Opel-Rekordwert bei Eigenzulassungen

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann nutzt das Instrument der Eigenzulassungen wie kein anderer Hersteller in Deutschland. Das ist mit Blick auf die Ertragslage eine riskante Strategie. Bild: Opel

Ohne Zweifel: Karl-Thomas Neumann ist ein beeindruckender emotionaler Turnaround gelungen in den vergangenen drei Jahren. Aus der Verlierermarke aus Rüsselheim ist ein Gewinnertyp geworden. In Rüsselsheim ist gute Laune Programm und die Verkündung guter Nachrichten Pflicht.  Tatsächlich geht es mit Blick auf die Statistiken auch aufwärts: Im bisherigen Jahresverlauf wuchsen – Stand Ende November -  die deutschen Pkw-Neuzulassungen rund 7 Prozent. Der Marktanteil stieg zwischen Januar und November dementsprechend auf 7,3 Prozent. Der neue Astra ist frisch gekürtes Autos des Jahres, der kommende Ampera-e verspricht auch auf der Technologieseite gute Nachrichten und Neumanns Nahziel, 2016 in die schwarzen Zahlen zu kommen, ist erreicht.

Gleichwohl nährt jetzt eine vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen veröffentlichte Studie zu Eigenzulassungen und Rabattniveau am deutschen Automarkt Zweifel an der Nachhaltigkeit des Opel-Aufschwungs. Wie die Autoren der Studie, Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer und Karsten Neuberger, festhalten, wurde in den ersten zehn Monaten 2016 erstmals die Grenze von einer Million Eigenzulassungen bei den Zulassungsbehörden festgestellt. Eigenzulassungen, also Fahrzeuge die über eigene Händler der jeweiligen Marke zugelassen werden, um die Autos dann als junge Gebrauchte in den Markt zu bringen, sind bei den Händlern aller Marken gängig. Problem: die Eigenzulassungen sind wesentlicher Grund für das hohe Rabattniveau. Und da, meinen die Autoren, gehe Opel auf dünnem Eise.

Denn während schon der Gesamtmarkt mit einem Eigenzulassungenteil von durchschnittlich 29,7 Prozent in den ersten zehn Monaten auf Rekordniveau läge, liegt die Quote bei Opel mit 44,1 Prozent sehr deutlich darüber. Auf den Plätzen folgen in der Statistik Nissan (42,2 Prozent) und Renault (37,7 Prozent) sowie Seat (36,2 Prozent). Dagegen liegen Opel-Wettbewerber wie VW (29,2 Prozent), Hyundai (28,7 Prozent) und Skoda (22,6 Prozent) teils deutlich unter dem Schnitt und weit hinter Opel. Konkurrent Ford, mit dem sich die Rüsselsheimer zur Unterstreichung ihres Aufschwungs gerne direkt bei den Absatzzahlen vergleichen, kommt bei den Eigenzulassungen gerade mal auf 22,4 Prozent.  

Die Zahlen zeigen: die GM-Tochter ist sich derzeit selbst der beste Kunde. Das ist durchaus ein probates Mittel, um in einer ersten Phase einer Krisenbewältigung Volumen in den Markt zu bringen, aber Dudenhöffer warnt: „Für Opel wird es die nächsten Jahre wichtig, bessere Gewinne in Europa zu erwirtschaften, sonst wird es mit der Neuaufstellung bei Opel schwer."