Die Fahrt in einem Jeep Wrangler Unlimited Rubicon macht Laune. Vorausgesetzt der Weg führt über eine ebene Straße mit wenigen Kurven. Oder die Straße ist mehr ein Weg und besteht aus Geröll, Sand oder Felsen. In beiden Fahrsituationen haben die maximal fünf Insassen des 4,75 Meter langen Offroaders nichts zu meckern und machen große Augen. Zum einen sind bei ruhigen Überlandfahrten seine beiden Fünflenker-Starrachsen mit Schraubenfedern kaum zu spüren. Zum anderen kommt der über eine Wattiefe von 76 Zentimetern und eine Bodenfreiheit von 26 Zentimetern verfügende Kraxler auch dort noch lang, wo selbst Wandervögel ins Grübeln kommen. Der Jeep Wrangler ist nichts für jedermann – kein SUV, sondern ein waschechter Klettermaxe.

42.900 Euro teuer

Alle anderen Verkehrssituationen können mit dem zwei Tonnen schweren Allradler eher unkommod als genüsslich werden – von verständnislosen bis neidischen Blicken der übrigen Verkehrsteilnehmer einmal abgesehen. Es beginnt schon beim Ausparken. Dank seiner recht schmalen Fahrzeugbreite von 1,88 Metern sind zwar auch vermeintlich enge Parklücken kein großes Hindernis. Doch aufgrund seiner zu keiner Seite vorhandenen Übersicht ist völlig unklar, ob das Gasgeben beim Zurücksetzen nun in einem gelungenen Ausparkmanöver oder einer Massenkarambolage endet. Kein Pieper, keine Kamera, keine Übersicht – rein gar nichts hilft. Selbst, wenn mit ein wenig Übung das Soft-Top-Verdeck nach rund zwei Minuten nach hinten gefaltet wurde, wird es nicht signifikant besser. Ein Soft-Top-Verdeck, dessen Sinn eigentlich nur darin besteht, dass es da ist. Hört sich unverständlich an – und genau das ist es auch. Wer sich dazu durchgerungen hat die beiden hinteren Fenster und die Heckscheibe per Reiß- und Klettverschluss herauszutrennen sowie das sperrige Verdeckgestell nach hinten zu drücken, sitzt letzten Endes in einem schwarzen Käfig aus Stahlrohrrahmen.

Die Gefahr zu schnell zu fahren, ob mit oder ohne Verdeck besteht zum Glück nicht beim Jeep Wrangler. Der 460 Newtonmeter starke und sich stets nach einem Lkw anhörende Dieselmotor beschleunigt den 42.900 Euro teuren Jeep auf maximal 169 Kilometer pro Stunde. Der Sprint bis Tempo 100 ist nach 11,7 Sekunden vorüber. Davon sollte aber abgesehen werden, soll die Reichweite nicht unter die magische 500-Kilometergrenze rauschen. Der Treibstofftank ist zwar mit 85 Liter äußerst großzügig bemessen, doch der 8,8-Liter-Normverbrauch gilt offenbar nur für die flachen und tempobegrenzten Bundesstaaten der USA. Deutlich zweistellig wird er auf jeden Fall. Die stets dezent im Hintergrund arbeitende Fünfgang-Automatik ist an dem großen Durst nicht ganz unbeteiligt.

Wem solche Nebensächlichkeiten wie Spritverbrauch oder Übersicht egal sind, der kann sich glücklich schätzen. Und das nicht nur, wenn er auf den beiden vorderen, sehr bequemen und mit rotem Leder bezogenen Sitzen thront. Auch die zweite Reihe bietet viel Platz für Beine und Kopf. Gleiches gilt für den fast 500 Liter großen Kofferraum. Ein Manko hat er jedoch: Das Beladen. Die unpraktisch zur Seite öffnende Heckklappe offenbart nur eine sehr schmale Öffnung. Um Wasserkästen sicher hinter der Rückbank zu verstauen, muss der Verladende entweder über primatenhafte Armlängen verfügen, oder, so wie jeder andere, die Heckscheibe per Reißverschluss beseitigen. Alles in allem ist dem Besitzer eines echten Jeep Wrangler Unlimited Rubicon eines sicher: die Chance, der einzige in seiner Stadt zu sein könnte kaum größer sein. Und: Bei Hochwasser, Erdbeben oder irgendwelchen anderen Umweltkatastrophen, die zu Mad-Max-ähnlichen Landschaften führen, avanciert ein Wrangler ruckzuck zum König der Straße. Doch die Show hat man auch alltags im Kasten.