Was täte Fiat nur ohne dem Cinquecento und seine Ableger? Immerhin werden rund 80 Prozent der 500er außerhalb Italiens verkauft. Beim muskulösen Kraxel-Bruder 500X gehen immerhin noch dreiviertel der Produktion an Kunden, die nicht zwischen Bozen und Neapel beheimatet sind. Gut aussehen tut er, der Fiat 500X, keine Frage. Der Italo-Cowboy ist eine angenehme Abwechslung zum Mini Countryman. Genau das soll er auch sein. Doch die emotionale Bindung der Fiat-Fans zur SUV-Variante des 500er bereitet auch den Designern schlaflose Nächte. “Die Menschen wollen nicht, dass wir am 500X etwas ändern”, heißt aus der Fiat-Zentrale.

Neues von der Technik-Front

Da in Turin der Kunde noch König ist, bleibt der schmucke 500X äußerlich unverändert. Das Interieur kann sich ebenfalls sehen lassen. Das Cockpit ist mit der Zeit gereift – und zwar im positiven Sinn. Das Hartplastik-Blech-Panda-Ambiente, das im Fiat 500 früher für optische und haptische Langeweile sorgte, ist im Offroad-Verwandten passé. Unterschäumte Flächen auf der Oberseite des Armaturenbretts schmeicheln dem Tastsinn und die Rundinstrumente haben digitale Elemente, sind übersichtlich angeordnet und leicht abzulesen – vor allem im Vergleich zur Zentral-Pizza im “normalen” Fiat 500.

Neues gibt es dafür an der Technik-Front. Fiat hat beim 500X den 103 kW / 140 PS Multiair-Turbo-Benziner mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe DCT kombiniert. Diese Kombination erweist sich als wahrer Glücksgriff. Die Gangwechsel gehen, wie erwartet, fast unmerklich über die Bühne und der Motor hat dank seines maximalen Drehmoments von 230 Newtonmetern keine Probleme, den 1.4 Tonnen schweren Offroader zu bewegen. In 9,8 Sekunden ist der Sprint von null auf 100 km/h absolviert und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h kann es auch gerne mal zackiger vorangehen. Nur, wenn man beherzt auf das Gaspedal tritt, macht sich der Benziner mit einem kurzen Knurren bemerkbar.

Straffes Fahrwerk

Der Verbrauch von 5,7 Litern pro 100 Kilometer kann sich ebenfalls sehen lassen. Unterm Strich macht dieser Kombination einen besseren Eindruck als die 125 kW / 170 PS-Variante mit der Neungang-Automatik, bei der einiges an Temperament verlorengeht. Wer nicht unbedingt in den Alpen wohnt und sich ständig durch Schneemassen kämpfen muss, ist mit dem Fronantrieb gut bedient. Der 4,25 Meter lange Italiener lässt sich auch ambitioniert um die Ecken werfen. Wenn es richtig zu Sache geht, kann natürlich auch der 4×2-Fiat nicht aus seiner Haut und fängt an, leicht über die Vorderräder zu schieben, aber das ESP tariert das Mini-SUV schnell wieder aus. Doch für einen SUV lässt sich der Fiat 500X erstaunlich leichtfüßig bewegen.

Die elektrische Servolenkung fühlt sich zwar etwas synthetisch an, ist aber präzise genug, um den Fiat 500X um die Kurven zu zirkeln. Mit dem Fahrmodus-Drehrad macht der Fiat 500X ein bisschen auf Range Rover und überlässt dem Fahrer bei der Ausstattungslinie Lounge die Wahl zwischen “Auto”, “Sport” und “All-Weather”. Für die Freunde des dynamischen Vorankommens ergibt die “Sport”-Einstellung am meisten Sinn: dann spricht der Motor schneller auf Bewegungen des Gaspedals an und Lenkung strafft sich. Der Komfort ist in Ordnung, auch wenn es in der zweiten Reihe bei der Beinfreiheit etwas beengter zugeht. Kurze Bodenwellen sind nicht die besten Freunde des eher stramm ausgelegten Fahrwerks, das das Vorhandensein solcher Unebenheiten pflichtschuldig an die Insassen meldet.

Bei den Ausstattungsdetails liefert der Fiat 500X ein ganzes Füllhorn an Varianten, die vor allem die jüngeren Autofahrer begeistern werden: Audiostreaming, digitaler Radioempfang, Fernlichtassistent oder ein Helfer-Paket, das unter anderem einen Toten-Winkel-Assistenten, eine Rückfahrkamera, einen Spurhalte-Assistenten und ein Auffahrwarnsystem oder ein Navi mit Fünf-Zoll-Bildschirm, beinhaltet. Beim getesteten Fiat 500X “Lounge” summieren sich die Extras auf einen Preis von 27.530 Euro – das sind 1.630 Euro mehr als das Basis-Modell “Lounge”, bei dem solche Annehmlichkeiten, wie Bi-Xenon-Licht, 18-Zoll-Alus und Parksensoren hinten, serienmäßig sind. Im Vergleich zum Mini Countryman Cooper, der inklusive Automatikgetriebe mindestens 24.240 Euro kostet, bietet der Fiat 500X einiges an Extras. Klar hat der Mini einen besseren Wiederverkaufswert, aber mit dem Fiat 500X ist einem der Sympathiebonus sicher.

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