Der Vierzylinder im BMW 7er hat ausgedient; zumindest in Europa und den USA. Die Chinesen können noch einen 730 Li mit dem müden Zylinderquartett bestellen, doch der neue Hybride setzt ebenso wie schon der X5 nunmehr auf einen deutlich stimmigeren Sechszylinder. Vorbei sind der schlimme Sound, der müde Vortrieb ohne Elektrounterstützung und der Makel, eine mehr als zwei Tonnen schwere Luxuslimousine im hybriden 740e mit einem wenig imageträchtigen Vierzylinder im Vorderwagen zu bewegen. Natürlich möchte weder von den BMW-Technikern noch vom Management jemand offiziell ein schlechtes Wort über den Vorgänger in Form des 740 e / 740 Le verlieren, doch kaum jemand macht einen Hehl daraus, dass man nun ein deutlich stimmigeres Paket im Angebot hat.

Deutlich besser nicht nur, weil der Verbrenner nunmehr ein drei Liter großer Reihensechszylinder ist, der sich bei Lastanforderungen und höheren Tempi richtig klasse tönt. Nein, nennenswert verbessert zeigt sich das zum 745 Le aufgestiegene Modell des Plug-in-Hybriden nicht nur durch den Zuwachs an Brennkammern. Es gibt unter dem Strich deutlich mehr Leistung, eine größere Reichweite und ein besseres Batteriemanagement. Unter dem Strich leistet der aufgeladene Sechszylinder nunmehr 210 kW / 286 PS und 450 Nm, der sich im Alltag nur allzu gerne von dem Elektromotor mit weiteren 83 kW / 113 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 265 Nm unterstützen lässt. Der Fahrer des neuen 7er Hybriden kann somit auf eine Gesamtleistung von 290 kW / 394 PS und 600 Nm zurückgreifen und hängt nunmehr nicht hoffnungslos hinter so beliebten Volumenmodellen wie dem 400 PS starken 750d oder dem nunmehr auf 530 PS erstarkten 750i zurück; beide obligatorisch Allradler, während der 745 Le mit und ohne 4x4-Vortrieb zu bekommen ist. Aus dem Stand beschleunigt der BMW 745e xDrive in 5,1 Sekunden auf Tempo 100 und wird bei 250 km/h abgeregelt.

Es macht einfach Spaß den 745er zu fahren, der sich nicht nur bei langsamen und mittleren Tempi im Elektromodus aalt. Lautlos rollt das bayrische Vorzeigemodell durch die Villengegen im Süden Portugals - immerhin mit Tempo 75. Als es auf die Schnellstraße geht, ein kurzer Nachdruck aufs Gas und der mehr als 2,2 Tonnen schwere Koloss springt willig nach vorn, nur um Sekunden später im flotten Galopp wieder seiner Verbrenner schlafen zu schicken. Auf der Mittelkonsole lassen sich per Taster die einzelnen Fahrmodi ansteuern, doch im Alltag ist die Hybridstufe konkurrenzlos. Wer will, kann es auch sportlicher oder komplett elektrisch haben, doch wer längere Zeit im Hybridmodus fährt, wird daran nichts aussetzen können und für einen kurzen Spurt reicht notfalls der Wählhebelwechsel in den Sportmodus um den Sechszylinder sonor und willig losspurten zu lassen. Das Hin- und Herschalten zwischen Elektro- und Verbrennermodus? Gelungen dezent im Hintergrund und eben genauso, wie es sein soll. Wer will, kann durch die neue 12-kWh-Hochvoltbatterie nicht nur bis zu 58 Kilometer weit, sondern auch 140 km/h schnell fahren - rein elektrisch. Auf dem zentralen Bildschirm oder im konfigurierbaren Kombiinstrument lassen sich jederzeit Energieverbrauch, Rest- und Gesamtreichweite sowie der Durchschnittsverbrauch ablesen. BMW verspricht einen kombinierten Kraftstoffdurst von 2,1 bis 2,6 Litern oder 15,0 bis 16,3 kWh.

Größere Veränderungen außen

So gut sich der BMW 745 Le im Alltag nunmehr auch fährt, so bleibt der Makel des kleinen Tanks, denn die Batterie reduziert das Tankvolumen unverändert auf gerade einmal 46 Liter. Das dürfte bei vielen Kunden mehr ins Gewicht fallen als der verkleinerte Laderaum, der sich mit seinem Volumen von 420 Litern durch Umlegen der geteilten Rückbank erweitern lässt. Der Reisekomfort im 7er BMW ist unabhängig und der Motorisierung schlicht grandios. Nur an den Instrumenten lässt es sich überhaupt erkennen, ob der Verbrennungsmotor läuft oder nur die E-Maschine arbeitet. Zusätzliche Geräuschdämmungen bringen den 5,26 Meter langen Bayern nunmehr auf das Niveau der Mercedes S-Klasse. Wenn es im exzellenten Innenraum etwas zu monieren gibt, ist es die zu hohe Sitzposition auf der bequemen Rückbank, die dem Paket aus Batterie und Tank geschuldet ist.

Ansonsten bekommt der hybride 7er BMW die gleichen optischen und technischen Überarbeitungen wie alle anderen 7er Modelle. Im Fond gibt es nunmehr die überfälligen 10-Zoll-Touch-Screens, während der Fahrer auf die gleichen Instrumente blickt, die es auch in den neuen Modellen von 3er, 8er, X5 und X7 gibt. Etwas mehr exklusive Abgrenzung wäre bei einem Auto der 100.000-Euro-Klasse wünschenswert und gerade das mittige Informationsdisplay dürfte nach neuesten Maßstäben gerne etwas größer sein, um den Wagen noch drei weitere Jahre frisch zu halten.

Bis sich Anfang 2020 die neue Mercedes S-Klasse ankündigt, hat der aufgefrischte 7er BMW mit seinem mächtigen Kühlergrill, einer fünf Zentimeter höheren Front und den schmalen Scheinwerferaugen jedoch einen mächtigen Auftritt und darf sich als die derzeit wohl beste Luxuslimousine der Welt feiern lassen. Diesen inoffiziellen Titel gibt es bei der Idealbesetzung des BMW 745 Le xDrive ab 109.800 Euro. Dafür sind auch die überflüssigen eDrive-Signet bis auf einen Schriftzug unter der Haube auf dem Triebwerk verschwunden. Nicht abbestellen kann man dafür zumindest offiziell nicht mehr der Schriftzug am Heckdeckel. Den muss man selbst abfönen oder der Händler legt inoffiziell selbst Hand an. Ist eine Selbstverpflichtung, damit die Feuerwehr im Brandfall weiß, dass es sich um einen Hybriden handelt. Wenn es keine anderen Probleme beim neuen 7er gibt, kann man damit sehr gut leben.