Es ist bereits die zehnte Generation des Modells Civic, den die Ingenieure aus dem Hause Honda auf die Straße lassen. Der seit 1973 in 170 Ländern rund 6,3 Millionen Mal verkaufte Civic wird aktuell in neun Werken rund um den Globus hergestellt. Doch ist genau diese zehnte Generation eine ganz Besondere - und das nicht nur, um dem Marketing eine Steilvorlage für ihre Werbekampagne zu geben. Wurde bislang für verschiedene Märkte ein jeweils eigenes Team für die Entwicklung eines eigenen Civic abgestellt, ist dieser zehnte Civic das Resultat eines erstmals zentralisierten Entwicklungsteams. Herausgekommen ist im Vergleich zum Vorgänger eine um neun Zentimeter in der Länge und 4,5 Zentimeter in der Breite angewachsene Limousine, die sich nur schwerlich vom Fünftürer unterscheiden lässt.

Aber nicht alles, was neu ist, ist auch direkt besser. Das zeigt sich leider nicht nur am äußeren Erscheinungsbild, das zugegebener Maßen schon immer recht polarisierend wirkte. Nein, vielmehr muss sich der ab 25.520 Euro teure Honda Civic im Limousinen-Kleid in der Kategorie Verarbeitungsqualität und Materialanmutung regelrecht verkriechen. Schon ein Blick in den Kofferraum lässt tief blicken. Wobei das ausnahmsweise einmal wortwörtlich genommen werden darf und im ersten Augenblick gar nicht so schlecht anmutet. Denn hier passen nun 50 Liter mehr hinein. Dass es einen Hebel gibt, der zwar das rechte Drittel der Rückbank entriegelt, es aber nicht umlegt, gehört in die Abteilung "gut gedacht, schlecht gemacht". Richtig gruselig wird es aber, wenn das Kofferraumabteil wieder geschlossen wird. Es scheppert und kracht, so dass sich manch Nachbar lieber einen satten V8-Guten Morgen-Gruß als das morgendliche Schließen des Kofferraums wünschen würde.

Dass es mit dem V8-Gruß nichts wird, liegt natürlich an der Tatsache, dass für den Honda lediglich ein Motor in der Preisliste steht: der 1,5 Liter große Vierzylinder-Reihen-Benzinmotor mit 182 PS. Und das ist die beste Nachricht des Tages: der Motor macht sogar Spaß. Auch, und das ist jetzt natürlich wieder gemein, wenn das 1.300 Euro Aufpreis kostende CVT-Getriebe in gewissen Situationen den Spaß ein wenig mindert. Wer erhöhten Wert auf ein möglichst hohes Drehmoment legt, der sollte zudem das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe nehmen, denn hier stehen 240, statt der CVT-220 Newtonmeter an. Warum? "Die Belastungsgrenze des größten CVT-Getriebes (nicht Automatikgetriebes) im Honda-Konzern liegt bei eben jenen 220 Newtonmetern. Mit jedem weiteren Newtonmeter wächst die Gefahr, dass das stählerne Schubgliederband reißt", verrät Honda-Technik-Ingenieur Ko Yamamoto.

5,8 Liter auf 100 km

Neben dem Motor als weiterer Pluspunkt zählt das modern gestaltete Cockpit. Na gut, die Schalter und Knöpfe auf dem Multifunktionslenkrad wirken billig, die Sitze zu weich und das Fahrzeug von dieser Position aus betrachtet vollkommen unübersichtlich in seinen Ausmaßen. Aber irgendwie bleibt am Ende vor allem das moderne Anfangsgefühl haften. Haften bleiben will hingegen dem Fahrer und seinen bis zu vier Passagiere auf den schwammig wirkenden und keinen Seitenhalt bietenden Sitzen nicht so recht gelingen. Und das, wo der recht agil wirkende Civic doch so gern durch enge Kurven gepeitscht werden will. Damit solch eine Kurvenhatz nicht in einem üblen Muskelkater endet, dafür sorgt die alles andere als linear zu Werke gehende Lenkung. Etwas seichter als beim Supersportler NSX und dem Top-Civic Type R wird die Lenkung mit steigendem Einschlag immer direkter. Einmal dran gewöhnt, kann es gefallen. Doch der Weg dorthin kann lang sein.

Dank des Spritverbrauchs von 5,8 Litern auf dem Papier dürfte der erste Weg zum nächsten Tankstopp sogar fast 800 Kilometer weit sein. Da in Zeiten von Stau und zunehmenden Baustellen schon lange nicht mehr der Weg das Ziel ist, hat sich Honda zumindest die Mühe gemacht, den Weg zu einem sehr sicheren Weg zu machen. Herausgekommen ist das sehr gut funktionierende und nicht durch ständige Warnsignale nervende Sensing-System, das ab dem 20. Mai dieses Jahres bereits in der Basisversion an Bord ist. Überhaupt bietet Honda schon ab der günstigsten der drei zur Wahl stehenden Ausstattungsvariante in puncto Sicherheitssystemen eine mehr als ausreichende Grundausstattung. Hinzu kommen fein dosierbare, aber im Notfall sehr satt zupackende Bremsen und eine langstreckentaugliche Federung. Die zehnte Generation des Honda Civic kann sich sehen lassen, muss aber spätestens zum ersten Facelift im Bereich der Verarbeitung und Materialanmutung nahezu auf Links gedreht werden.