Die Mercedes E-Klasse hatte in der vergangenen Generation den Anschluss verloren. Audi A6 und insbesondere der 5er BMW waren deutlich erfolgreicher als die Stuttgarter. Nachdem die E-Klasse-Limousine verlorenen Boden wiedergutmachen und sich als beste Business-Limousine der Oberklasse positionieren konnte, will ab Herbst die Kombiversion nachziehen. Bis neue Versionen von 5er BMW Touring und Audi A6 Avant folgen, dürfte die größte Konkurrenz in erster Linie im eigenen Haus stehen. Denn weltweit haben die Kunden scheinbar immer weniger Lust auf variable Kombis. Wer Platz für Familie und Freizeit will, steigt immer öfter in einen SUV und hier dürfte dem neuen E-Klasse T-Modell in erster der kleinere Mercedes GLC zusetzen, der sich allzu großer Beliebtheit erfreut. Allrad gibt es hier immer, Platz hat er genug auch und es hakt allenfalls bei den kräftigen Sechszylindern. Wer die will, muss in den 43er AMG steigen.

Die T-Modell der Mercedes E-Klasse liefert die starke Vorstellung ab, die auch die Limousine zeigt. Fahrerassistenz, Reisekomfort, Ausstattungsspektrum - hier hat man das Gefühl, in der Luxusklasse zu sitzen. Dazu gibt es bis zu 1.820 Liter Stauraum, wenn die Rückbank (40:20:40) umgelegt wird. Eine steilere Cargo-Stellung nimmt den Rücksitzkomfort - bringt zusätzlich zu den normalen 670 jedoch nochmals 30 Liter mehr, die an sich keiner braucht. Serienmäßig sind ein Doppelrollo und die elektrische Bedienung der Heckklappe. Die Zuladung: üppige 745 Kilogramm.

Das Antriebsspektrum ist breit. Die neue Motorengeneration hält im kommenden Frühjahr jedoch erst einmal in der überarbeiteten S-Klasse Einzug. So müssen es die Triebwerke machen, die man bereits bestens aus anderen Modellreihen kennt. Die Idealbesetzung für den europäischen Markt ist und bleibt der E 350d, der mit seinem leise säuselnden V6-Diesel ebenso drehmomentstark wie sparsam seinen Dienst verrichtet und auch Reisegeschwindigkeiten jenseits der 200 km/h angenehm werden lässt. Doch es muss nicht immer ein Diesel sein. Der E 250 Benziner mit seinen 155 kW / 211 PS dürfte abgesehen von seinem unverändert knurrigen Klang unter Leistungsanforderungen für viele Kombifans die rechte Wahl sein. Seine Fahrleistungen sind mit 243 km/h Höchstgeschwindigkeit und 0 auf Tempo 100 in 7,2 Sekunden mehr als ausreichend und wer nicht mit Volldampf unterwegs ist, bleibt unter neun Litern Realverbrauch. Der Normdurst liegt bei 6,6 Litern. Der zu kleine 50-Liter-Tank lässt sich für 60 Euro Aufpreis auf eine tauglichere Größe von 66 Litern aufstocken. Das Vierzylindertriebwerk hat insbesondere durch die Neungang-Automatik deutlich gewonnen. Die zusätzlichen zwei Schaltstufen übertünchen die ein oder andere Leistungslücke in mittleren bis höheren Drehzahlbereichen.

Schwaches Serienpaket

Die Lenkung ist direkt genug ohne Nervosität in lange Reiseetappen zu bringen. Wie die Limousine setzt der Mercedes E 250 T mit seiner Luftfederung an der Hinterachse in erster Linie auf großen Komfort. Über einen Schalter neben dem Automatikwählhebel lassen sich verschiedene Fahrmodi ansteuern. Die beste Wahl bleibt der Komfortmodus. Im Effizienzprogramm wird es allzu müde und die Sportprogramme wollen nicht ernsthaft zu einem 211 PS starken Vierzylinder passen. Das Leergewicht ist mit 1,7 Tonnen keineswegs zu hoch und die Karosserie überzeugt auch bei flotter Fahrt mit niedrigen Nick- oder Wankbewegungen. Die Tendenz zum leichten Untersteuern ist ihm nur bei ambitionierter Gangart anzumerken.

Der Basispreis für das E-Klasse T-Modell liegt für den 184 PS starken Mercedes E 200 T bei blasser Serienausstattung ohne LED-Scheinwerfer (ab 1.029 Euro) oder Navigationssystem (ab 595 Euro) bei 48.665 Euro. Das erwartete Volumen E 220d T mit seinem 194 PS starken Diesel kostet mindestens 50.485 und liegt damit auf dem Niveau des E 250 T mit 50.753 Euro. Die Liste der Sonderausstattungen lässt keine Wünsche offen. Optional gibt es unter anderem eine vom Fahrer aus elektrisch ausfahrbare Anhängekupplung (Zuglast 2.100 kg) und die variable Luftfederung für beide Achsen (1.785 Euro). Neu entwickelt wurde eine besondere Aufnahme für Fahrradträger. Die Anhängekupplung besitzt am Kugelhals zwei zusätzliche Bolzen, auf denen sich ein passender Fahrradträger sicher abstützt. Damit konnte die Traglast auf 100 kg und vier Fahrräder erhöht werden. Die zahlreichen Fahrerassistenzsysteme kosten mindestens 2.261 Euro und bieten vom Abstandstempomaten über teilautonomes Fahren bis hin zu Spurthalte- und Überholassistent derzeit alles, was technisch möglich ist.