Reine Hybride sind in der öffentlichen Wahrnehmung ins Hintertreffen geraten. Wenn es um das Stromern geht, spricht man von den Plug-in-Hybriden oder den reinen E-Mobilen wie einem Tesla. Jeder, der schon mal einen Toyota Prius Hybrid bewegt hat, kann das nachvollziehen: Bei allen unbestreitbaren Vorzügen des E-Mobil-Veteranen, Fahrspaß gehört nicht dazu. Das liegt am Antriebs-Konzept mit dem leistungsverzweigten Hybrid-System, was zu einer Fahrcharakteristik führt, die einem CVT-Getriebe mit dem dazugehörigen Gummiband-Feeling beim Beschleunigen ähnelt.

Die Koreaner haben sich den Konkurrenten genau angeschaut und dem Niro-Hybrid eine andere Architektur verpasst, die vom Hyundai Ioniq stammt. Der 32 kW / 44 PS-Elektromotor sitzt zwischen dem Benziner (77 kW / 105 PS) und dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Letzteres tut dem Niro richtig gut, die Beschleunigungsvorgänge fühlen sich deutlich dynamischer an als die des Toyota, obwohl es etwas langsamer zur Sache geht. Nach 11,5 Sekunden erreicht der Koreaner Landstraßen-Tempo, bei 162 km/h ist bereits Schluss. Im Sportmodus hängt der Niro spritzig am Gas und die etwas synthetische Lenkung ist dennoch präzise genug, um auch flotte Kurvenfahrten zuzulassen. Wenn es einmal zu schnell hin und her geht, reagiert der Fronttriebler sehr schnell mit wimmernden Reifen und leichtem Untersteuern. Ab 140 km/h wird es allerdings zäh und der Verbrenner müht sich hörbar nach Kräften. Vor allem, wenn man das Gaspedal bis zum Boden durchdrückt, um das letzte Quäntchen Leistung herauszuquetschen.

Der 1.425 Kilogramm schwere Crossover nutzt die Systemleistung von 104 kW / 141 PS bestmöglich aus. Dank des maximalen Drehmoments von 265 Newtonmetern, das schon bei 1.000 Umdrehungen anliegt, schlägt sich der Niro wacker. Wann immer es geht, verabschiedet sich der Motor vom Vortrieb und überlässt dem E-Aggregat das Handwerk. In der Stadt sollen so rein elektrisch bis zu 50 Kilometer möglich sein. Mit 18-Zoll-Reifen, die dem SUV gut zu Gesicht stehen, verkündet KIA einen Normverbrauch von 4,5 l/100 km, wem 16-Zoll-Pneus reichen, der freut sich über lediglich 3,8 l/100 km. Bei aktivierter Routenführung unterstützt das System den Fahrer beim Spritsparen, mahnt ihn vor Kurven vom Gas zu gehen, lädt die Batterie, bevor es bergauf geht (um die E-Hilfe beim Klettern zu nutzen) und rekuperiert möglichst viel bei der Abfahrt.

Plug-in erst im Herbst 2017

Die Koreaner lernen auf allen Gebieten dazu. Die Heckklappe und die Motorhaube sind aus Aluminium. Genauso wie Teile des Fahrwerks und die neue Multi-Link-Hinterachse helfen bei der Agilität und dem Komfort. Zwar ist der Niro kein kommodes Wasserbett, aber weit davon entfernt ein Zahn-Inlay-Killer zu sein. Mit einer Länge von 4,36 Metern ist der der Kompakt-SUV 4,5 Zentimeter länger als der cee'd, der Radstand übertrifft den größeren Sportage um 1,3 Zentimeter. Dieses Wachstum kommt bei den Passagieren an: Vorne und hinten hat man sehr viel Platz. Immerhin geht es hier um einen Kompaktklasse-Crossover. Auch der Kofferraum frönt mit einem Volumen von 427 bis 1.425 Litern (bei umgelegten Rückbank-Lehnen) nicht dem Minimalismus. Die Ladefläche ist eben und steigt leicht an; nur die Ladekante ist etwas hoch. Um diese Raum-Opulenz zu erreichen, platzieren die Koreaner die Akkus unter dem Rücksitz. Mit einem Gesamtgewicht von 33 Kilogramm schlägt die Batterie nicht allzu sehr auf den Verbrauch.

Das Cockpit ist übersichtlich und die Verarbeitung durchaus solide. Auch auf diesem Gebiet verkürzt Kia den Rückstand auf Toyota und VW merklich. Das Smartphone kommuniziert per Android Auto oder Apple CarPlay mit dem Auto und hilft dem Fahrer. Ein Notbrems-Assistent mit Fußgänger-Erkennung und ein Toter-Winkel-Assistent sind ebenfalls zu haben. Lediglich auf Voll-LED-Licht müssen die Niro-Käufer noch etwas warten. Genauso wie auf die Plug-in-Hybrid-Version, die erst im Herbst des nächsten Jahres erscheint. Ab September steht der Niro beim Händler. Sein Preis steht noch nicht fest. Insgesamt wollen die Koreaner dieses Jahr noch 1.000 Modelle verkaufen. Pro zwölf Monate sollen es dann doppelt so viele Modelle sein. Für alle Pferde- und sonstige Anhängerfreunde hat Kia noch ein Schmankerl parat: Der Niro kann eine Anhängerlast von bis zu 1,3 Tonnen ziehen.