| von Wolfgang Gomoll

Automobil-Entwickler sind auch nur Menschen. Deswegen freuen sich die Ingenieure über jedes Teil, das ihnen die Arbeit erleichtert. "Der neue i20 ist schon von Haus aus steifer als der Vorgänger", sagt Klaus Köster, N-Entwicklungschef bei Hyundai Europa und fügt dann mit einem verschmitzten Grinsen hinzu: "Wir haben noch ein paar zusätzliche Schweißpunkte und Versteifungen gesetzt, und schon hat das gepasst." Der augenzwinkernde Gesichtsausdruck verrät, dass es bei der Konstruktion der Karosserie des neuen Hyundai nicht ganz so trivial zuging.

Das Resultat überzeugt. Gerade in Kurven hilft das verwindungsresistentere Blechkleid des i20 N. Der VW-Polo-GTI-Gegner lässt sich mit einer beeindruckenden Präzision um die Ecken dirigieren. Allerdings bleibt sich die Renndivision der Koreaner auch bei dem kleinen Bruder des N 30i treu und hat das Stahlfahrwerk straff abgestimmt. "Wir testen pro Jahr 18 Wochen auf der Nordschleife. Das ist wie ein Vergrößerungsglas, da werden Schwächen sofort sichtbar", erzählt Testleiter Alexander Eichler.

Beim Eifel-Lupen-Test hilft eine neu entwickelte Vorderachse, bei der die Achskinematik verändert und durch Maßnahmen wie neue Achsschenkel die Steifigkeit erhöht ist. Die Antriebsachse ist mit 215/40/18-Reifen und einem mechanischen Sperrdifferential bestückt, um ein Maximum an Traktion zu generieren. Die klassische Dynamikgleichung geht auf. Das wird auch bei kleineren Vergrößerungsfaktoren - sprich Landstraße - deutlich. In diesem Habitat spielt der Hyundai i20 N seine Agilitätsstärken aus, allerdings wird das Kurvenwieseln des Koreaners mit der erwähnten straffen Abstimmung bezahlt, die aber auch bei schlechteren Straßen den Rücken der Insassen nicht über Gebühr malträtiert. Trotz des vergleichsweise kurzen Radstands bleibt der i20 N auch in schnellen Kurven stabil.

Knackige Sechsgangschaltung

Dazu passt auch der Motor, der die Vorderreifen mit 150 kW / 204 PS und einem maximalen Drehmoment 275 Newtonmetern wirbeln lässt. Es ist kein Wunder, dass diese PS-Zahl fast identisch mit der des VW Polo GTI ist. Allerdings soll der Koreaner kein Klon des kleinen Wolfsburgers sein, sondern eine auf Dynamik getrimmte Alternative. Das Kraftwerk des kleinen Koreaners ist ein 1,6-Liter-GDI-Motor der Gamma-2-Generation, bei dem der Einspritzdruck auf 350 bar erhöht wurde. Zusammen mit der variablen Ventilsteuerung erhöht sich so die Effizienz des Direkteinspritzer-Aggregates und die feinere Zerstäubung des Gemischs führen zu einem besseren Ansprechverhalten. Das Konglomerat an technischen Kniffen erfüllt seinen Zweck. Das Herausbeschleunigen geht geschmeidig vom Fuß, auch wenn auch dieses Triebwerk sich unterhalb von 2.000 Umdrehungen eine kleine Atempause gönnt.

Doch diesen technischen Malus kann man mit der knackigen Sechsgangschaltung gut kaschieren. Damit die vier Zylinder unter dem Motorraum auch bei höheren Drehzahlen noch entspannt orgeln, haben die Entwickler den Antriebsstrang mit einer größeren Kupplung und das Getriebe mit stärkeren Zahnrädern versehen. Damit klappt das bekannte N Grin Shift, wo der Motor weiter ausdreht und auch die Launch-Control. Zum Technikkasten des Hyundai i20 N gehört auch des "Rev-Matching", das beim Herunterschalten für die passenden Drehzahlen sorgt.

Großer Dachspoiler

Ansonsten kennt man die Fahrprogramme aus den anderen Hyundai-N-Modellen. Die Modi "Eco", "Normal", "Sport" "N" (bei anderen Sport Plus) wirken sich auf die Motoren- der Lenkung und der Antriebscharakteristik aus. Je dynamischer der Modus, umso größer sind die Rückstellkräfte. Wir haben uns in der Individual-Einstellung für die Komfort-Variante des Volants entschieden, da die Steuerung auch in der leichtgängigeren Version sehr präzise agiert und dem Fahrer mitteilt, was an den beiden Gummis an der Vorderachse abläuft. Passend dazu ist das ESP in drei Stufen einstellbar und hält sich auf Wunsch auch ganz zurück.

Damit diese Kraft und diese technischen Feinheiten auch optimal genutzt werden, haben die Ingenieure einige aerodynamische Hilfsmittel installiert. Auffällig sind der große Dachspoiler und der neu gestaltete Diffusor, die das Heck nach unten drücken, um so ein möglichst neutrales Fahrverhalten zu generieren. Neue Front- und Rückleuchten und ein neuer Kühlergrill mit größeren Lufteinlässen zeigen auch optisch die sportliche Attitüde des Hyundai i20 N

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