Supply Chain

Die Zulieferkette sei die Achillesferse der gesamten Branche. Das hochkomplexe System mit vielen Spielern insgesamt lebensfähig zu halten, so die Experten von Ernst & Joung, sei nun die größte Herausforderung. Bild: Pixabay/hectorgalarza

| von Roswitha Maier

Die Branchenexperten von Ernst & Young sorgen sich angesichts der Coronavirus-Krise vor allem um die kleineren Unternehmen in der Autoindustrie. Während die großen Konzerne auf ein großes Finanzpolster zurückgreifen und damit eine Produktionspause von einigen Wochen aushalten könnten, sei die Zulieferkette die Achillesferse der gesamten Industrie, schreiben die Berater in ihrer aktuellen Bilanzanalyse für die wichtigsten Autokonzerne. Das hochkomplexe System mit vielen Spielern insgesamt lebensfähig zu halten, sei nun die größte Herausforderung.

"Wenn in einigen Wochen die Produktion hoffentlich wieder anläuft, wird sich erweisen, ob die Lieferketten gehalten haben", sagte EY-Experte Peter Fuß. Im schlimmsten Fall stünden die Werke der Autobauer schon nach wenigen Tagen wieder still, weil wichtige Teile fehlen. Constantin M. Gall, der bei EY den Bereich Automotive & Transportation leitet, sieht in der Coronavirus-Pandemie bereits einen "Katalysator für eine Marktbereinigung". Sowohl bei Zulieferern als auch bei Händlern fürchtet er eine Welle an Insolvenzen. Es werde Übernahmen und aus der Not geborene Fusionen geben.

Insgesamt rechnet Gall in der Autoindustrie mit einem "nie dagewesenen Umsatz- und Gewinneinbruch". Die Autoindustrie werde tief in die roten Zahlen rutschen, sagte er. Selbst wenn Produktion und Verkauf bald wieder anliefen, werde es lange dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht sei. "Denn eine deutlich gestiegene Arbeitslosigkeit, Unternehmensinsolvenzen und Einkommensverluste werden die Nachfrage dämpfen", sagte Gall. Es würden daher wohl staatliche Kaufanreize nötig.

Die Krise beschleunige nun einen Abwärtstrend, der schon vorher begonnen habe. Laut EY-Analyse arbeiteten die weltgrößten Autokonzerne im vergangenen Jahr so wenig profitabel wie seit mehr als zehn Jahren nicht. Den Spitzenplatz in Sachen Profitabilität sicherte sich Toyota vor BMW und Volkswagen. Insgesamt verfügten die 17 größten Autokonzerne zum Jahresende laut Studie zusammen über 226 Milliarden Euro an liquiden Mitteln - knapp sechs Prozent mehr als im Jahr davor.