Die Technik-Nerds haben jetzt auch in China ihr Schaufenster. Die Consumer Electronics Show (CES) feiert ihre Asien-Premiere mit viel Trubel ums pilotierte Fahren und einer aus Autosicht ansonsten überschaubaren Neuigkeiten-Lage.

“Hier wird man wahnsinnig!” Der freundliche Daimler-Mitarbeiter, der die Studie F015 bewacht, ist schon nach zwei Stunden CES Asia desillusioniert. Die getrübte Stimmung des Mannes im weißen Hemd kommt nicht von ungefähr. Die CES Asia im Shanghaier Exhibition Center gleicht einer gigantischen Großraum-Disco. An jeder Ecke konkurrieren dröhnende Rhythmen mit Einpeitschern, die per Mikrofon die Aufmerksamkeit auf sich beziehungsweise ihren Messestand lenken wollen. Die Besucher der Messe interessiert diese Dezibel-Spirale nur am Rande. Sie sind Trubel und Lärm gewöhnt. Zu tausenden schlängeln sich die meist jugendlichen Tech-Freaks an den Ständen vorbei und drängen sich an den Auto-Ständen. Vor allem der Mercedes F015, der hinter einer Absperrung aus Bändern steht, hat es ihnen angetan. Handys, die in farbigen Plastikschalen stecken, werden in dei Höhe gereckt und blitzen in Richtung des silbernen Fahrzeuges. Wie es dem genervten Daimler-Mann wohl jetzt geht?

Erster Versuch

Irgendwie fehlt der Veranstaltung dennoch der rechte Drive. Auch wenn CES-Chef Gary Shapiro mit amerikanisch-optimistisch das hohe Lied singt, “wie großartig die CES Asia” doch sei. Von den zehn Hallen des gigantischen Shanghaier New International Expo Centre waren nur zwei mit Ausstellern belegt und viele Firmen, die dort vertreten waren, sind hierzulande gänzlich unbekannt. In dem ganzen Bohei gehen die Autobauer fast unter. Das liegt auch an deren Messe-Ständen, die im Vergleich zu den Prachtbauten, die in Frankfurt und Detroit, die Zuschauer anziehen, fast winzig sind. Immerhin: VW zeigt im VW Golf R Touch die Gestensteuerung. Ford hat sogar den kommenden Supersportwagen GT nach China gebracht, während die Premium-Tochter Lincoln mit dem martialisch dreinblickenden MKX neue Käufer generieren will. Ob bei den ganzen Smartphone-Rittern einer dabei ist, lässt sich nur schwer beurteilen.Cadillac hat die Zeichen der Zeit erkannt und setzt mit “My Cadillac” auf Konnektivität.

Auch wenn das wuchtige zweistellige Wachstum etwas nachlässt, sind Autos in China nach wie vor hip. Die beiden großen Themen, die auf der CES gespielt werden, heißen Konnektivität und autonomes Fahren. Audi hat den “R8 e-tron piloted driving” im Gepäck. Die blaue Flunder vereint zwei Trends: das pilotierte Fahren und die Elektromobilität. Rein elektrisch soll der selbstfahrende Sportwagen, der dank 340 kW / 463 PS in nur 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h sprintet, bis zu 450 km weit kommen. Das ist mehr als doppelt so weit, wie der erste Audi R8 e-tron, der es im Jahre 2011 auf 215 km brachte. Der Grund macht allen Elektromobilitäts-Fans Hoffnung: Die Energiedichte der Akkus hat sich in den letzten Jahren von 84 Wh/kg auf 154 Wh/kg deutlich gesteigert. Deswegen hat die Batterie auch eine fast doppelt so große Kapazität von rund 92 kWh (vorher waren es 49 kWh).

Smartphones im Auto

Das autonome Fahren begeistert die Chinesen. Doch bis der Autopilot in Metropolen, wie Shanghai funktioniert, wird noch einiges Wasser den Yangtsekiang herunterfließen, da die Verkehrssituationen noch zu komplex sind. Nichtsdestotrotz haben die Ingolstädter jetzt in der asiatischen Mega-City ein solches Projekt gestartet. Auch hinter den Kulissen werden in China die Weichen ständig neu gestellt. Um im Reich der Mitte nach wie vor am Ball zu bleiben, sind Kooperationen nötig. Audi und Daimler haben sich mit BaiDu zusammengeschlossen. “Durch die Kooperation mit Baidu, der Nummer eins auf dem chinesischen Suchmaschinen-Markt, wollen wir die Online-Vernetzung unserer Autos in China weiter vorantreiben”, sagt Ricky Hudi, Leiter Entwicklung Elektrik/Elektronik bei Audi. Kein Wunder. Google ist in China geblockt, deswegen ist BaiDu die Nummer eins bei den Suchmaschinen.

Die Ingolstädter bringen auch Baidus CarLife in ihre chinesischen Autos, um damit die Smartphones der Benutzer einzubinden. Damit diese Konnektivität nicht im Nirwana des Internet verloren geht, sollen LTE Hotspots, die von Huawei kommen, demnächst in den Audis für einen schnellen Datenstrom sorgen. Die Kooperation mit dem chinesischen Telekommunikations-Konzern freut die Audi-Führungsriege. Zumal man so weiterhin auf dem immer anspruchsvoller werdenden chinesischen Automarkt einen wichtigen Partner gefunden hat. “Wir Chinesen wollen immer und überall online sein” sagt Yuan Ling, einer der Besucher der ersten CES Asia. Diese Prämisse setzen sie auch beim Autokauf um. “Die Chinesen sind deutlich anspruchsvoller geworden und vergleichen verschiedene Produkte, ehe sie sich entscheiden”, sagt Audi-China-Chef Dietmar Voggenreiter. Deswegen müsse man solche Trends frühzeitig erkennen und sie dann auch umsetzen. Man darf gespannt sein, welche Schlüsse die Riege der Autobauer aus der ersten CES Asia zieht.