Mercedes-Autos demnächst auch aus Polen? Das Land bringt sich als potenzieller Standort für ein

Mercedes-Autos demnächst auch aus Polen? Das Land bringt sich als potenzieller Standort für ein Auto- und Motorenwerk in Stellung. Bild: Mercedes-Benz

Nachdem Polen vor einigen Monaten im Standort-Ringen um ein neues Jaguar Land Rover- Werk den Kürzeren gegen die Slowakei gezogen hat, bemüht sich das Land nun um den Zuschlag zweier Werke, eine Pkw-Fabrik und ein Motorenwerk, das Mercedes-Benz bis 2020 in Osteuropa bauen möchte.

Ursprünglich sollte das Pkw-Werk in Russland hochgezogen werden, angesichts der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage dort, gilt das aber inzwischen als unwahrscheinlich. Mercedes-Benz Produktionschef Markus Schäfer hat beim Automobilsalon in Genf gegenüber AUTOMOBIL PRODUKTION bestätigt, dass man in Osteuropa weitere Kapazität für die MRA-Plattform schaffen werde. Die  polnische Wirtschaftszeitung Puls Biznesu meldet nun, dass man sich seitens der Regierung intensiv als Standort ins Gespräch gebracht habe und beruft sich auf inoffizielle Quellen.

Der Daimler-Plan sieht den Bau eines Auto- sowie einer Motorenfabrik in Osteuropa vor. Es geht um eine Investitionen in Milliarden-Euro-Höhe. Eine  Entscheidung in der Standortfrage soll noch in diesem Jahr fallen, heißt es seitens des Autobauers.

Spekulationen in Polen

Von einer viel schnelleren Entscheidung glauben die Journalisten von Puls Biznesu zu wissen. Wiederum unter Berufung auf inoffizielle Kreise schreiben sie, dass die Standortfrage bereits im laufenden März fallen werde.  Ein möglicher Standort könnte die niederschlesische Sonderwirtschaftszone „Legnicka Specjalna Strefa Ekonomiczna“ (LSSE) in Legnica sein.

Zu ihr gehört das Gebiet der „Dolnośląska Strefa Aktywności Gospodarczej“ (DSAG) in der Stadt Jawor, die im vergangenen Jahr im Gespräch für ein Werk war, das Jaguar in der Region errichten wollte. Der Investor hatte sich dann jedoch für die Slowakei entschieden. Die LSSE hat im vergangenen Jahr insgesamt fünf Investitionen genehmigt, die ein Gesamtvolumen von 212 Millionen Zloty (53 Millionen Euro) aufweisen.

Ein weitere Sonderwirtschaftszone, die in Polen in Frage kommt, liegt ebenfalls in Niederschlesien – und zwar in Kamiena Góra. In der „Kamiennogórska Specjalna Strefa Ekonomiczna Małej Przedsiębiorczości“ (KSSEMP) haben bereits zwei Autozulieferer ihren Standort eröffnet. Dabei handelt es sich um Autocam Poland, das Einspritzpumpen herstellt. Dr. Schneider Automotive hat sich ebenso dafür entschieden und produziert dort Kunststoffprodukte für Fahrzeuge.

Ebenso interessant wäre die Region in Katowice (Kattowitz), wo sich die KSSE befindet. Die Zone rechnet für 2016  mit Investitionen im Gesamtvolumen von einer Milliarde Zloty  – also knapp 230 Millionen Euro. Darunter befindet sich auch NGK Ceramics Polska – ein Hersteller von Autokatalysatoren. Seine Investition liegt bei 317 Millionen Zloty (73 Millionen Euro).

Grundsätzlich ist Polen ein Land, in dem bereits viele Auto- und Fahrzeugkonzerne und ihre Zulieferer investieren. In erster Linie sind das VW in Poznan (Posen) sowie MAN in der Nähe von Krakau

Standort leidet unter Politik 

Derzeit leidet der Standort unter den politischen Auseinandersetzungen um die nationalkonservative PiS-Regierung. Dies hat bereits zu einer Herabstufung der Bonität durch Standard&Poor’s geführt. Zusätzlich will die Regierung durch Sondersteuern für die Banken und die Einzelhändler soziale Projekte finanzieren. Die Autoindustrie ist davon zwar nicht betroffen, doch hat sich die Stimmung massiv eingetrübt. Die PiS hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie insbesondere deutsche Investoren nicht sonderlich gerne sieht und am liebsten durch Polen ersetzen würde.