Der Golf GTI ist an sich ein nahezu perfektes Kompaktklassemodell. Mehr Laune kann ein Schrägheckmodell der 4,30-Meter-Klasse kaum machen. Früher gab es den Golf R sogar noch mit V6-Power und man führte mit ihm betont sportlich das Doppelkupplungsgetriebe in die Marke ein. Längst ist der Sechszylinder-Sauger mit mehr als drei Litern Hubraum verschwunden und wurde von EA888, der Allzweckwaffe im Volkswagen-Konzern, ersetzt: zwei Liter Hubraum, vier Zylinder, Turbopower und eine Direkteinspritzung. Da macht der Golf R der Generation acht keinen Unterschied zu seinem Vorgänger, der gerade von vorn und im Innern wohl noch mehr überzeugen konnte als die neue Generation. Bleibt letztlich auch die Frage, ob das den stattlichen Aufpreis rechtfertigt. Der VW Golf R startet gut ausgestattet bei stattlichen 48.018 Euro; das sind über 14.000 Euro mehr als der kaum schlechter ausstaffierte Golf GTI mit seinen 35.633 Euro und selbst der 300 PS starke Golf GTI CS ist mit 40.224 Euro an sich schon das Aufgeld zum Basis-GTI kaum wert.

Der neue VW Golf R bietet 235 kW / 320 PS und die obligatorische Kombination aus siebenstufigem Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb. Die 320 PS nebst 420 Nm maximalem Drehmoment auf alle vier Räder zu übertragen, ist neben der optional stattlich tönenden Akrapovič-Titanabgasanlage, die zudem sieben Kilogramm an Gewicht spart, der einzige wirkliche Unterschied zum Golf GTI. Denn der bietet in seiner sportlichsten Ausprägung als kurvenhungriger Clubsport bereits 221 kW / 300 PS und lässt den Leistungsunterschied somit auf ein kaum herauszufahrendes Minimum schrumpfen. Ursprünglich war der VW Golf R ebenso wie seine sportlichen Allradbrüder Tiguan R und T-Roc R immerhin noch mit 333 PS unterwegs, doch strenge Abgasvorschriften und der Ottopartikelfilter kosteten wertvolle Traber unter der Haube und es blieb bei 320 PS.

Noch mehr dürfte für viele potenzielle Kunden ins Gewicht fallen, dass der VW Golf R kaum sportlicher aussieht als ein GTI und gegenüber dem nachgeschärften GTI Clubsport je nach Farbwahl sogar noch etwas abfällt. Hier sollte sich die Volkswagen-Verantwortlichen schleunigst etwas einfallen lassen, denn die R-Ausstattungspakete der normalen Golf-Varianten sehen kaum weniger bissig aus als VW Golf GTI oder eben der Golf R. Das gilt für die Unterscheidung GTI - R innen wie außen. Klar sind beide sportlich, die Schweller amtlich und das Spoil

erwerk für die höheren Tempi unverzichtbar - doch der größte Unterschied außen bleibt die vierflutige Abgasanlage, die in der Akrapovič-Version noch etwas schärfer aussieht und je nach angewähltem Fahrprogramm nennenswert besser klingt. Im Innern gibt es jedoch keine Unterschiede, denn wohl konturierte Sportsitze, das griffige Lederlenkrad und animierte Displays sind nahezu identisch. Für die Sportstühle würde man sich durchaus noch verstellbare Seitenwangen und eine ausziehbare Oberschenkelauslage wünschen, doch hier sparen die Wolfsburger.

270 km/h Spitze

Lohnt es nun, den VW Golf R dem allemal sportlichen Golf GTI mit seinen 245-Serien-PS vorzuziehen? Das muss schon angesichts des üppigen Aufgelds fraglos jeder selbst wissen, denn wirklich groß ist der Unterschied durch das identische Triebwerk nicht. Natürlich hat der R oben herum etwas mehr Dampf und Anschub gerade bei höheren Drehzahlen und entsprechenden Geschwindigkeiten. Doch das Problem des Golf R ist der GTI. Der ist aus der Kombination vom direkt am Gas hängenden Vierzylinder-Turbo, dem prächtig abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe und einer soliden Vorderachsquersperre so gut, dass sich die Unterschiede in einem vertretbaren Rahmen halten. Das Fahrwerk ist fein abgestimmt, die Lenkung angenehm direkt ohne den so wichtigen Langstreckenkomfort zu vergessen und das Heck ist bei beiden ungemein agil. Durch den 4x4-Antrieb lässt sich die Dynamik der R-Version speziell in schnellen Kurvenkombinationen nennenswert steigern. Ein Druck auf den R-Taster am Lenkrad und der Rennmodus schaltet direkt scharf. Das elektronisch gesteuerte Fahrwerk ist zwei Zentimeter tiefer als die normalen Versionen und sportlich ambitionierte Fahrer freuen sich über straffere Federn und Dämpfer, die nicht zu hart ihren Dienst verrichten.

Aus dem Stand geht es für den Golf R in guten 4,7 Sekunden auf Tempo 100, was jedoch eher an dem variablen Allradantrieb liegt, der die Motorleistung auf beide Achsen verteilt. Das reduziert die sonst spürbaren Antriebskräfte im Lenkrad des GTI-Fronttrieblers nennenswert und sorgt für ein deutlich besseres Vorankommen bei Eis, Schnee und Regenglätte. Doch das ist auch schon der größte Unterschied zum GTI. Denn nur mit dem optionalen Performance-Paket darf der VW Golf R statt der sonst begrenzten 250 immerhin 270 km/h schnell rennen. Doch ob die Abregelung bisher viele Kunden gestört haben mag? Im Bereich der absoluten Maximalgeschwindigkeiten gibt es ohnehin bessere Fahrzeuge höherer Klassen als einen GTI-Golf.

Das Performance-Paket beinhaltet zudem einen größeren, zum Dach hin offenen Heckspoiler wie beim GTI CS, der für zusätzlichen Abtrieb an der Hinterachse sorgt, 19- statt 18-Zoll-Räder sowie die zwei zusätzlichen Fahrprofile inklusiv einer entbehrlichen Driftfunktion. Auf der Nürburgring-Nordschleife ist der neue Golf R pro Runde immerhin bis zu 17 Sekunden schneller als sein alles andere als zahmer Vorgänger. Serienmäßig für alle R-Modelle ist eine besonders groß dimensionierte Bremsanlage, die nicht nur auf der Nordschleife für beste Verzögerungen sorgt. Mit der neuen Bremse vergrößern sich die Scheibendimensionen von 340 x 30 mm auf 357 x 34 mm.

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