Neu ist der Trend mit den SUV-Coupés nicht und stattdessen ist vielmehr anzunehmen, dass die überaus erfolgreiche Designeskapade einer abfallenden Dachlinie so langsam auslaufen wird. Die Autohersteller müssen aufgrund der mittelfristig parallel gefahrenen Antriebskonzepte ihre Varianten nennenswert reduzieren. Das dürfte auch auf Kosten so manchen SUV-Coupés gehen, das als BMW X3 / X4, Audi Q5 / Q5 Sportback oder Mercedes GLC / GLC Coupé in den vergangenen Jahren eine angenehme Möglichkeit war, sich von der breiten SUV-Masse abzuheben. Während andere Marken darüber sinnen, SUV und Coupéableger zukünftig unter einem einzigen Modell zusammenzufassen, geht Renault einen anderen Weg. Die gerade in Sachen Elektroantrieb, Klein- und Kompaktwagen erfolgreichen Franzosen wollen sich unter dem ambitionierten neuen Konzern-CEO Luca de Meo nur allzu gerne nach oben positionieren.

Wie könnte das besser klappen als mit einem SUV-Coupé, das in dieser Klasse kaum jemand im Markenportfolio hat? Der 4,57 Meter lange Renault Arkana kommt den weiten Weg aus Busan in Südkorea nach Europa und will die Herzen der SUV-Fans erobern, denen ein normaler Crossover zu gewöhnlich oder gar zu langweilig ist. Schon deshalb kann man dem südkoreanischen Franzosen sein Alleinstellungsmerkmal kaum absprechen. Trotzdem erscheint er allzu nah an den Schwestermodellen Kadjar und Koleos positioniert, die angesichts des Segments erfolgreicher sein könnten. Optisch macht der Arkana gerade mit dem empfehlenswerten RS-Paket einen überaus stimmigen Eindruck, wenngleich die großen Karosserieflächen und der 2,72 Meter lange Radstand auch 19- oder 20-Zöller vertragen würden. Mit dem optionalen 18-Zoll-Radsatz wirkt der Renault Arkana trotz der auf 1,57 Meter reduzierten Höhe etwas hochbeinig und stelzig.

Das Platzangebot im Innern ist gut. Das gilt nicht nur für den stattlichen Laderaum, dessen 513 Liter sich durch Umlegen der Rückbank auf 1.296 Liter vergrößern lassen. Bitter: Die üppig dimensionierte Heckklappe schwingt für groß gewachsene Personen nicht weit genug auf und eine elektrische Betätigung - seit vielen Jahren Klassenstandard - gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Ähnlich großzügig wie im Laderaum geht es für Fahrer und Beifahrer zu, die sich jedoch mehr Variabilität in der Höhenverstellung und mehr Seitenhalt von den Leder-Alcantara-Sitzen wünschen würden. Auch im Fond lässt es sich bequem sitzen. Allein ab 1,85 Metern wird es aufgrund der abfallenden Dachlinie etwas eng für das ondulierte Haupthaar. Doch zwei Personen können hier mit genügend Bein-, Knie- und Schulterfreiheit auch auf längeren Strecken kommod reisen. Modern präsentieren sich die animierten Instrumente und auch das Hochkant-Display in der Mitte der Armaturentafel kann ebenso wie das Lenkrad mit den aufgeräumten Funktionen gefallen. Die Bedienung des Soundsystems über den unsichtbaren Bediensatelliten über dem rechten Knie bleibt jedoch alles andere als ergonomisch ideal.

140-PS-Benziner als Basis

So sportlich sich der Renault Arkana optisch auch präsentiert - bei den Motoren gibt es nicht mehr als Mittelklasse-Hausmannskost. Der 145 PS starke Hybrid ohne Plug-in und die 160 PS starke Topversion kommen erst etwas später. Zum Marktstart in diesem März kommt man daher um den 1,4 Liter großen Turbobenziner mit überschaubaren 103 kW / 140 PS und Startergenerator nicht umhin. Mit ihm beschleunigt der ausschließlich als Fronttriebler erhältliche Renault Arkana aus dem Stand in 9,8 Sekunden auf Tempo 100 und schafft eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Ab 180 km/h wird es auf der linken Autobahnspur jedoch zäh, denn dann hält sich der weitere Kraftfluss in überschaubarem Rahmen. Ohnehin wirkt der 1,4 Liter große Benziner unter Last angestrengt und man vermisst einen kraftvollen Diesel oder einen zumindest zwei Liter großen Benziner der 200-PS-Liga, der nicht nur in den Arkana, sondern auch das Wettbewerbsumfeld passen würde.

Dabei bemüht sich der koreanische Franzose insbesondere durch die straffe Abstimmung von Federn und Dämpfern mit einem strammen Anfedern allemal um fahrdynamische Ambitionen. Doch straff und sportlich reichen trotz des solide abgestimmten Doppelkupplungsgetriebes mit seinen sieben Schaltstufen längst nicht mehr aus, um in dieser Klasse vorne mitzuspielen. Daran ändert auch die ebenso leichtgängige wie präzise Lenkung nichts. Daher dürften sich viele Kunden für den stärkeren Benziner, der jedoch auch nur 160 PS leistet oder den 145 PS starken Hybriden entscheiden. Der Teilzeit-Elektriker reduziert den Normverbrauch von 5,3 auf 4,0 Liter Superkraftstoff auf 100 Kilometern. Im Vortrieb wird der nur 91 PS starke Benziner mit einem 69 PS starken Elektromodul unterstützt. Mehr als 175 km/h sind damit jedoch nicht drin.

Ist der Renault Arkana nunmehr eine echte Alternative zu VW Tiguan, Kia Sportage, Nissan Qashqai, Skoda Kodiac oder Opel Grandland? Ist er, denn allein das Coupédesign bringt etwas Abwechslung in eine Fahrzeugklasse, deren Modellvielfalt gigantisch ist. Doch um sich mit dem Arkana wirklich nach oben positionieren, fehlt es dem Familien-Crossover zumindest an einer deutlich leistungsstärkeren Variante. Der Basispreis für den Renault Arkana TCe 140 liegt bei 27.850 Euro. Am besten gefällt jedoch das Topmodell RS-Line, das für 32.600 Euro unter anderem Details wie LED-Scheinwerfer, 18-Zoll-Radsatz, elektrische/beheizte Ledersitze sowie eine Einparkautomatik bietet.

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