| von Wolfgang Gomoll

Eigentlich sollte jedem AMG-Ingenieur beim Anblick des GLE Coupés das Herz aufgehen. Denn ein um sechs Zentimeter verkürzter Radstand hilft beim Lösen der fahrdynamischen Gleichung, deren Konstante das Leergewicht von 2.325 Kilogramm des Affalterbacher Geschosses ist und wenn die beiden Achsen näher zusammenrücken, dann tut man sich leichter, diese Masse um die Ecke zu wuchten.

Doch die Mercedes-Haustuner geben sich mit diesem Vorteil nicht zufrieden, sondern setzen beim Mercedes-AMG GLE 53 4Matic+ Coupé die Elektrifizierung mit dem Fokus auf Sportlichkeit ein. Zentrale Säule dieses Dynamik-Stromschlags ist der sogenannte "EQ Boost Startergenerator", der zwischen Motor und Getriebe eingebaut ist und Elektromotor, Anlasser sowie Lichtmaschine vereint. Bei Bedarf stellt dieser Elektromotor kurzzeitig 16 kW / 22 PS Leistung sowie 250 N Drehmoment bereit und greift dem Verbrennungsmotor so unter die Arme. Aber das ist nicht alles: Der Startergenerator wird auch zur Energiewiedergewinnung eingesetzt und versorgt das 48-Volt-Bordnetz mit Strom.

Zwei elektrische Verdichter und eine Wankstabilisierung mit elektromechanischen Aktuatoren vervollständigen die Strom-Melange. Dazu kommt ein Allradantrieb, eine flink agierende Neungangautomatik und ein Reihensechszylinder.Biturbo mit 320 kW / 435 PS und einem maximalen Drehmoment von 520 Newtonmetern. Diese Kombination aus den zwei Antriebswelten kann sich absolut fahren lassen. Das AMG GLE 53 Coupé katapultiert sich schon bei niedrigen Drehzahlen mit Verve aus den Startblöcken und erreicht bereits nach 5,3 Sekunden Landstraßen-Tempo. Nur der elektronische Anker, der bereits bei 250 km/h geworfen wird, verhindert eine höhere Höchstgeschwindigkeit. Als Durchschnittsverbrauch gibt Mercedes AMG 9,3 Liter pro 100 Kilometer an.

Dynamische Spielkonsole

Doch das ist nur eine Seite der AMG-Medaille. Durch das Verbauen des Luftfahrwerks mit kontinuierlicher Verstelldämpfung lässt sich der schwäbische Kraftmeier auch komfortabel bewegen. Wenn es mal schnell um die Ecken geht, hilft die bereits erwähnte Wankstabilisierung. Der Allradantrieb generiert auch in engen Kurven genug Traktion, um diese erstaunlich schnell zu durcheilen, vor allem angesichts der Fahrzeuglänge von 5,03 Metern. Beim Herausbeschleunigen packen die elektrischen Verdichter und der Elektromotor gemeinsam kräftig an, so dass auch in 2.000 Metern Höhe kaum eine Antrittsschwäche festzustellen ist. Das unten abgeflachte AMG-Lenkrad liegt gut in der Hand und dirigiert das SUV präzise in die vom Piloten gewünschte Richtung. Wer die Gänge richtig ausdrehen will, wechselt die Fahrstufen mithilfe der Wippen hinter dem Lenkrad und fühlt sich so ein bisschen wie der Mercedes-Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton.

Generell mutet das Mercedes-AMG GLE 53 4Matic+ Coupé wie eine rollende Spielkonsole an. Der Fahrer kann zwischen sieben Fahrprogrammen wählen, bestimmt darüber hinaus noch die Regelstrategien der Stabilitätskontrolle (ESP) sowie die Allradantriebs und stellt so sein Geschoss nach Gusto scharf. In den Fahrprogrammen "Sport" und"Sport +" duckt sich die Karosserie um zehn Millimeter näher an den Asphalt, geht es im Modus "Comfort" voran, geschieht das ab 120 km/h.

Auf den Bildschirmen des MBUX-Infotainmentsystems kann man alle diese Einstellungen nachvollziehen. Außerdem hilft die Kommandozentrale bei der Navigation, in dem die Fahranweisungen direkt auf das Kamerabild projiziert werden. Ab April nächsten Jahres steht das Mercedes-AMG GLE 53 4Matic+ Coupé beim Händler und ist ab 92.962,80 Euro zu haben.