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NSK-Lager im Getriebe: Neben Wälzlagern für Antriebe bietet NSK auch reibungsreduzierte Kugellager für Ölkreislauf-Dichtungen an. Bild: NSK

Jüngst gaben NSK und Toshiba bekannt, gemeinsam ein Kfz-Lenksystem entwickeln zu wollen. Das Joint Venture Adtech Corporation soll Antworten auf die wachsenden Herausforderungen auf dem Gebiet der Lenksystementwicklung liefern, wie Norio Otsuka, President und CEO von NSK Ltd., sagt.

Denn durch den Übergang zu Elektro- und Hybridfahrzeugen wachse der Bedarf an elektrischen Servolenksystemen rasant. Auch die Anforderungen an derartige Systeme im Hinblick auf Sicherheit, Zuverlässigkeit, kompakte Bauweise und geringeren Stromverbrauch werden zunehmend höher.

Spezialist ist die 1916 im japanischen Tokio gegründete Nippon Seiko K.K. maßgeblich im Bereich der Lager für industrielle und Automotive-Anwendungen sowie für besagte Lenkungen. Das Europa-Hauptquartier liegt in Ratingen.  
Das Europa-Geschäft von NSK mit den über 3 000 Mitarbeitern steuert fast 790 Millionen Euro zum Gesamtumsatz des fast 4,5 Milliarden Euro schweren Unternehmens bei – gut 17 Prozent. Der Anteil des gesamten Automotive-Sektors weltweit lag 2009/2010 (31. März) bei rund 63 Prozent oder rund 2,8 Milliarden Euro – je zur Hälfte durch Lager und Lenk-/Getriebekomponenten.

Ergebnis verdreifacht

Europa-Chef Norbert Schneider erwartet für das kommende Geschäftsjahresende im März 2011 Positives: „Im Geschäftsjahr 2009/2010 war schon eine Erholung festzustellen. Der weltweite Umsatz von NSK Automotive stieg und das Ergebnis konnten wir fast verdreifachen – von 47 auf 140 Millionen Euro. Dieser Trend hält im laufenden Geschäftsjahr an und verstärkt sich sogar noch“. Er sieht dafür zwei Gründe: "Wir profitieren natürlich von der Konsolidierung des gesamten Marktes. Und wir entwickeln und fertigen Systeme und Komponenten, die überproportional stark nachgefragt werden". Der CEO von NSK Europe ist der einzige Nicht-Japaner, der als Senior Vice President im Management des Kugellagerherstellers sitzt. Er sieht sein Team und sich als Problemlöser für die Kunden und nennt als Firmenziel, die Nummer eins bei ‚Total Quality‘ zu sein. OEM-Kunde PSA hat dies bereits mit einem Award honoriert.

Besonders stolz ist Schneider auf die hauseigenen elektromechanischen Lenkungen: "Hier liefern wir sowohl das kleinste am Markt verfügbare System, das im Toyota iQ zum Einsatz kommt, als auch das größte EPS-System für Pkw." Er rechnet mit weiter starkem Wachstum vor allem bei kleinen EPS, kurz für Electric Power Steering. Nach einer Frost & Sullivan-Marktstudie hatten 2007 rund 40 und 2008 rund 45 Prozent aller Neuwagen in Europa EPS. 2012 sollen es bereits 65 Prozent sein und 2015 rund 75 Prozent. "Wir sind also in einem echten Wachstumsmarkt tätig. Im Geschäftsjahr 2008/09 erzielten wir weltweit mit EPS einen Umsatz von 464 Millionen Euro. 2009/10 waren es schon 627 Millionen. Für 2013 erwarten wir sogar 1,07 Milliarden Euro", so Schneiders Fazit.

Servolenkung für Polo und Co.

2010 wurde NSK von VW mit einem Volkswagen Group Award ausgezeichnet. Damit honorierte der OEM die Entwicklung einer neuen elektrischen Servolenkung für den "Polo Global", den VW seit April 2010 in China fertigt. NSK beliefert VW seit langem mit Komponenten wie Radlager. Das Geschäftsfeld Steering Systems, das seit den 1980er-Jahren Lenksäulen und -systeme entwickelt, kam jedoch erst 2008 mit VW ins Geschäft und erhielt den Auftrag für die Entwicklung des elektrisch unterstützten Lenksystems für den neuen VW Polo Global. "Hier liefern wir seit Monaten ohne eine einzige Reklamation – weltweit. Und wir bauen zurzeit unser European Technology Centre in Ratingen deutlich aus, um kürze Wege zu schaffen und größere Entwicklungs- und Testumfänge hier in Europa erledigen zu können", erklärt Schneider. Für die EPS-Systeme mit Lenkgetriebe wurde eigens eine achte Fertigungsstätte in China errichtet. Die einbaufertigen Module sollen künftig auch in anderen VW-Modellen eingesetzt werden.