ZF, Automatgetriebe

Wird erweitert: Achtgang-Automatgetriebe-Fertigung im ZF-Werk Saarbrücken. Bild: ZF

Mit dem neuen Neun-Gang-Automatgetriebe für Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor will ZF wieder einen Benchmark hinsichtlich Kraftstoffverbrauch setzen. Die Friedrichshafener stellten ihre neueste Innovation serientauglich gerade in Detroit auf der NAIAS vor. Die Produktion des Getriebes ist in Greenville, US-Bundesstaat South Carolina, geplant.
Mit Chrysler hatte ZF bereits Mitte 2010 einen Liefer- und Lizenzvertrag über das hauseigene Achtgang-Automatgetriebe 8HP geschlossen. Der Zulieferer liefert dieses ab 2011 zunächst aus Deutschland, aus dem ZF-Werk in Saarbrücken, später aus Nordamerika an Chrysler. Dazu baut ZF einen Getriebe-Produktionsstandort in Nordamerika auf, an dem von 2013 an Getriebe für Chrysler und weitere Kunden in den USA produziert werden sollen. Der US-OEM erhält zugleich die Lizenz, zusätzliche Automatgetriebe ab 2013 selbst zu produzieren.

Die starke Nachfrage nach den Achtgang-Automaten veranlasste das Stiftungsunternehmen vergangenen November die Produktionskapazitäten in Saarbrücken zu erweitern. Dabei sollen dort 150 bis 200 Arbeitsplätze und für rund zehn Millionen Euro eine zusätzliche Fertigungshalle entstehen. Sie wird im Frühjahr 2012 produktionsbereit sein.

3,5 Milliarden Euro mehr Umsatz

Um die Nachfrage weiter bedienen zu können, musste ZF im November 2010 die französische Tochterfirma Fonderie Lorraine mit rund 500 französischen Beschäftigten des insolventen Druckguss-Spezialisten Honsel aus dem Sauerland übernehmen. "Wir sichern mit diesem Schritt die Lieferkette für unsere Automatgetriebe", sagt Dr. Gerhard Wagner, Leiter des ZF-Unternehmensbereichs Pkw-Antriebstechnik in Saarbrücken. Aus Grosbliederstroff kommen vor allem Getriebe-Innenteile und -Gehäuse aus Leichtmetall. Die Gießerei macht aktuell etwa 90 Prozent ihres Umsatzes von rund 45 Millionen Euro mit ZF.

Die steigenden Auftragseingänge,  stimmen ZF-Chef Hans-Georg Härter zuversichtlich, im laufenden Jahr ein Umsatzplus von zehn Prozent generieren zu können. 2011 soll dabei ZF stärker wachsen als der Branchendurchschnitt, wie Härter gegenüber AUTOMOBIL PRODUKTION in der exklusiven Trendumfrage 2011 verriet (siehe www.automobil-produktion.de/hopp-oder-topp-wie-wird-2011). Für jedes Produktsegment seien "sehr stramme Ziele" formuliert, erläutert er in einem ergänzenden Interview zur neuen Struktur und Strategie des Konzerns in dieser Magazinausgabe.

"Wir haben unerwartet schnell in die Erfolgsspur zurückgefunden und erreichen 2010 einen Gesamtumsatz, der den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2007 noch übertrifft", bilanziert der Vorstandsvorsitzende. ZF hat die Wirtschaftskrise damit hinter sich gelassen und erzielte 2010 einen Konzernumsatz von rund 12,9 Milliarden Euro – plus 38 Prozent gegenüber 2009. Selbst damals gehörten die Friedrichshafener mit Platz 14 im ‚Top 100 Automotive Suppliers Global Ranking‘ der AUTOMOBIL PRODUKTION schon zur ‚Crème de la Crème‘ der Industrie.

"Zu Jahresbeginn hätten wir eine solche rasante Entwicklung und einen V-förmigen Verlauf der Wirtschaftskrise definitiv ausgeschlossen", sagt Härter. Damals hatte er allenfalls ein Plus von zehn Prozent auf rund 10,4 Milliarden Euro erwartet. Damit einher geht nach Verlusten von 421 Millionen Euro bei ZF im Jahr 2009 eine deutliche Rückkehr in die Gewinnzone. Die soll sich über diesen Verlusten des Vorjahres, aber wohl unter dem Rekordgewinn von 917 Millionen Euro aus 2007, bewegen.

2010 erzielte ZF in allen Regionen ein hohes Umsatzwachstum, besonders ausgeprägt in den BRIC-Staaten. Global will ZF 2011 knapp eine Milliarde Euro investieren, verstärkt in China: In Shanghai eröffnete ZF jüngst ein neues Entwicklungszentrum für rund 20 Millionen Euro; mit Dongfeng. Beiben Truck und Foton will man verstärkt im Nfz-Sektor kooperieren.