Dieter Zetsche, Daimler, Detroit

Glaubt nicht so recht daran, dass Apple unter die Autobauer geht: Daimler-Boss Dieter Zetsche. Bild: Daimler

“Ich würde es für wahrscheinlicher halten, dass es bei Apples mutmaßlichen Autoplänen nicht so kommt, wie es heißt”, sagte Zetsche dem Handelsblatt. Zum einen sei die Zeit der Konglomerate vorbei. “Zweitens entscheiden auch die Investoren, ob sie sich lieber in schnelllebigen Consumerprodukten oder in langfristigen Investitionsprodukten engagieren wollen.” In ähnlicher Weise hatte sich vergangene Woche bereits Ex-GM-Chef Dan Akerson geäußert.

Apple entwickelt laut Medien ein Elektroauto. Für den iPhone-Konzern wäre dies ein radikaler Vorstoß in eine ganz andere Branche.

Sollte es tatsächlich so kommen, würde Zetsche Apple nach eigenen Worten viel Erfolg wünschen und den neuen Wettbewerber begrüßen. Er betonte in der Welt am Sonntag aber: “Wir haben lange Erfahrung im Automobilbau, wir haben das Auto erfunden. Und Erfahrung ist in einem so komplexen Geschäft wie dem Automobilbau mit entscheidend.” Wer neu einsteige, habe die nicht. “Wenn wir morgen ankündigten, dass Daimler künftig Smartphones baut, würde das Apple nicht beunruhigen oder aus der Bahn werfen. Und das gilt auch für uns”, sagte Zetsche.

Daimler habe Respekt vor jedem ernstzunehmenden Wettbewerber. “Und wenn das eine Firma ist, die einen wirtschaftlich starken Hintergrund hat, ist das zweifellos eine potenzielle Stärke eines Wettbewerbers.” Der Daimler-Chef machte aber auch deutlich, dass es weltweit mehr als hundert Automarken gebe. “Einige stehen mit uns in direktem Wettbewerb, andere weniger. Ob es da nun eine mehr oder weniger gibt, ist irrelevant. Wir gehen unseren Weg.”

Gleichwohl sieht der Daimler-Chef einen wachsenden Deckungsbereich zwischen Auto- und IT-Industrie, der neues Potenzial ermögliche. Probleme könnte es aber beim Datenschutz geben – etwa beim autonomen Fahren. Es könne nicht sein, dass es zur Drittverwertung der zum Fahren generierten Daten kommt, hatte er gegenüber der AUTOMOBIL PRODUKTION betont.

Von großen Zulieferern wie Bosch und Valeo werden die Ambitionen von einflussreichen IT-Unternehmen wie Google und Apple positiv gesehen. Bosch-Chef Volkmar Denner hatte dazu kürzlich beim Carsymposium in Boschum gesagt, dass dadurch auch die Autoindustrie technische Innovationen schneller umsetze.

fv/dpa