Bei Land Rover läuft es in Deutschland momentan nicht rund. Von Januar bis Oktober dieses Jahres haben die Briten ein Minus von 23,5 Prozent bei den Zulassungen. Und das, obwohl SUVs nach wie vor gefragt sind. Zu den Sorgenkindern gehört der ansehnliche Velar, der schon einige Designmeriten eingefahren hat. Doch schön sein alleine reicht nicht, das Paket muss stimmen. Das ist bei Autos so, wie im echten Leben: Im Oktober 2018 gingen gerade mal 161 Neuwagenschlüssel über die Verkaufstheken der Range Rover Händler. Kaum das, was man sich unter einem Kassenschlager vorstellt.

Ein Hauptgrund für schlechten Absatzzahlen liegt an der optimistischen Preisgestaltung des Velars. Jetzt bessert Range Rover nach, macht den Crossover um rund 1.000 Euro günstiger und packt gleichzeitig mehr Serienausstattung in den Crossover. Darunter einen adaptiven Tempomaten inklusive Spurhaltesystem (funktioniert nur bis 180 km/h), einen bis 160 km/h aktiven verbesserten Notbremsassistenten, dazu gibt es jetzt bei allen Modellen eine Rückfahrkamera mit Parksensoren vorne und hinten.

Wir haben uns mit Ausstattungsversion "S" samt Einstiegsdiesel mit 132 kW / 180 PS, die für 56.020 Euro zu haben ist, auf den Weg durch das malerische Temecula Valley, südlich von Los Angeles gemacht. Die Straßen schlängeln sich durch hellgelbe sandige Hügel mit den Weinstöcken an denen Reben für preisgekrönte Weißweine, wie den "2015er Special Selection Muscat Canelli", wachsen. Sonne gibt es im Sunshine State im Westen der Vereinigten mehr als genug.

Guter Allradantrieb

Zeit für ein stärkendes Mittagessen. Doch in den USA sollte man mit solchen Bitten vorsichtig sein, denn die Konsequenzen sind bisweilen überwältigend. Die Empfehlung des freundlichen Kellners war eindeutig: "Fred Flintstone Tomahawk Rib-Eye Steak, das haben wir nicht immer auf der Karte. Heute schon. Eine Spezialität!". Bei der Beschreibung hätten unsere Alarmsensoren eine Vollbremsung einleiten sollen. Denn, was auf unserem Teller landete, hätte jede Steinzeitfamilie über Tage satt gemacht: Knapp 1,5 Kilogramm Fleisch an einem Knochen, der es zu einer Hiebwaffe klassifiziert. Aha daher also der Name Tomahawk. Dazu monströse Zwiebelringe - wo haben die die her?

Weiter geht es - mit etwas erhöhtem Eigengewicht. Vorbei an einem Segelflugplatz, bei dem die Flieger die gute Thermik dieser Region nutzen, um möglichst lange in der Luft zu schweben. Die Straßen mit den langgeschwungenen Kurven sind wie gemacht für den 4,80 Meter langen Velar. Hier spielt der Allradantrieb seine ganze Stärke aus und auch der Sand, der bisweilen den Asphalt etwas rutschiger macht, birgt keine Gefahr, da das System mit Hilfe eines Torsen C-Differentials die Kraft blitzschnell auf die entsprechende Achse verteilt. Das System verteilt das Drehmoment je nach Fahrsituation auf die jeweilige Achse - beim Entspannten Vorankommen verabschiedet sich die Vorderachse vom Vortrieb. Dynamik bekommt das System mit Bremseingriffen an den einzelnen Rädern. Im Gegensatz zum Technologie-Bruder Jaguar F-Pace verfügt der Velar außerdem über ein aktives Sperr-Differential an der Hinterachse.

Mehr Gleiter als Sportler

Die Route führt uns durch verschlafene Nester, wie Ramona in denen nicht nur die Wild West-Vergangenheit greifbar ist, sondern auch mächtige Bigfoot-Trucks, die auf den Velar lauern und den britischen Gentleman zu verspeisen drohen. Allerdings agiert das Navigationssystem zu träge, was die Bedienung erschwert. In der "Julian Pie Company" ist Zeit für eine Pause, um sich die unglaublich wohlschmeckende Kombination aus selbstgemachten Apfelkuchen und Vanilleeis zu genießen. Omi selbst steht hinter dem Tresen und bereitet die Köstlichkeit zu, da wartet man gerne etwas länger und hat Zeit, die Erinnerung für das Fitnessstudio ins Smartphone zu tippen.

Schnelle Sprints sind mit dem Zweiliterdiesel ohnehin nicht drin. Der knapp 1.9 Tonnen schwere Velar ist mit dieser Motorisierung mehr Gleiter als Kraftprotz, was wenig überrascht. Trotz der gewohnt souverän agierenden ZF-Achtgangautomatik ist eine Anfahrtsschwäche festzustellen, und das, obwohl das maximale Drehmoment von 430 Newtonmetern bereits bei 1.500 U/min einsatzbereit ist. Ist der Velar erst einmal ein Schwung gekommen, spielt er auf langen Strecken seine Stärken aus. Die liegen - trotz der etwas strafferen Abstimmung als beim Range Rover - im Komfort und den Platzverhältnissen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h und einem Durchschnittsverbrauch von 6,1 l/100 km ist der Range Rover Velar auch in diesen Disziplinen brauchbar aufgestellt.