Der Brandbrief des Führungsduos der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament an Ursula von der Leyen lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. "Ein abruptes Aus für den Verbrenner bedroht mehrere Hunderttausend Arbeitsplätze in der EU", schreiben Daniel Caspary, Chef der CDU/CSU-Gruppe, und CSU-Vize Angelika Niebler an die Präsidentin der Europäischen Kommission. Das Thema, das die Politiker so in Wallung bringt, ist die nächste Abgasnorm Euro 7. Alleine in der deutschen Automobilindustrie wären nach Ansicht der Politiker bis zu 400.000 Arbeitsplätze bedroht, wenn diese Vorschrift 2025 in die Tat umgesetzt würde. Der BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch fasst das düstere Zukunftsszenario vergangene Woche bei einem Forum des Autoclubs Mobil in Deutschland in drastische Worte: "Wir werden eine Arbeitslosigkeit erleben, wie wir sie noch nie gehabt haben. Wenn die Politiker hier den Hebel umlegen, wird es zappenduster in Deutschland."

Dem Dieselmotor droht der Untergang

Der Flächenbrand dürfte sich aber auf die angrenzenden Staaten ausdehnen, da viele Betriebe von den Automobilbauern abhängig sind - sei es in der Zuliefererindustrie oder der Logistik. Und in dem fragilen wirtschaftlichen europäischen Gerüst der Nach-Corona-Zeit kann sich jede Störung deutlich fataler auswirken, als das bisher der Fall ist. So können aus Hunderttausenden gefährdeter Stellen schnell Millionen werden. In der Geschichte des Automobils kommt so ein Säbelrasseln nicht zum ersten Mal vor. Wenn technische Voraussetzungen für die Zulassung neuer Modelle verschärft werden, schlagen die Verantwortlichen der Autobauer die Hände über den Kopf zusammen und zeichnen das Unrentabilitäts-Menetekel an die Wand. Schließlich bedeutet jede technische Umrüstung Investitionen, die das Fahrzeug teurer machen und für die der Kunde nur bedingt bereit ist, einen höheren Preis zu bezahlen. Damit sinken die Gewinne und die Lamentier-Bereitschaft der Manager steigt.

Doch so vehement wie momentan ist das Säbelrasseln selten bis nach Brüssel durchgedrungen. Zumal die neue Abgasnorm noch nicht beschlossen ist. Doch was aus der EU-Kommission beziehungsweise durch das "CLOVE-Konsortium" nach außen dringt, gibt schon ein ziemlich konkretes Bild ab. Da die CO2-Grenzwerte schon seit Jahren feststehen, geht es diesmal unter anderem um die Stickoxide (NOx). Hier wird diskutiert, dass Neuwagen nur noch 30 mg/km ausstoßen dürfen. Aber auch hier ist eine weitere Senkung des Grenzwertes noch nicht vom Tisch. Die drohende Schadstoffnorm Euro 7 dürfte für viele Fahrzeugklassen jedoch das Ende des Dieseltriebwerks bedeuten, denn gerade in Fahrzeugen unterhalb der Mittelklasse ist die Abgasnachbehandlung für die strengen Grenzwerte zu einem vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr zu schaffen. Und selbst Massenmodelle wie der VW Passat oder ein BMW 3er mit Selbstzündertechnik dürften wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. Auch die sollten mittelfristig von Plug-in-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von zumindest 100 Kilometern ersetzt werden. "Der Untergang des Diesels ist faktisch sicher, da sein Anteil in den letzten drei Jahren in Westeuropa von 50 auf 35 Prozent gesunken ist. Es gibt einige turbulente Stürme, die dem Diesel aufgrund der zunehmenden Strenge der Homologation bevorstehen", sagt Citroen-CEO Vincent Cobée, "wenn man sich anschaut, was es braucht, um einen Diesel in einem PKW zu haben, der die Euro7-Norm erfüllt, wird man wahrscheinlich feststellen, dass es die Hersteller mehr Geld für die Reinigungstechnologie kosten würde als für ein Batterie-EV. Das wird kein Spaziergang."

Säbelrasseln gegen Euro 7

Außerdem soll der RDE-Test (Real Driving Emissions) strenger werden. Um die emittierten Abgase wirklichkeitsgetreuer darstellen zu können, soll die Messung mittels PEMS (Portable Emission Measurement System) auf der Straße und nicht im Labor stattfinden. So werden jetzt auch An- und Aufbauten wie Fahrradträger, eine Dachbox oder auch ein Anhänger miteinbezogen werden. Diskutiert wird auch, das das Temperaturfenster bei diesem Test weit aufgestoßen wird und eine Bandbreite von minus 10 bis plus 40 Grad Celsius untersucht wird.

Auch andere Parameter wie die Höhe, die Länge der Teststrecke oder auch die angenommene maximale Laufleistung des Automobils sollen im Zuge der neuen Norm verändert werden. Dazu kommen strengere Testbedienungen und deutlich reduzierte Toleranzen der Ergebnisse. Als diese Pläne nach außen drangen, ging ein Aufschrei durch die Automobilbranche. "Was diese Norm vorsieht, ist praktisch nicht zu schaffen", stimmt VDA-Chefin Hildegard Müller in den Chor der Skeptiker ein. Andere sprechen sogar von einer Kriegserklärung gegenüber den Verbrennungsmotoren mit dem daraus resultierenden Ende dieser Antriebsform. Ob die Euro-7-Norm genau so kommt, steht noch in den Sternen. Allerdings ist der Trend hin zur batteriebetriebenen Elektromobilität kaum mehr aufzuhalten. Immer mehr Marken steigen in den nächsten 10 bis 15 Jahren auf Elektroantriebe um. Zuletzt war die zum indischen Tata-Konzern gehörende Marke Jaguar umgeschwenkt und will ab dem Jahr 2025 zu einer rein elektrischen Marke mutieren. Ob das alle Kunden mitmachen, darf bei den leistungsstarken Modellen zumindest bezweifelt werden. Doch auch Porsche macht keinen Hehl daraus, dass langfristig nur die Sportwagenikone 911 als Verbrenner bestehen bleiben soll.

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