Als die Terrorgefahr in den 70er Jahren immer größer wurde, rüstete die Polizei hierzulande auf. Die Flotte von VW Käfer, Passat oder Mercedes Transporter wurde um Spähpanzer ergänzt, die man sich dem militärischen Bereich entliehen hatte. Noch heute stehen betagte Panzerwagen ebenso an großen deutschen Flughäfen herum wie auch in den Fuhrparkgaragen der Bereitschaftspolizei. Gefährdete Politiker werden weltweit in schwer gepanzerten Limousinen durch die Gegend kutschiert; umgeben von einer Fahrzeugkolonne, die zumindest in europäischen Ländern zumeist nicht minder schwer gepanzerte Geländewagen vom Typ Mercedes G-Klasse oder Toyota Land Cruiser beinhaltet.

Auf diese Modelle setzen auch die Sondereinsatzkommandos der Länder sowie die GSG9, die Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei mit Sitz in Sankt Augustin bei Köln, die auch im Ausland für den Schutz von Politikern und Botschafter verantwortlich sind. Nordrhein-Westfalen rüstete vor rund vier Jahren auf und schaffte sich mächtige Pick-Up-Trucks vom Typ Ford F-550 Super Duty an. Der übergroße Bruder des amerikanischen Massenmodells F-150 wurde von der Sicherheitsfirma Patriot3 in Virginia aufwendig nachgepanzert, mit speziellen Ausstattungen und einer ausfahrbaren Rampenanlage versehen die es möglich macht, hohe Mauern zu überwinden oder Häuser in oberen Etagen über die Fenster zu erreichen. Viele internationale Polizeibehörden lassen sich bei Patriot3 Spezialfahrzeuge fertigen ? unter anderem setzen die Spezialeinheiten in afrikanischen Staaten oder die österreichische Cobra, auf den schwer gepanzerten Ford F-550 mit Rammschutz und 360 PS.

Die SWAT-Sondereinheiten der amerikanischen Polizei fahren seit Ende der 90er Jahre zu ihren Einsätzen meist mit Panzerspähwagen oder speziell gesicherten Einsatzbussen. Aber auch die Streifenpolizisten werden mit speziellen Fahrzeugen versehen, um den bösen Jungs auf den Straßen das Handwerk zu legen. Die amerikanischen Autobauer bieten den Cops ihre speziell umgerüsteten Autos an. Fords Police Interceptor Utility basiert auf dem SUV “Explorer”. Die Einsatzkräfte haben die Wahl zwischen zwei Sechszylindern, die beide auch in der zivilen Version verbaut werden: den 3.7-Liter-V6-Motor mit 304 PS oder den EcoBoost V6 mit 365 PS. Um bei der Verbrechensjagd nicht schlapp zu machen, unterzogen die Ford-Techniker die Aggregate einem rigiden Testprogramm, das von der Michigan State Police und dem Los Angeles County Sheriff?s Department definiert wurde. Dazu gehören Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagden, ein Handling-Kurs und oftmaliges knallhartes Beschleunigen und Abbremsen.

Im Vergleich zu dem betagten Ford Crown Victoria Police Interceptor, der bis vor fünf Jahren auf den US-Straßen im Einsatz war, ist der SUV für die Anforderungen der modernen Verbrechensverfolgung gerüstet. Beim Verfolgungs-Fahrprogramm “Pursuit Mode” gehen die Gangwechsel schneller vonstatten. Auch die aus den Gangster-Filmen bekannten 180-Grad-Schleuder-Wenden, bei denen das Auto rückwärts losfährt und sich dann um die eigene Achse dreht, unterstützt die Software den Fahrer. Die modernen Sensoren warnen die Polizisten, wenn sich jemand an das Auto heranschleicht, und verschließen die schusssicheren Türen.

Auch der Dodge Charger Pursuit hilft den Gesetzeshütern, die bösen Jungs zu stellen. Die Polizei-Version kommt entweder mit einem 292-PS-V6 oder, wenn es richtig zur Sache gehen soll, mit einem 370 PS V8 und Allradantrieb. Mit diesem Antrieb müssen die Delinquenten schon besonders fix sein, weil der Polizeiwagen die 100 km/h-Marke in weniger als sechs Sekunden knackt. Der Polizei-Dodge hat natürlich spezielle Details, die den Beamten die Verbrecherjagd vereinfachen: Dazu gehören breitere, speziell gepolsterte Sitze (damit die Waffe auch genug Platz hat) und einen Automatikhebel, der an der Lenkradsäule angebracht ist, damit die Cops die Bedienelemente für das Blaulicht und die Sprechanlage leichter erreichen können. Dass das Auto für die tägliche Polizeiarbeit optimiert ist, versteht sich von selbst. Kameras, ein Drucker und ein ausziehbarer Kofferraumladeboden erleichtern den Beamten die Arbeit. Der Kofferraum ist klimatisiert, damit die empfindliche Technik auch an heißen oder kalten Tagen jederzeit einsatzbereit ist.

Auch in den gefährlichen Regionen in Afrika, Südamerika oder Asien reichen Schutzwesten und Helme, neben den eigenen Waffen, längst nicht mehr aus. Nicht selten werden die Fahrzeuge der Polizei als mobile Schutzwälle genutzt, um verletzte Personen aus der Gefahrenzone herauszubekommen oder sich einem Objekt sicher nähern zu können. Viele US-Bundesstaaten haben sich in den vergangenen Jahren ausrangierte Radpanzer der Armee gekauft und diese in den nationalen Polizeidienst eingegliedert. Besonders begehrt sind Modelle wie Lenco Bear Cat oder Pitbull, die mit zentimeterdicken Stahlplatten Kugeln und Handgranaten keine Chance geben.

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Wolfgang Gomoll / Stefan Grundhoff; press-inform