Dr. Karsten Kroos von Thyssenkrupp bei einem Gespräch.
"Unsere Kunden fordern uns stark. Wir arbeiten permanent an unseren Kostenpositionen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", Dr. Karsten Kroos. Bild: Thyssenkrupp

AUTOMOBIL PRODUKTION: Volkswagen hat bereits 80 Prozent seiner Zulieferer für den neuen MEB fixiert. Gehören Sie dazu?
Wie Sie wissen, dürfen wir über unsere Rolle bei Produkten, die noch nicht auf dem Markt sind, nicht sprechen. Aber das Signal kann ich Ihnen geben, dass wir relativ zuversichtlich sind, bei unseren großen Kunden auch an den neuen Plattformen beteiligt zu sein. In welcher Form auch immer. Es gibt ja viele Produkte in den neuen Plattformen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie haben kürzlich angekündigt, Thyssenkrupp möchte zum Systemlieferanten werden. Was genau ändert sich dadurch bei Ihnen?
Für mich trägt ein Systemlieferant eine größere Verantwortung für die Funktionalität im Fahrzeug. Das heißt, wir wollen noch besser und noch stärker verstehen, was zu den verschiedenen Fahrwerksfunktionen wie Lenkung und Dämpfer dazugehört. Man muss ein komplettes Wirkkettenverständnis entwickeln, um qualitativ hochwertige Lösungen entwickeln zu können. Wir wollen so weit Kompetenz aufbauen, dass wir das Fahrverhalten von Fahrzeugen mit unseren Kunden auf Augenhöhe besprechen und weiterentwickeln können. Oder mit unseren Kunden über Lösungen für zukünftige Fahrzeugkonzepte reden. So interessiert uns auch die Integration von Fahrwerks- und Antriebssystemen, mit der wesentliche Funktionen des Autos ganz neu gedacht werden können. Dazu muss man Know-how aufbauen und gemeinsam mit den Kunden lernen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie wollen sicherlich dadurch auch Ihre Marge verbessern, oder?
Das ist heute ein großes Thema und wird es in der Zukunft auch permanent bleiben. Wir arbeiten unabhängig von den Entwicklungen der Zukunft stets an der Verbesserung unserer Kostenbasis. Dazu gehört, dass wir neue Standorte in der Nähe unserer Kunden ansiedeln. In der Regel in so genannten Best-Cost-Countries, mit einer sich immer weiter verbessernden und hocheffizienten Fabrikstruktur. Und ganz wichtig: Bereits im Produktentstehungsprozess spielen die Themen Design to Cost und Design to Manufacturing eine große Rolle. Denn 75 Prozent der Produktkosten werden bereits im Entwicklungsprozess festgelegt. Es ist also schon die Aufgabe unserer Konstrukteure, sehr früh in der Entwicklung für eine kostengünstige Lösung zu sorgen.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Sie sind in 9 von 10 Premiumfahrzeugen vertreten. Welche Brands fehlen noch?
Hersteller fehlen uns nicht, aber wir sind nicht in allen Fahrzeugmodellen vertreten. Deswegen arbeiten wir mit der Beschreibung 9 von 10.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Und 20 Prozent Ihrer Komponenten gehen noch in den Verbrennungsmotor. Wie sehen hier Ihre Prognosen aus?
Die Prognosen sehen sehr gut aus. Meine Aussagen beruhen auf den derzeitigen Forecasts unserer Kunden; diese sehen im Jahre 2025 15 bis 25 Prozent an rein Batterie-elektrischen Fahrzeugen weltweit. Wir gehen somit von einer ziemlich stabilen Nachfrage-Entwicklung bei den heutigen Verbrennungsmotor-Komponenten aus, die wir liefern. Warum sage ich das so selbstbewusst? Weil unsere Komponenten insbesondere zur Verbrauchs- und Emissionsreduzierung beitragen und deswegen auch kompensatorisch andere Produkte von Wettbewerbern in diesem Segment bis auf weiteres ersetzen. Nach 2025 müssen wir mal schauen, da haben wir aber auch schon Ideen und Produkte in der Pipeline, die dazu führen werden, dass wir die bestehenden Werksstrukturen weiter nutzen und auslasten können.

AUTOMOBIL PRODUKTION: Thyssenkrupp ist auch ein Spezialist für Batteriezellen-Montage. VW-Chef Matthias Müller kündigte gerade an, dass der VW-Konzern 50 Milliarden in das Thema Batterie investieren muss in den nächsten Jahren. Ist das für Thyssenkrupp eine Chance?
Ganz richtig. Wir stellen uns auch in diesem Thema neu auf und beschäftigen uns sehr intensiv mit der Weiterverarbeitung von Zellen, nicht als Batterie- oder Zellenlieferant, sondern als Anlagenhersteller für Batteriefabriken. Wir sind im Engineering aktiv und entwickeln für und mit unseren Kunden ganze Werke zur Zellkonditionierung und Lösungen für die Herstellung von Batteriepacks oder -modulen. Zum Teil auch bis hin zur Integration in die Fahrzeugstruktur. Ein reiner Batterielieferant zu werden, ist nicht unsere Absicht. Das heißt aber, es wird einen steigenden Bedarf an Batteriekapazität geben und deswegen ist das für uns im Anlagenbau ein Wachstumsfeld.