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Soll bei Daimler den Ruf des Diesel retten: OM 654. Bild: Mercedes-Benz

Seinen Marktstart hatte der völlig neu entwickelte Vierzylinder Dieselmotor mit der bezeichnung OM 654 in der kürzlich eingeführten E-Klasse.  Dass Daimler mit dem neuen Motor einen großen Sprung nach vorne gemacht hat, zeigen erste Tests. So hat ein Test von auto motor und sport in Zusammenarbeit mit den britischen Prüfspezialisten Emissions Analytics erbracht, dass die E-Klasse, ausgerüstet mit einem SCR-System, lediglich 41 mg NOx (Stickoxid) pro Kilometer aus. Damit unterschreitet die E-Klasse auf der Straße den zulässigen Labor-Grenzwert um die Hälfte.

 Was der neue Mercedes-Motor leistet, zeigt ein Vergleich mit dem Vorgängermotor OM 651, den das Magazin im November 2015 in einer C-Klasse getestet hatte. Das Auto stößt 215 mg NOx aus – auch gut, aber deutlich hinter den Werten der neuen E-Klasse. 

Daimler, in der Diskussion um überhöhte Stickoxidwerte in die Diskussion geraten, setzt nun massiv auf die neue Generation an Dieselmotoren. Spätestens bis 2019 soll in Europa die komplette Flotte an Dieselfahrzeugen umgestellt werden.

Wie der Autobauer betont, bringe man mit der komplett neu entwickelten Dieselmotorenfamilie als erster Hersteller Dieselfahrzeuge auf den Markt, die bereits heute die ab September 2017 für die EU geplanten strengeren Emissionsgrenzwerte erfüllen.

Erreicht wird dies durch einen integrierten Technologieansatz, zu dem unter anderem ein neues Stufenmulden-Brennverfahren und eine erweiterte Abgas­rückführung gehören. Zudem erlaubt das neue Motorendesign alle Komponenten für die Abgasnachbehandlung direkt am Motor zu positionieren, statt wie bisher im Unterbodenbereich. Dadurch steigt die Gesamtleistungsfähigkeit des Systems - weitestgehend unabhängig von Umgebungstemperaturen und Fahrstil - deutlich an.

Seinen Marktstart hat der völlig neu entwickelte Vierzylinder-Dieselmotor OM 654 in der neuen E-Klasse. Der E 220 d konsumiert damit trotz eines Leistungszu­wachses gegenüber seinem Vorgänger (143 kW/195 PS zu 125 kW/ 170 PS) ab 3,9 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer (kombiniert nach der derzeit für alle Hersteller verbindlichen NEFZ-Zertifizierung). Das entspricht CO2-Emissionen von 102 g/km.

Der neue 4-Zylinder wird das erste Mitglied einer modular aufgebauten Motoren-familie, die im gesamten Portfolio von Mercedes-Benz Cars und auch bei den Vans zum Einsatz kommen wird. Geplant seien mehrere Leistungsstufen sowie Längs- und Quereinbau in Fahrzeugen mit Front-, Heck- und Allradantrieb. So wird Mercedes-Benz seine gesamte Palette an Diesel-Pkw in Europa bis spätestens 2019 mit dieser neuesten Motorengeneration inklusive SCR-Technologie (Selective Catalytic Reduction) ausrüsten.

„Das Vertrauen unserer Kunden ist uns sehr wichtig und wir nehmen die Verant­wortung gegenüber der Umwelt ernst“, so Thomas Weber, Daimler-Vorstand für Konzernforschung und Leiter Mercedes-Benz Cars Entwicklung. „Deshalb haben wir uns schon vor fünf Jahren dazu entschlossen, massiv in die Weiterentwicklung der Dieseltechnologie zu investieren. Aber auch die Benziner machen wir kontinuierlich effizienter und noch umweltverträglicher. Denn bis zum durchschlagenden Markterfolg von Elektroautos werden High-Tech Verbrennungs­motoren das Rückgrat der individuellen Mobilität bleiben. Aus diesem Grund investieren wir in Summe rund 3 Milliarden Euro und sorgen so - sowohl bei künftigen als auch bei unseren aktuellen Fahrzeugen - für ein weiter verbessertes Verbrauchs- und Emissionsverhalten.“

Verbesserung bei aktuellen Dieselmotoren

Neu gewonnene Erkenntnisse aus der Entwicklung der neuen Diesel-Motoren­familie nutzen die Ingenieure von Mercedes-Benz auch, um das Emissionsverhalten aktueller Fahrzeugmodelle kontinuierlich zu verbessern. Dazu gehören laut Hersteller unter anderem Optimierungen bei der Aufladung, Weiter-entwicklungen der Kraftstoff­einspritzung und Ladeluftkühlung sowie der Einsatz neuer Werkstoffe wie beispielsweise inchromierte Steuerketten. Diese Maßnahmen sorgen in Summe für eine gesteigerte Robustheit der Bauteile und Komponenten, die durch die Ver­brennung und Abgasrückführung besonders beansprucht werden. So lässt sich der Betriebsbereich der Abgasrückführung in Richtung deutlich niedrigerer Tempe­raturen ausweiten. Ein weiterer Stellhebel ist die Leistungssteigerung der SCR-Systeme. Durch teilweise konstruktive Anpassungen der Abgasanlage und neue Katalysatormaterialien konnte der Wirkungsgrad im SCR-System weiter optimiert werden. Dieses gesamte Bündel an Maßnahmen fließt ab sofort sukzessive in die Serienproduktion ein.

Bei der Einstiegsmotorisierung der Kompaktfahrzeuge (A- und B-Klasse sowie CLA und GLA) sowie bei der V-Klasse bietet Mercedes-Benz für bereits ausgelieferte Fahrzeuge die laufenden Verbesserungen als Softwareupdate im Rahmen einer frei­willigen Servicemaßnahme an. Beginnend mit der V-Klasse im Juni wird dies im Laufe der nächsten Monate umgesetzt.

Otto-Motoren künftig mit Partikelfilter

Zur weiteren Verbesserung der Umweltverträglichkeit plant Mercedes-Benz als erster Hersteller den großflächigen Einsatz von Partikelfiltern auch für Benziner. Nach über zwei Jahren positiver Felderfahrung im S 500 sollen schon im kommenden Jahr weitere Varianten der S-Klasse mit Otto-Motor im Zuge der Modellpflege mit dieser neuen Technologie ausgerüstet werden. Danach folge die schrittweise Umsetzung in weiteren neuen Fahrzeugmodellen, Modellpflegen und neuen Motorgenerationen. Im Anschluss daran ist der Einsatz des Partikelfilters auch bei den aktuellen Baureihen geplant.