehen, wurde 2008 geboren.

Konzeptionell entspricht das Werk dem Layout, wie es auch die bekannten Werke, etwa jenes in Saarbrücken, ausweisen. ZF findet in South Carolina eine gute Infrastruktur und ein für solche Investitionen freundliches Klima vor. OEMs wie BMW und Zuliefer wie Michelin und Bosch haben sich in der Region bereits seit geraumer Zeit bestens etabliert. ZF kann zur Rekrutierung von Fachkräften auf die Unterstützung des nahegelegenen Piedmont Technical College zurückgreifen. Neu eingestellte Kräfte können darüber hinaus an einer Art Austauschprogramm ? so genanntes Buddy Program ? mit deutschen Kollegen aus Saarbrücken teilnehmen.

Kompaktestes Getreibe auf dem Markt

Das neue 9-Gang-Automatgetriebe, das in zwei Drehomentstufen verfügbar ist (bis 280 und bis 480 Nm) zeichnet sich durch eine außergewöhnlich kompakte Bauweise aus, die unter anderem in einer besonderen Schachtelung der Radsätze begründet ist. Mit insgesamt neun Gängen, vier Radsätzen und sechs Schaltelementen baut das Getriebe lediglich knapp 37 Zentimeter in der Breite und wiegt je nach Ausführung zwischen 78 und 86 Kilogramm.

Im Vergleich zu einem Fahrzeug mit einem Sechsgang-Automatgetriebe können aufgrund der weiten Spreizung die Drehzahlen nochmals merklich gesenkt und damit auch der Krafstoffkonsum des Fahrzeugs spürbar reduziert werden. Die ZF-Experten sprechen von bis zu 15 Prozent Einsparungen beim Kraftstoffkonsum.

Weitere Infos zum Werk, zum neuen Getriebe wie auch ein Interview mit dem ZF-Produktionschef Michael Hankel finden Sie in AUTOMOBIL PRODUKTION Ausgabe 9/2013.

Alle Beiträge zu den Stichworten ZF USA

Götz Fuchslocher