VDA-Präsident Matthias Wissmann

VDA-Präsident Matthias Wissman: "Die IAA ist 'der' kompetitive Marktplatz für Marken und Neuheiten, sie zeigt als einzige große Messe weltweit die gesamte Wertschöpfungskette." Bild: VDA

Die Redaktion des Informationsdienstes Dossier B zieht im Vorfeld der IAA ein erstes Resümee über das nachlassende Engagement einiger Hersteller auf der IAA sowie über die Zukunft der automobilen Galamessen im allgemeinen. "Bisher haben sich über 50 Pkw-Marken angemeldet“, so Matthias Wissmann, Präsident des veranstaltenden VDA. "Darunter die größten Automobilhersteller aus Europa, den USA und Asien. Zudem haben wir auch Anmeldungen junger asiatischer Hersteller, die neu auf der IAA präsent sein werden. Sie haben für ihren Messeauftritt gezielt die Leitmesse gewählt. Das unterstreicht die internationale Reputation der IAA. Viele hunderte Zulieferer kommen hinzu. Die aktuelle Anmeldebilanz ist sehr erfreulich."

Und dann folgt der politische Teil seiner Aussage: "Die IAA ist ‚der‘ kompetitive Marktplatz für Marken und Neuheiten, sie zeigt als einzige große Messe weltweit die gesamte Wertschöpfungskette." Der Satz verwundert nicht weiter, war Wissmann doch jahrelang CDU-Politiker und kennt sich auf diesem Parkett blendend aus. Dennoch: Fiat, Peugeot, Volvo, DS, Infiniti, Alfa Romeo, Jeep, Nissan und Mitsubishi haben ihren Messeauftritt in Frankfurt gestrichen – Absagen in bisher nicht gekanntem Ausmaß.

Sind allein die Kosten für die teils enorm aufwendigen Messestände der Grund? Auch. Nach Informationen von motortalk.de berechnet der VDA pro Quadratmeter Ausstellungsfläche 166 Euro. Für bessere Stände sogar zwischen 20 und 30 Prozent mehr. Hochgerechnet auf die 12.000 Quadratmeter, die BMW 2015 belegte, wären das mehr als zwei Millionen Euro Miete. Auf der IAA 2009 soll Audi laut dem US-Blog Jalopnik 15 Millionen Euro für das eigene Gebäude ausgegeben haben, in dem 55 Angestellte und 85 Hostessen die Besucher umsorgten. Im Zuge des superteuren Dieselskandals ist das der VW-Tochter nun offenbar zu teuer: 2017 wird Audi mit in die Halle der Konzernmutter Volkswagen ziehen. Ein kleinerer Stand wie der von Citroën (2015: 2.000 Quadratmeter) kostet immer noch rund 400 000 Euro Miete.

Von diesem Geld steht noch keine einzige Spanplatte, ist weder eine Hostess noch ein Häppchen mit Getränk bezahlt. Genaue Zahlen für die tatsächlichen Kosten sind nicht zu bekommen, aber die großen deutschen Hersteller lassen sich den Messeauftritt in Frankfurt üblicherweise zwischen 20 und 80 Millionen Euro kosten. Da ist es kein Wunder, dass so manche Hersteller in Zeiten des Sparens die Kosten- Nutzen-Relation der großen Messen auf den Prüfstand stellen. Denn zur Kontaktpflege in der Branche hält der Terminkalender auch andere Gelegenheiten bereit. Zudem können die Importmarken nicht annähernd mit den aufwendigen Messeständen der großen deutschen Hersteller mithalten. Beispielsweise das Thema Online. So mancher Autohersteller hält Onlinekampagnen inzwischen für effektiver als eine Messepräsenz. Peugeot etwa will künftig mehr Geld in digitale Werbeformen stecken, und zwar auch zu Lasten der Messebudgets. Das ist das eine Gleis, auf dem Peugeot fahren will. Das andere: "Wir konzentrieren uns (auch) auf Veranstaltungen, bei denen der Kunde die Autos ausprobieren kann", hieß es zur Peugeot-Absage aus dem Pariser Marketing. Andere denken ähnlich.