Kia hat seinen Kleinsten aufgefrischt. Der Picanto ist jetzt in einer sportlicheren Hülle verpackt. An der Motorisierung hat sich hingegen wenig geändert.

Jetzt ist endgültig Schluss mit niedlich: Kia hat seinen Picanto nach dem Generationswechsel 2011 nun mit einem Facelift noch einmal einen guten Tick sportlicher und aggressiver im Auftreten gemacht – vor allem mit dem optionalen Sportpaket sieht der in Korea gebaute Kleine gar nicht mehr so knuddelig und freundlich aus, wie er vor zehn Jahren mal angetreten war. Ein neues Design bekam dabei neben dem schmaler gewordenen Kühlergrill, den die Koreaner etwas arg selbstbewusst “Tigernase” getauft haben, auch der Stoßfänger an der Front. Er hat nun einen größeren Lufteinlass und eine neue Einfassung für die Nebelscheinwerfer.

Zwei Motorisierungen

Auch das Heck bekam kräftigere Stoßfänger und einen optisch angedeuteten Diffusor. Ein bisschen LED muss mittlerweile auch im Kleinwagen-Segment sein – wenigstens als aufpreispflichtige Option oder zur Not auch optisch gefaked: Der überarbeitete Picanto kommt entsprechend mit einem LED-Tagfahrlicht und – je nach Ausführung – mit Rückleuchten im LED-Design. Insgesamt wirkt er nun stabiler und muskulöser. Noch einmal gesteigert wird diese Optik mit dem Sport Paket für 390 Euro Aufpreis: Dafür gibt es weder ein strafferes Fahrwerk, noch eine knackigere Lenkung, noch eine fixere Gasannahme – aber der Picanto sieht damit so aus, als hätte er all das. Der Sportstoßfänger vorne wird dominiert von schwarzem Klavierlack und einer kecken roten Designlinie. Hinten gibt es Diffusor-Optik und einen Doppelrohrauspuff.

Sieht zwar sportlich aus – ist aber vor allem Show, wenn auch eine ganz gelungene. Das Dreizylinder-Motörchen mit seinen 1,2 Litern Hubraum braucht nun wirklich keinen Doppelauspuff wie ein Jaguar F-Type, um seine gerade mal noch 109 Gramm CO2 pro Kilometer los zu werden.

Überholen will gut überlegt sein

Wie bisher gibt es den Picanto in zwei Motorisierungen, beide mit drei Zylindern. Der 1,0-Liter-CVVT-Motor leistet 49 kW/66 PS, drei PS weniger als bisher. Der Verbrauch kletterte von 4,2 Litern Super pro 100 Kilometer auf nun 4,5 Liter. Und auch der Antritt ist mit wenig berauschenden 14,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 noch einen Tick beschaulicher geworden. Dafür ist das maximale Drehmoment von 95 Nm gleich geblieben und die erreichbare Höchstgeschwindigkeit um fünf auf nun 158 km/h gestiegen.

Immerhin stimmt der Preis. Selbst, wenn man nicht die mager ausgestattete dreitürige Basisversion für 9.550 Euro ordert, bleibt man mit der nächst höheren Ausstattungsvariante noch gerade so unter der 10.000 Euro-Grenze, hat aber wenigsten Basics wie eine (manuelle) Klimaanlage als Option. Ein Sonderfall ist die LPG-Version des kleinen Motors – der mit Autogas betriebene Picanto ist ab 11.190 Euro zu haben.

Sicher und kommod unterwegs

Deutlich flotter und besser bestückt ist man mit dem 1,2-Liter-Motor unterwegs, für den man als Dreitürer dann allerdings auch schon mindestens 13.090 Euro anlegen muss. Als Fünftürer sind es 450 Euro mehr. Ganz davon abgesehen, dass der besser motorisierte Picanto serienmäßig unter anderem Radio, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer, elektrische Fensterheber vorne und hinten oder Zentralverriegelung mit Fernbedienung an Bord hat – er macht auch beim Fahren mehr Dampf. Von 0 auf 100 km/h läuft es dann immerhin schon mal in 11,9 Sekunden und in Sachen Höchstgeschwindigkeit sind 175 km/h drin. Aber auch der 1,2-Liter-Picanto muss drehfreudig gefahren werden, um in die Puschen zu kommen. Überholen auf der Landstraße will gut überlegt sein – husch und weg funktioniert mit dem Picanto nicht.

Dafür fühlt man sich mit ihm in der Stadt um so wohler. Was Überland als relativ gefühllose und zu leichtgängige Lenkung eher nervt, macht innerorts jedes Rangieren in eine Parklücke zur lässigen Übung. Und dass die erstaunlich straffe Federung auf schlechten Nebenstraßen eher poltrig ihre Arbeit verrichtet, fällt in der Stadt kaum noch auf. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit dem Picanto ist man sicher und kommod unterwegs. Es gehört schon viel Gewaltanwendung dazu, ihn in Kurven wenigstens mal ein bisschen aus der Fassung zu bringen. Der Geradeauslauf ist trotz der Kleinwagendimensionen von 3.595 mm Länge und einem Radstand von 2.385 mm erstaunlich stabil. Die Bremsen – rundum Scheiben – verzögern zuverlässig.

Innen zeigt sich der Kia Picanto nicht besser und nicht schlechter als die meisten seiner Konkurrenten – viel mehr ist in dieser Preisklasse auch kaum machbar. Hartplastik rundum, einfache, aber pflegeleichte Sitzbezüge, ein gut ausgeformtes Lenkrad, das sich allerdings nur in der Neigung und nicht in der Tiefe verstellen lässt. Das Platzangebot ist nicht gerade üppig, reicht zumindest vorne aber aus. Wer öfter mit mehr als zwei Personen unterwegs ist, der sollte den Mehrpreis für die zwei hinteren Türen ausgeben – der Durchstieg in die zweite Reihe ist beim Dreitürer doch recht mühsam. Mit einem Gepäckraum-Volumen zwischen 200 und 870 Litern liegt der Picanto im Mittelfeld seiner Fahrzeugklasse.