Weltweit ist die Mercedes S-Klasse schon wegen ihrer vier Karosserieversionen sowie der Derivate von Coupé und S-Klasse nach wie vor vorn. Doch in vielen Ländern wie Deutschland hat der innovative Siebener BMW längst überholt und liegt beispielsweise auch in Europa vorne. Zudem steht im Spätsommer der kommende Audi A8 in den Startlöchern, der die S-Klasse ebenfalls angreifen dürfte. Ist die optisch schmale Modellpflege bei der S-Klasse da die richtige Antwort? Von Mercedes hört man, dass das Design der S-Klasse so gut angekommen sei, dass man dies nur marginal hätte auffrischen wollen. Die Realität abseits des Marketings-Bla-Bla sieht anders aus. Denn das Geld für die Modellpflege sollte trotz voller Kassen überschaubar bleiben und in erster Linie der Technik zugutekommen.

Denn auch wenn das Design außen wie innen nahezu unverändert bleibt und das neue Modelljahr abseits der geänderten Leuchteneinheiten mit den drei Streifen kaum zu erkennen ist, können sich die Fahrer der zukünftigen S-Klasse insbesondere auf eine komplett neue Motorengeneration freuen. Die Sechszylinder, sowohl Benziner wie Diesel, werden auf eine komplett neue Reihenmotorfamilie umgestellt, die deutlich leistungsstärker und sparsamer als zuvor die V-Motoren war.  Gerade der in Jahre gekommene V6-Diesel wird endlich ausgemustert. Das Sechszylinder-Reihenselbstzünder mit drei Litern Hubraum leistet bereits in der Basisversion des Mercedes S 350d 4matic 210 kW / 286 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm. Das gleiche Triebwerk bietet den Insassen im S 400d 4matic 250 kW / 340 Nm und 700 Nm. Der Normverbrauch beider Dieseltriebwerke, wie alle Motoren obligatorisch mit der Neungang-Automatik kombiniert, liegt bei 5,5 bzw. 5,6 Litern Diesel.

Der neue V8-Benziner mit der Bezeichnung S 560 4matic holt aus vier Litern Hubraum 345 kW / 469 PS und ebenfalls 700 Nm maximales Drehmoment. Sein Normverbrauch liegt bei 8,5 Litern. Ergänzt wird das Startprogramm von zwei überarbeiteten AMG-Versionen. Während der S 63 AMG trotz des verkleinerten Vierliter-Hubraums auf 450 kW / 612 PS und 900 Nm erstarkt, bleibt die Leistung des Topmodells S 65 mit zwölf Zylinder und 630 PS identisch. Zudem wird Mercedes eine neue Generation von Sechszylinder-Reihenbenzinern einführen, die über einen integrierten Starter-Generator (ISG) auf 48-Volt-Basis und einen elektrischen Zusatzverdichter verfügen. Eine neue, variable Aufladung unter anderem mit elektrischem Verdichter sowie der integrierte Starter Generator sollen für besonders spontane Leistungsentfaltung ohne Turboloch sorgen. Der ISG übernimmt Hybridfunktionen wie Boost oder Rekuperieren und ermöglicht Verbrauchseinsparungen, die bisher der Hochvolt-Hybridtechnologie vorbehalten waren.

Deutlich weiter wollen die Funktionen der zahlreichen Fahrerassistenzsysteme der überarbeiteten Mercedes S-Klasse gehen. Dazu gibt es ein neues Lenkrad mit deutlich mehr Funktionen und einer einfachen Bedienung durch zwei Touchmodule, wie man es bereits von der E-Klasse kennt. Der Fahrer blickt ebenfalls wie bei dem kleinen Limousinenbruder zukünftig auf einen durchgehenden Bildschirm mit zwei 12,3-Zoll-Displays. Der wenig ansehnliche Bediensteg in der Mitte des Cockpits ist verschwunden. Seine Funktionen wanderten in die Mittelkonsole. Eine Touchbedienung des Multifunktionsbildschirms bleibt jedoch nach wie vor außen vor. Ob die Kunden die neuen Wellness-Funktionen mit unterschiedlichen Programmen zu schätzen wissen und nutzen werden, muss sich erst zeigen. Bei den jeweils zehnminütigen Behandlungen werden unter anderem Klimatisierung, Licht, Beduftung, Musik und Massagefunktion aufeinander abgestimmt. Ihre Premiere feiert die überarbeitete Mercedes S-Klasse auf der Shanghai Autoshow in dieser Woche; ab Juli wird das Daimler-Topmodell auf den verschiedenen Märkten eingeführt.