| von Wolfgang Gomoll

Die Porsche-Modellpolitik beim Cayenne folgt dem Ritual einer guten Speise. Erst kommt die Hauptspeise auf den Tisch, die dann nach etwa zwei Jahren mit dem GTS-Modell nachgewürzt wird. Damit das Chili auch richtig brennt, haben die Zuffenhausener beim Motor ordentlich nachgelegt und zwei Zylinder hinzugefügt: Statt eines Sechszylinders mit 324 kW / 440 PS befeuert nun ein Achtzylinder-Biturbo das 2.175 Kilogramm schwere SUV-Coupé. "Das ist das, was sich die Kunden wünschen", erklärt Cayenne-Baureihenleiter Stefan Fegg. Das Triebwerk stammt aus dem Turbo, wiegt rund 30 Kilogramm mehr als der Sechszylinder, leistet 338 kW (460 PS), hat ein maximales Drehmoment von 620 Newtonmetern, das bereits bei 1.800 U/min parat steht und bis 4.500 U/min erhalten bleibt. Damit erreicht das Cayenne GTS Coupé nach 4,5 Sekunden 100 km/h und ist bis zu 270 km/h schnell.

Um die Fahrbarkeit zu erreichen, schraubten die Techniker an einigen Stellhebeln. Kleinere Turbolader verbessern das Ansprechverhalten, dazu kommen andere Nockenwellen. Durch veränderte Ansaugstutzen und eine optimierte Auspuffanlage kann der Achtender leichter Ein- und Ausatmen. Die Achtgang-Automatik ist ebenfalls neu abgestimmt und hat kleinere Zahnräder. Die Absicht ist eindeutig: Gewicht sparen, wo es nur geht. Die Auspuffanlage mit den beiden mittigen Endschalldämpfern, die es nur für das Coupé gibt, spart noch einmal fünf Kilogramm ein, da die Techniker aufgrund der Anordnung der Katalysatoren und des Otto-Partikelfilters das Innenleben der Endschalldämpfer ausräumen konnten. Allerdings kostet der OPF auch rund 10 kW / 14 PS Leistung. Diese Maßnahmen zeigen schon, dass es beim neuen Cayenne GTS um Agilität und nicht um die pure Kraft geht. "Die Ingenieure haben richtig Lust auf den GTS. Er ist sozusagen das Lieblingskind", verrät Stefan Fegg, und positioniert den Musterschüler im gleichen Atemzug. "Der Cayenne ist ein Alleskönner, der GTS ist in erster Linie für die Straße konzipiert." Also mehr Rennmaschine als Kraxler.

Und die wollen wir jetzt in dem von ihren Schöpfern angedachten Lebensraum erfahren - im wahrsten Sinne des Wortes. Das Cockpit entspricht dem der anderen Cayennes samt 12,3-Zoll-Touchscreen, hat aber ein paar spezielle Feinheiten, wie etwa den GTS-Schriftzug in den Rundinstrumenten und das gut in der Hand liegende Lenkrad mit Alcantarabezug. Kaum dreht man am linksliegenden Zündschloss, erwacht der Achtzylinder mit einem dumpfen Grollen zum Leben. Schon nach wenigen Kilometern wird klar: Der Cayenne GTS strahlt eine vertrauenerweckende Souveränität aus. Dank der optionalen Dreikammer-Luftfedern, der Tieferlegung um zehn Millimeter und der ebenfalls aufpreispflichtigen 48-Volt-Wankstabilisierung ist der Porsche Crossover jeder Situation gewachsen.

Der Cayenne GTS taugt auch als Familienauto

Der Drehknopf wird zum besten Freund des Piloten, da die Spreizung der Fahrprogramme gleichermaßen gelungen wie ausgeprägt ist. In der Stadt rollt man komfortabel und entspannt über den Asphalt und auf der Landstraße stellt man den Crossover mit Sport Plus scharf. Dann spannt der Cayenne GTS Coupé seine Muskeln, der Achtzylinder macht seiner Lust am Vortrieb lautstärker Luft und die Befehle des rechten Fußes werden unmittelbar umgesetzt. Es ist beeindruckend, wie agil dieser Panamera auf Stelzen seine Bahnen zieht. Der Vorderwagen orientiert sich fast selbstverständlich am Kurvenradius und lenkt auch bei schnell angefahrenen Ecken willig ein - immerhin sprechen wir immer noch von einem SUV. Beeindruckend, wie agil der Cayenne GTS agiert. Die Lenkung ist gewohnt präzise und versucht nicht durch starke Rückstellkräfte Sportlichkeit zu suggerieren. "Die Lenkung bleibt in allen Fahrprogrammen gleich. Wir erreichen die unterschiedliche Charakteristik durch die Vor-Spannung des Fahrzeugs beziehungsweise des Fahrwerks, das bei Bedarf schneller reagiert", sagt Fahrdynamiker Maurice van de Weerd und erklärt so das schnellere Ansprechen aus der Mittellage heraus beim Sport-Plus-Modus.

Trotz aller Dynamik taugt der Cayenne GTS auch als Familienauto, da große Personen auch im Fond Platz finden, ohne den Kopf einziehen zu müssen. Der Kofferraum hat ein Volumen von 625 bis 1.540 Liter (bei umgelegten Rückbanklehnen) - das sind 165 Liter weniger als beim Cayenne. Bleibt nur noch der Preis und der ist leider gesalzen: Unter 118.490 Euro geht gar nichts.

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