Audi-Produktion in Brüssel

Noch wird in Brüssel der A1 gebaut, in Zukunft könnte dort das Audi-Kompetenzzentrum für Elektromobilität stehen. Bild: Audi

Bekannt wurde die wahrscheinliche Abwanderung des Audi A1 aus dem Werk Brüssel vor einigen Wochen durch Betriebsratsmitglieder. Diese hatten gesagt, dass der Kleinwagen durch ein anderes Modell ersetzt würde. Nun zeichnet sich eine weitere Variante ab: Das belgische Werk könnte zum weltweiten Kompetenz-Zentrum für Elektromobilität von Audi umgewandelt werden. Wie AUTOMOBIL PRODUKTION aus Unternehmenskreisen in Belgien erfuhr, habe es eine entsprechende Information bereits gegeben. Die Fertigung des A1 soll mit dem Kommen der nächsten Generation aus Belgien ins spanische Martorell, dem Stammwerk der VW-Tochter Seat verlegt werden. Offenbar gibt es auch darüber hinaus gehende Pläne wie AUTOMOBIL PRODUKTION in seiner aktuellen Ausgabe berichtet: Wandert der Audi-Kleinwagen, von dem eine SUV-Variante in den Startlöchern steht, nach Spanien, könnte die Q3-Produktion ins neue Werk nach Mexiko verlegt werden, wo Mitte 2016 die Bänder für den größeren Q5 anrollen.

Nach Einschätzung von IHS Automotive wäre eine Produktionsverlegung des Premium-Kleinwagens nach Spanien schon aus Kostengründen überlegenswert. Derzeit verzeichnet der sich ordentlich verkaufende A1 die geringste Marge unter den Modellen der Ingolstadter. Belgien ist nach Deutschland der teuerste Produktionsstandort in Europa. Da die nächste Generation des A1, die 2018/2019 an den Markt kommen wird, wie die nächste Generation des Seat Ibiza auf dem MQB-A Plattform gebaut wird, hat ein Umzug nach Spanien nach Einschätzung von IHS Automotive unübersehbaren Charme.

Die A1-Fertigung in Belgien war vom Start weg im Jahr 2010 erfolgreich. Seit dem ersten Jahr wurden konstant über 100.000 Einheiten gefertigt. Im vergangenen Jahr gingen 115.378 Autos vom Band, in diesem Jahr erwartet IHS Automotive etwa 108.000 Einheiten.

Von Audi gab es zu den Spekulationen keinen Kommentar. Im Interview mit AUTOMOBIL PRODUKTION sagte Audi-Chef Rupert Stadler lediglich, dass man sich regelmäßig Gedanken mache, “wie wir welche Werke belegen”. Das sei aber “business as usual”.

Dass aber im großen Produktionpuzzle Verschiebungen anstehen, ist sicher. So wurde aus Audi-Kreisen bestätigt, dass die möglichen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Produktionsplanung des VW-Konzerns insgesamt stünden. Da es sich dabei um einen komplexen Vorgang handle, gäbe es frühestens im Herbst etwas zu verkünden. Sicher sei aber eine “gute Zukunft” für das Werk in Brüssel.

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Frank Volk