| von Bettina Mayer

AUTOMOBIL PRODUKTION: Wie fordere ich Feedback ein?
Wichtig ist von Anfang an eine sehr genaue eigene Zielsetzung und eigene Stärken-Schwächen-Analyse. Mit dieser Vorbereitung kann dann sehr entschlossen eine Stellungnahme der vorgesetzten Person zu dieser Analyse eingefordert werden - und Hinweise, wie mögliche Lücken gefüllt werden können. Von Anfang an sollten Frauen Zeit in Netzwerke investieren – gerade auch in obere Hierarchienbenen - und geeignete Mentoren wählen um Zugang zu Feedback auf unterschiedlichen Ebenen zu haben.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Mehrere Studien untermauern, dass Unternehmen mit hohem Frauenanteil in Führungspositionen auch höhere Gewinne erwirtschaften. Warum wird dennoch nicht umgedacht?
Es gibt ja auch eine Vielzahl von Studien, die „gemischten Teams“ eine viel höhere Effizienz bescheinigt – die Kombination unterschiedlicher Fähigkeiten führt grundsätzlich zu weitreichenderen Ergebnissen. Zusätzlich zu technischem Sachverstand haben Frauen Fähigkeiten wie Empathie, kreative Konfliktbereitschaft und Kommunikationsstärke, die für manche männliche Kollegen nicht kalkulierbar sind. Männer-Netzwerke und Hierarchien sind in der deutschen Autoindustrie immer noch sehr ausgeprägt. Letztendlich fallen Personalentscheidungen für Führungsetagen eher persönlich als fachlich – schon gar nicht auf Basis konkreter Zahlen. Diejenigen die schon oben sind wollen sich ja wohl fühlen....

Studie

    Dr. Garnet Kasperk ist Direktorin des Center for International Automobile Management (CIAM) an der RWTH Aachen. Für die Studie wurden über 100 persönliche Interviews geführt. Befragt wurden Studentinnen, Mitarbeiterinnen der Personalabteilungen sowie Mitarbeiterinnen unterschiedlicher Hierarchieebenen in der Autoindustrie. Fünf deutsche Autohersteller und fünf Zulieferer mit Standorten in Deutschland wirkten an der Studie mit. Bei den fünf OEMs beträgt die Frauenquote zwischen 8,3 und 15 Prozent (Durchschnitt 11,2 Prozent). Bei den Zulieferern beträgt der Durchschnitt 11,1 Prozent. Die Studie erschien im Januar 2016.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie haben herausgefunden, dass es Frauen eher in einem Zulieferer-Unternehmen bis ganz nach oben schafft, als bei einem Autohersteller. An was liegt das Ihrer Meinung nach?
Deutsche Automobilbauer sind als echte deutsche Vorzeigeunternehmen (mit Ausnahmen) erstens für jeden Ingenieur die „Krönung für Spezialisten des Spaltmaßes“ und zugleich als klassiche deutsche Leitindustrie von besonders etablierten männlichen Netzwerken durchzogen – mit viel Liebe zum Auto. Zulieferunternehmen stehen nicht ganz so im Rampenlicht und bieten deshalb auch keine ganz so große Bühne. Zudem sind Zulieferunternehmen in Deutschland oftmals keine deutsch-stämmigen Unternehmen. In anderen Ländern und Kulturen sind weibliche Führungskräfte sehr viel selbstverständlicher als in Deutschland.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Studentinnen, deren Väter in der Autoindustrie tätig sind oder waren, finden Jobs in der Autoindustrie attraktiver als andere Studentinnen. Ist für diese Frauen auch der Einstieg leichter?
Ja, der Einstieg ist leichter – und hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Man bewegt sich auf gewohntem Terrain und empfindet den Umgangston und die „hemdsärmeligen Sitten“ nicht als persönliche Herausforderung. Das was Kolleginnen ohne diese „Vorprägung“ sich erst im Studium oder Beruf aneignen: „die Dinge nicht persönlich nehmen“ oder „einfach das männliche Verhalten imitieren um dazu zu gehören“, fällt einem gar nicht erst ein. Es vielmehr ein total natürlicher Umgang und man selbst belächelt diejenigen Kollegen, die umständlich liebenswert versuchen einem zu erklären,wie ein Hybridantrieb funktioniert.“Schätzchen, da wird etwas zugeschaltet das vorübergehend hilft – mehr brauchst Du gar nicht zu verstehen“….

Der Eintrag "freemium_overlay_form_apr" existiert leider nicht.