Er wirkt nicht nur mächtig, der neue Hyundai Tucson ist es auch. Der 1,6 Tonnen schwere Süd-Koreaner fährt in diesen Tagen bereits in die dritte Generation. Das ist zwar im ersten Moment etwas verwirrend, doch die Lösung ist recht einfach: Zwischen dem ersten und dem zweiten Hyundai-Modell mit dem Namen Tucson hat sich seit 2010 ein zweites Modell gemogelt, der ix35. Nun haben sich die Entwickler wieder zurück zum ursprünglichen Namen gerungen und somit das texanische Duo Santa Fe und Tucson im Hause Hyundai komplettiert.

Per Knopfdruck Allrad

Im Vergleich zum direkten Vorgänger fallen direkt ein paar Dinge auf. Mit 4,48 Metern ist er genau 6,5 Zentimeter länger als der ix35. Zudem ist er noch um drei Zentimeter in die Breite gegangen und hat drei Zentimeter mehr Radstand verpasst bekommen. Gleichzeitig wurde seine Karosserie um einen Zentimeter abgesenkt. Soviel zu den nackten Außenmaßen. In puncto Design springt die neue Front mit dem gewaltigen Grill ins Auge. Fast schon wie ein Kleintransporter oder Truck kommt er daher. Schade nur, dass nahezu jeder Kleinlaster mehr an den Haken nehmen kann als der von einem neuen 1,6 Liter großen Vierzylinder-Benzinmotor angetriebene und einem ebenfalls neuen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe geschaltete Hyundai. Mit seinen 1,4 Tonnen maximaler Anhängelast reicht es gerade für einen kleinen Wohnwagen – ohne Beladung. Wer eine halbe Tonne mehr ziehen möchte, muss in den sauren Apfel beißen und sich mit dem manuellen Sechsganggetriebe auseinandersetzen.

Zumindest ohne Anhänger macht der 177 PS starke Fünftürer eine ordentliche Figur auf der Straße. Ob im normalen Fahrmodus oder im Sportmodus, die Federung bleibt komfortabel und die Motoren- und Fahrgeräusche draußen. Was sich auf Knopfdruck ändert, ist zum einen die Schaltcharakteristik und zum anderen das Ansprechverhalten der Lenkung. Mit dem Spritverbrauch von 7,5 Litern wird es dann aber definitiv nichts. Erst recht nicht, wenn der neue Tucson ein wenig abseits befestigter Straßen an seine Leistungsgrenzen getrieben wird. Per Taste, davon gibt es im neuen Hyundai sehr, sehr viele, lässt sich aus dem Fronttriebler ein echter Allradler machen. Bis zu 50 Prozent der Antriebskraft lassen sich nun auch an der Hinterachse realisieren. Leichte Verschränkungen, steile Anstiege und rund 30 prozentige Schrägfahrten sind dann kein Problem mehr für den überraschend agilen Allradler. Wäre da nicht seine überschaubare Bodenfreiheit von 17,2 Zentimetern, wer weiß wozu er noch alles in der Lage wäre.

Viele, viele Knöpfe

Der in elf Farben und vier Ausstattungsvarianten erhältliche Hyundai Tucson wird ab einem Einstiegpreis in Höhe von 22.400 Euro angeboten. Die Benzin-Topversion schlägt mit 36.400 Euro zu Buche. Dafür parkt er dann aber auch selbstständig ein und auch wieder aus, heizt den Front- und Fondpassagieren mithilfe der Sitzheizung tüchtig ein und benötigt keinen physischen Kontakt mehr zwischen Mensch und Heckklappe, um sie zu öffnen. Der auf 19 Zoll großen Rädern bis zu 201 Kilometer pro Stunde schnelle und in 9,8 Sekunden auf Tempo 100 sprintende Fünfsitzer bietet zwischen 513 und 1.503 Litern Gepäckraumvolumen. Doch viel eindrucksvoller, als das große Gepäckfach im hinteren Teil des Neulings, ist die Bein- und Kopffreiheit für die Fondpassagiere – hier lässt es sich gemütlich reisen.

Das durchaus gelungene und hochwertig wirkende Interieur lässt bezüglich seiner Funktionen kaum Fragen offen. Zu hoch ist die Anzahl an Knöpfen und Schaltern, die im Zweifel für genau eine Aufgabe dort platziert wurden. Allein am Lenkrad befinden sich acht Knöpfe und vier Kippschalter. Die Lenkradheizung wird hingegen am unteren Ende der Mittelkonsole, im Bereich der Klimatisierung aktiviert. Mit der bis Tempo 70 aktiven City-Notbremsfunktion hat es ein Assistent in die Serienausstattung geschafft, für den bei so manch Konkurrenten ein kleiner Obolus auf den Tisch gelegt werden muss. Für die gut arbeitende Sitzbelüftung darf aber auch bei Hyundai extra bezahlt werden. Alles in allem überzeugt der neue Hyundai Tucson durch sein ruhiges und komfortables Fahrverhalten in Kombination mit einem überaus großzügigen Raumangebot.