Renault_Nissan-Carlos_Ghosn

Carlos Ghosn gibt den Aufsichtsrats-Vorsitz bei Avtovaz ab. Ein Schritt vor hochpolitischem Hintergrund.

Den bevorstehenden Rücktritt Ghosns, der voraussichtlich bei der Hauptversammlung am 23. Juni  in Togliatti offiziell vollzogen wird, wurde von Avtovaz in einem Statement zur Neuordnung des Vorstands angekündigt. Zwar bleibt Ghosn weiterhin Aufsichtsratschef der Rostec Auto BV, die de facto die Gesamtkontrolle über Avtovaz hat. Dennoch beinhaltet die Personalie Sprengstoff bis hinauf auf die Putin-Ebene, denn: Für Ghosn übernimmt Sergei Skvortsov, der vom staatlichen Industriekonglomerat Rostec kommt. Nach Einschätzung von IHS Automotive stecke hinter der Neubesetzung das klare Ziel seitens des russischen Staates, wieder deutlich mehr Einfluss beim größten russischen Autokonzern zu gewinnen und den Durchgriff von Reanult-Nissan einzudämmen..

Putin Freund senkt den Daumen 

Vorausgegangen war dem Umbau an der Avtovaz-Spitze der Rausschmiss des von Carlos Ghosn eingesetzten Bo Andersson. Dessen radikale Sanierungsschritte waren der russischen Seite zuletzt deutlich zu weit gegangenen. In den etwas über zwei Jahren hatte der Schwede rund 20.000 Jobs bei dem Autokonzern gestrichen und massiven Kosten- und Qualitätsdruck vor allem gegenüber russischen Zulieferern aufgebaut. Damit hatte sich der Ex-GM-Mann nicht nur massiven Ärger bei Gewerkschaftsvertretern eingehandelt, sondern war vor allem beim einflussreichen Rostec-Topmanager Sergei Chemezov in Ungnade gefallen. Chemezov, dem seit der gemeinsamen KGB-Zeit eine enge Freundschaft zu Staatspräsident Vladimir Putin nachgesagt wird, gilt als Drahtzieher hinter dem Rauswurf Anderssons.

Zum Nachfolger des Schweden als Avtovaz-CEO wurde der Renault Top-Manager Nicola Maure berufen. Den Mann, der zuletzt die Billigmarke Dacia führte, erwartet nach Einschätzung von IHS Automotive unter der neuen Konstellation ein extrem schwieriges Amt.

Avtovaz mit der Kernmarke Lada leidet stark unter der schweren Krise am russischen Automarkt. Trotz der von Andersson durchgezogenen Sparmaßnahmen und obwohl unter dessen Ägide eine Reihe wichtiger und deutlich modernerer Lada-Modelle in den Markt gekommen sind, hat der Konzern im vergangenen Jahr einen Verlust von über einer Milliarde US-Dollar aufgetürmt. Die Renault-Nissan Allianz hält 67,1 Prozent an Rostec Auto BV, die wiederum 74,5 Prozent der Avtovaz-Anteile kontrolliert.