Dicke Auspuffendrohre als Zeichen automobiler Hochpotenz haben in Zeiten ausufernder Debatten über Abgaswerte und Umweltschutz - zumindest bei Serienmodellen - weitgehend ausgedient. Was früher offensiv zur Schau gestellt wurde, wird nun am liebsten versteckt. Nun geht es auch dem PS-Protz-Symbol am anderen Ende an den Kragen: dem Frontgrill.

Dem war ursprünglich eine wichtige Funktion zugefallen: der Schutz des eigentlichen Kühlers und der Kühllufteinlass. Im Lauf der Jahrzehnte war aber der Grill als zentraler Teil der Frontgestaltung in eine immer wichtiger Rolle als das Gesicht einer Marke gewachsen. Markanteste Beispiel hierzu liefern BMW mit der Niere und der Scudetto von Alfa Romeo. Der Aufstieg von Audi in der Premiumliga geht einher mit der Größe des Grills.

Die Wucht des Grills ist und war auch die Maßeinheit für das, was Auto-Machos gerne als "Überholprestige" bezeichnen. Die Formel ist schlicht: je aggressiver die Front, umso sportlicher das Auto und umso schneller sollte der Vordermann die Überholspur räumen.

Vor allem Anfang der 2000er Jahre setzten Designer die Größe des Grills als Symbol für Marken-Selbstbewusstsein ein. Eines der krassesten Beispiele lieferte Peugeot, das seinen Modellen ein riesiges Löwenmaul verpasste. Auch die Toyota-Luxusmarke  Lexus plärrt ihren vor zwei, drei Jahren definierten Anspruch nach erhöhter Sportlichkeit mit einer fast schon karikaturhaft überzeichneten Front hinaus.

Wie in anderen Bereichen setzt Tesla jetzt den Kontrapunkt und killt den aus funktionalen Gründen bei einem Elektroauto komplett überflüssigen Grill. Stattdessen gibt es eine schmale, elegant gezeichnete Raute, in deren Mitte das Markensymbol thront.  Der Umbau der Mobilität beginnt im Kleinen.