| von Stefan Grundhoff

Der Countdown läuft. Mit deutlicher Verspätung stellt Mercedes Anfang September sein neues Aushängeschild vor; noch im November soll die Hightech-Luxuslimousine auf die internationalen Märkte rollen. Im nächsten Frühjahr werden die Maybach-Varianten nachrücken. Die Maybach-Modelle sind die einzigen, die nach wie vor über einen doppelt aufgeladenen Zwölfzylinder verfügen. Die normalen S-Klasse sowie die Sportversionen von AMG setzen allein auf Sechs- und Achtzylinder. Obschon der Maybach mittlerweile kein eigenes Modell oder gar eine eigene Marke im Daimler-Portfolio mehr ist und allein die edelste Ausstattungsvariante der S-Klasse darstellt, ist sie besonders in China beliebter denn je. Zwar entscheiden sich die meisten wohlbetuchten Kunden für eine glanzlose Sechszylindervariante, doch wer wirklich etwas auf sich hält, ist mit einem Dutzend Brennkammern unter der Haube zwischen Peking, Shanghai oder Guangzhou unterwegs. Erstmals wird es beim neuen Modell auch die Kombination aus V12 und Allradantrieb geben.

Geplant war das alles einmal anders. Vor rund 20 Jahren wollte Daimler seiner Sternenmarke Mercedes mit dem Maybach-Logo die strahlende Krone aufsetzen. Doch der scheinbar perfekte Plan platzte und die Maybach-Modelle standen sich die Reifen platt. Zwischendurch wurde das doppelte M (Manufaktur Maybach) eingestellt und nach der Neuauflage ist Maybach mittlerweile nur noch eine Ausstattungsvariante der Mercedes S-Klasse. Die ersten Modelle dürften bald Sammlerwert haben - nicht nur, weil diese besonders selten sind.

Die Daimler AG hat sich seit den 90er Jahren so manchen geschäftlichen Patzer erlaubt, der Milliarden kostete. Die geplante Welt-AG ist passé, Smart wird künftig aus China dirigiert und so manche Beteiligung an internationalen Großkonzernen ist beinahe vergessen. Die größte Versuchung der schwäbischen Allmachtsgedanken war jedoch die Wiederbelebung der Marke Maybach zum Wechsel des Jahrtausends. 1.000 bis 1.500 Fahrzeuge oder deutlich mehr sollten es pro Jahr mindestens werden, die in die Nobelgegenden von Shanghai, Los Angeles, Dubai und München rollen sollten. Doch nachdem das Luxusdoppel aus Maybach 57 / 62 Anfang des dritten Jahrtausends eine glorreiche Premiere feierte, geschah nicht mehr viel. Die Nachfrage war kleiner als klein und so gab es jahrelang keinen Nachfolger; sogar fest eingeplante Modellpflegen blieben aus. Ein Problem: die elitäre Kundschaft verstand den historischen Bezug der Marke Maybach zu seinem Namensgeber Wilhelm Maybach nicht und andere Luxusmodelle von Rolls-Royce oder Bentley machten schlicht mehr her.

Offener Luxus

Technisch war der Maybach nicht so modern wie erhofft. So basierten die Maybach-Modelle auf der S-Klasse (W 220) der Jahrtausendwende. Viele technische Module gingen sogar auf das Vorgängermodell der Baureihe W 140 zurück, das Ende der 80er entwickelt wurde. Und ein strahlend weißes Landaulet als nachgelieferte Karosserievariante für Sonnenanbeter oder eine Sonderauflage mit dem traditionsreichen Namen Zeppelin weckten auch in den elitärsten Gegenden keine rechte Kauflust. Zudem wurde bei den Panzerungen geschlafen. Da die Maybach-Modellreihe an sich als reines Luxusfahrzeug und nicht als Staatslimousine konzipiert wurde, konnte sie nicht als Panzerversion geordert werden und war für viele Könige, Kaiser und Staatsoberhäupter damit außen vor. Dabei hätten gerade die sich nur allzu gerne in den klimatisierten Liegesesseln durch die Lande chauffieren lassen oder den Blick auf den illuminierten Sternenhimmel im Dach gerichtet.

Mit steigender Nachfrage und entsprechenden Preisen ist insbesondere bei besonders exklusiven Ausstattungen oder Sondermodellen wie dem Zeppelin zu rechnen. Neben dem offenherzigen Maybach Landaulet gab es zum Ende des Jahrzehnts eine exklusive Serie von hundert Modellen mit dem traditionsreichen Zeppelin-Signet auf dem Kühler. In den 30er Jahren war der Maybach Zeppelin das automobile Gegenstück zu Weltwirtschaftskrise. In den 20er und insbesondere den 30er Jahren zeigten die Schönen und Reichen allzu gerne, was sie hatten; eine exklusive Luxuslimousine nach Vorbild von Horch oder Maybach war selbstverständlich.

Egal für welchen Maybach der Neuzeit man sich auch entscheidet - an der Motorleistung wird es kaum Kritik geben. Im Vergleich zum Standard-Maybach bietet der V12 des Zeppelin ein leichtes Leistungsplus, das die Motorkraft auf 471 kW / 640 PS und 1.000 maximales Drehmoment ansteigen lässt. Der Vortrieb ist trotz knapp drei Tonnen Leergewicht bis 250 km/h brachial. Derweil genießen Fahrer und Gefahrene im Innenraum den grandiosen Maybach-Luxus - nur eben noch etwas exklusiver als gewöhnlich. Dazu tragen weniger die Zeppelin-Schriftzüge im Innenraum als vielmehr die verwendeten Materialien und Farben bei. Der Preis im Jahre 2009: Der Maybach 57 Zeppelin startete bei 483.140 Euro und die standesgemäße Langversion 62 Zeppelin kostete beeindruckend exklusive 563.108 Euro. Immerhin: auch die Karosserie des Maybach Zeppelin DS8 hatte im Jahre 1931 33.200 Reichsmarkt gekostet. Warten wir mal auf die neue Generation.

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