Fertigung bei Elringklinger

Fertigung bei Elringklinger: Kostendruck ist bei den Zulieferern nicht neu, mit den angekündigten Sparrunden bei Volkswagen wird er aber vermutlich weiter steigen. Bild: Elringklinger

“Der Kostendruck wird weitergegeben”, erwartet ElringKlinger-Chef Stefan Wolf. “Die Frage ist, wie lange die Hersteller von den Zulieferern noch etwas holen können”, sagt der Chef des Spezialisten für Dichtungen mit Sitz im baden-württembergischen Dettingen.

Eigentlich war die Lage der Zulieferer zuletzt nicht schlecht. In einer Studie der Strategieberatung Roland Berger wurde 2013 für die Branche eine durchschnittliche Gewinnmarge vor Steuern von 6,5 Prozent ausgerechnet. Dabei warfen Zulieferer im Antriebs- und Chassisgeschäft höhere Gewinne ab, während Hersteller von Sitzen und anderen Inneneinrichtungen mit sinkenden Ergebnissen kämpfen.

Trotzdem rechnet auch Roland-Berger-Partner Marcus Berret damit, dass der Druck sich erhöht: “Bei den Einkaufskosten können Automobilhersteller schnell Einsparungen erzielen”, sagt er. “Da wurden aber schon in den vergangenen Jahren die Daumenschrauben weitergedreht.” Die hohe Standardisierung, die gleichzeitig größere Stückzahlen ermögliche, mache es den Automobilkonzernen leichter, günstigere Preise auszuhandeln. Anders ausgedrückt: Bestellt ein Autohersteller die gleichen Türschlösser oder Rückspiegel für drei Modellreihen, kommt es ihn günstiger.

Die Folgen für die Zulieferer sind unterschiedlich: “Die Großen halten dem Druck stand”, sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Sie könnten ausreichend große Mengen zu entsprechenden Preisen produzieren. Die Branche ist inzwischen gezwungen, die globale Aufstellung der Hersteller nachzuvollziehen. Ein Werk in Mexiko, wo viele Hersteller neue Fabriken planen? Für einen 300-Mann-Betrieb ein Ding der Unmöglichkeit, für Bosch und Continental selbstverständlich.

Wolf-Henning Scheider, Chef der Kfz-Sparte beim weltweit zweitgrößten Autozulieferer Bosch bestätigt das: Die Plattform- und Gleichteilestrategie der Hersteller sei ein Vorteil. “Unser weltweiter Fertigungsverbund ist hier ein wichtiger Trumpf”, sagt er.

Kleinere Hersteller wie ElringKlinger sorgen sich dennoch: “Viele Preise sind angesichts der schon realisierten erheblichen Produktivitätsfortschritte bereits weit ausgereizt”, sagt Wolf. Die Zulieferer seien ebenso mit steigenden Löhnen und Energiekosten konfrontiert wie die Hersteller.

Am Ende, so Berret, sind auf einzelne Produkte spezialisierte Hersteller wie ElringKlinger aber im Vorteil. “Das Prozessgeschäft wird stärker unter Druck geraten als das Produktgeschäft”, sagt er. Gemeint sind Zulieferer wie Gießereien, die Produktionsprozesse übernehmen und bei neuen Preisverhandlungen gleich an den eigenen Kosten schrauben müssen. Allerdings: “Je weniger ein Produkt sich technologisch differenziert, desto schwieriger wird es für den Zulieferer, eine auf Dauer auskömmliche Marge zu erzielen”, sagt Berret. Ein Grund, warum der auf Getriebe spezialisierte Zulieferer ZF über den Kauf den Anbieter von Airbags und Fahrerassistenzsystemen, die US-Firma TRW, nachdenkt.

Dass es wegen der neuen Sparprogramme zu großen Pleiten oder einer Konsolidierungswelle kommen wird, glaubt Berret allerdings nicht: “Die Autohersteller werden darauf achten, Wettbewerbsstrukturen zu erhalten, um die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten zu vermeiden”, sagt er.

Nach den Worten von Bosch-Geschäftsführer Scheider ist der Kostendruck inzwischen auch ein Stück weit Normalität geworden: “Kosteneffizienz und Wettbewerbsdruck gehören in unserer Branche seit Jahrzehnten zum alltäglichen Geschäft”, sagt er.

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dpa/ks