Geplant hatte Volkswagen von seinem ersten Golf GTI ursprünglich 5.000 – geworden sind es 2.000.000. 1976 zum ersten Mal in Dienst gestellt, fährt er Anfang nächsten Jahres in seine siebte Generation. Und das nicht gerade langsam. Denn das Jubiläumsmodell zum 40. Geburtstag ist nichts Geringeres als der stärkste Serien-Golf GTI aller Zeiten. Bis zu 290 PS stehen im 34.500 Euro teuren VW Golf GTI Clubsport zur Verfügung.

Wird das Gaspedal gefühlt bis in den Motorraum durchgetreten, Experten sprechen von einem Kickdown, werden per Boost-Funktion rund zehn Prozent zusätzlich akquiriert. Gemeinsamkeiten mit dem Superpersuit-Mode oder gar dem Turbo-Boost von K.I.T.T. aus der Fernsehserie Knight Rider gibt es jedoch nicht. Es fahren weder zusätzliche Aerodynamikteile aus dem Chassis, noch versetzt der Boost dem Fahrer und seinen bis zu vier Mitfahrern einen ordentlichen Tritt in den Rücken. Ersteres ist aber sowieso nicht mehr notwendig, denn der Geburtstags-GTI ist dank neuer Front- und Heckpartie der erste seiner Art, der Abtrieb an beiden Achsen aufweisen kann.

Ebenfalls zum ersten Mal sind Semi-Slick-Reifen im Angebot. Damit diese ihre Vorteile entfalten können bedarf es einer Reifentemperatur, die normalerweise nicht in der Stadt erreicht werden sollte. Das Besondere an dem VW Golf GTI Clubsport ist aber irgendwie etwas ganz anderes. Nicht die Leistung, nicht die bis zu 19 Zoll großen Räder oder die phantastischen Aerodynamikwerte. Es ist dieses große Fragezeichen im Gesicht eines GTI-unerfahrenen Autofahrers, wenn er nach einer kurzen Testfahrt nach der Art des Antriebs gefragt wird. „So, wie der sich anfühlt, ist das nen Allradler. Gibt es den auch mit Frontantrieb?“ Tja, reingefallen. Ein GTI war, ist und bleibt ein Fronttriebler.

Dass er sich so fährt wie ein Allradler, liegt an der bereits aus dem GTI Performance bekannten elektronisch geregelten Vorderachs-Differenzialsperre. In Kombination mit der in drei Stufen bis hin zur kompletten Deaktivierung regelbaren Traktionskontrolle sorgt sie dafür, dass aus Kurven noch schneller herausbeschleunigt werden kann. Die Antriebskraft am kurvenäußeren Rad wird erhöht und so das Beschleunigungsuntersteuern reduziert. Hier wird Physik und Ingenieurskunst auch für Laien erfahrbar. Ein Effekt, der zum einen den Frontantrieb vergessen macht und zum anderen dem einen oder anderen Beifahrer dank der auftretenden Kräfte noch schneller als je zuvor die Farbe Grün ins Gesicht zimmert.

Wie in einem maßgeschneiderten Wohnzimmer fühlt sich der Besitzer des neuen VW Golf GTI Clubsport, blickt er auf die GTI-typischen Karomuster der serienmäßig verbauten Sportschalensitze. Trotz ihres Stoffbezuges wirken sie zu keinem Zeitpunkt fehl am Platz und bieten einen hervorragenden Seitenhalt. Das Golfballdesign des Schaltknaufs rundet den Jubiläums-Auftritt ab. Dass ein Wohnzimmer recht flott und dazu noch sehr präzise von A nach B bewegt werden kann, zeigt sich nach einer minimalen Lenkbewegung und einem kurzen Blick auf den Tacho. Nach 5,9 Sekunden fliegt die Tachonadel über die 100er-Markierung und stoppt erst bei realen 250 Kilometer pro Stunde. Zudem folgt er jedem noch so kleinen Lenkbefehl in einer GTI-bekannten Direktheit.

Wie bei den Pferdestärken wird mithilfe der Boost-Funktion auch das maximale Drehmoment für einen Augenblick von zehn Sekunden erhöht. Bis zu 380 Newtonmeter, genauso viel wie beim großen Allradbruder R-Golf, werden dann auf die Straße gelassen. Einen kleinen Trick, wie die zusätzliche Leistung und Kraft nicht nur zehn, sondern zwanzig Sekunden lang abgerufen werden kann, gibt es auch. Aber nur beim GTI mit sechsstufigem Doppelkupplungsgetriebe anstatt des manuellen Sechsganggetriebes. Wird dem knapp 1,4 Tonnen schweren Wolfsburger mithilfe der Launch-Control vom Stand weg alles abgefordert, gibt es zehn-Extra-Power-Sekunden. Der Sound, der dabei aus den beiden Endrohren gefühlt 1,40 Meter unterhalb des Dachkantenspoilers herausgerotzt wird, klingt der Leistung und dem Image des GTI angemessen dreckig. Allerdings kündigt er auch einen Spritverbrauch jenseits der normierten 6,9 Liter an. Ein zwei Liter großer Vierzylinder mit so viel Leistung will eben gefüttert werden. Wer einen VW Golf GTI Clubsport besitzen möchte, sollte sich beeilen. Denn der offiziell nicht limitierte Sportler wird nicht einmal ein ganzes Jahr, sondern genauer gesagt nur bis zum Herbst kommenden Jahres produziert.

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Marcel Sommer; press-inform